Warenhäuser

Kaufhof-Chef interessiert sich noch für Karstadt

Für Kaufhof-Chef Lovro Mandac sind Warenhäuser kein Auslaufmodell. Aber er erwartet weitere Zusammenschlüsse und wirft dabei ein Auge auf Karstadt.

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Die Warenhauskette Kaufhof steht bei der Muttergesellschaft Metro auf der Verkaufsliste – doch Chef Lovro Mandac, 61, strahlt eine Mischung aus Gelassenheit und Angriffslust aus: Der Altmeister des Warenhauses – seit 1994 ist er Chef von Kaufhof, zuvor leitete er Horten – hält die vielmals totgesagte Sparte für „sehr lebendig“. Er will noch mehr Textilien in die Regale räumen und rechnet mit höherem Konsum der Deutschen – schießt aber auch weitere Schließungen nicht aus.

Morgenpost Online: Warenhäuser gelten bei vielen Deutschen als verstaubt und haben immer noch das Wühltischimage. Wie lebendig ist das Warenhaus noch?

Lovro Mandac: Es ist sehr lebendig. Jedenfalls dann, wenn Kaufhof über der Tür steht. Bei uns gibt es übrigens seit vielen Jahren keinen Wühltisch mehr. Und ich kann Ihnen sagen, dass die Kunden pro Einkauf immer mehr bei uns ausgeben: Die Summe, die durchschnittlich unten auf dem Kassenbon steht, steigt jedes Jahr um drei bis fünf Prozent. Staubschichten werden Sie bei uns sicher nicht finden.

Morgenpost Online: Laufen eigentlich alle Ihre 110 Warenhäuser in Deutschland gut, verdienen alle zumindest ihre Kapitalkosten?

Mandac: Ja.

Morgenpost Online: Aber Sie überprüfen, ob Sie nicht einige Häuser schließen sollen.

Mandac: Das gehört zum täglichen Geschäft. Das Erwirtschaften der Kapitalkosten ist das eine, die langfristige Perspektive des Standortes auch unter dem Aspekt anstehender Investitionen das andere. Selbstverständlich schauen wir uns die Situation besonders genau an, wenn die Laufzeit der Mietverträge zu Ende geht. Das kann dann auch dazu führen, dass wir einzelne Häuser schließen. In den vergangenen eineinhalb Jahren betraf dies drei Häuser, Mitte Februar schließen wir das Haus in Leipzig-Paunsdorf.

Morgenpost Online: Kann es sein, dass es noch weitere Schließungen gibt?

Mandac: Das kann grundsätzlich sein. Wir haben jedes Jahr Mietverträge, die auslaufen. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen.

Morgenpost Online: Ihr Mutterkonzern Metro will Kaufhof verkaufen. Dabei gehören Sie mit zum Besten, was Metro in Deutschland zu bieten hat. Seltsam, oder?

Mandac: Nein, das ist nicht seltsam, das liegt an der Strategie der Metro Group. Sie setzt auf die Expansion ihrer Vertriebslinien ins Ausland. Das ist mit dem Kaufhof, der ausschließlich in Deutschland und Belgien tätig ist, mit einem vernünftigen Kapitaleinsatz nicht darstellbar. Dass wir auf der Verkaufsliste – und das schon seit geraumer Zeit – stehen, ist kein Grund zur Beunruhigung. Metro-Chef Eckhard Cordes hat immer gesagt, dass er ein glücklicher Besitzer des Kaufhofs ist und mit dem Verkauf keine Eile hat. Wieso auch? Wir verdienen gutes Geld, steigern seit 2005 jedes Jahr unser EBIT, und die Rendite sowie der Cashflow können sich sehen lassen. Wir bekommen aus Düsseldorf auch weiterhin Geld für Investitionen. Das sind positive Zeichen dafür, dass wir eine gute Zukunft haben werden, selbst wenn wir mal nicht mehr zur Metro gehören werden.

Morgenpost Online: Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange.

Mandac: Das stimmt nicht – es gibt Interessenten. Aber es gibt auch unterschiedliche Sichtweisen bei der Einschätzung des angemessenen Preises.

Morgenpost Online: Wie lange werden wir denn das Neben- und Gegeneinander von Kaufhof und Karstadt noch sehen?

Mandac: Ich bin davon überzeugt, dass es früher oder später zu einer Konsolidierung des Warenhausmarktes in Europa, nicht nur in Deutschland, kommen wird. Das ist unausweichlich. Macy's in den USA etwa betreibt über 800 Warenhäuser, in Europa kommen die großen Ketten jeweils gerade auf etwas über 100. Unternehmen wie Macy's haben von daher eine ungleich höhere Einkaufsmacht als wir.

Morgenpost Online: Werden Sie die großen Zusammenschlüsse der europäischen Warenhäuser in Amt und Würden beim Kaufhof noch erleben?

Mandac: Das hoffe ich doch sehr. Mein Vertrag läuft noch bis September 2013.

Morgenpost Online: Dann schauen Sie doch mal in die Glaskugel: Wer schließt sich wann mit wem zusammen?

Mandac: Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Es gibt so viele Unbekannte wie die allgemeine konjunkturelle Situation und den Zustand der einzelnen Unternehmen. Vor allem sind fast alle europäischen Warenhauskonzerne in Familienhand: in Spanien, Frankreich, Italien und auch in Großbritannien. Und bei solchen Unternehmen kann man nur sehr schwer vorhersagen, ob und wann sich die Eigentümer zu einem Verkauf oder Zusammenschluss entschließen. Aber das wird kommen. In fünf Jahren werden Sie die europäische Warenhauslandschaft nicht wiedererkennen.

Morgenpost Online: Werden wir dann Ihren Lieblingskonkurrenten Karstadt noch wiedererkennen, wird es ihn noch geben?

Mandac: Wir haben immer ordnungspolitische Positionen vertreten. Das heißt, der Markt und die Wünsche der Kunden entscheiden über die Zukunft und den Erfolg eines Warenhauskonzepts – folglich auch über Karstadt. Wir fühlen uns bestens für diesen Wettbewerb gerüstet.

Morgenpost Online: Mit Andrew Jennings hat das Unternehmen jetzt einen neuen, international anerkannten Chef.

Mandac: Ich kenne Andrew Jennings. Er ist ein guter Mann, einer, der durchgreifen kann. Für seine Pläne braucht er aber Geld, viel Geld.

Morgenpost Online: Es ist immer wieder von dreistelligen Millionensummen die Rede, die zur Verfügung stünden.

Mandac: Das kann ich nicht beurteilen, und ich weiß auch nicht, ob es sich dabei um Kredite, Beiträge aus dem Cashflow oder reguläre Investitionen von Herrn Berggruen handelt. Wir machen unseren Job, Jennings seinen – und dann werden wir sehen, was die Kunden sagen.

Morgenpost Online: Hat Berggruen sich verhoben oder die Aufgabe unterschätzt?

Mandac: Das vermag ich nicht einzuschätzen. Herr Berggruen ist ein insbesondere bei Immobilien erfahrener Geschäftsmann, der sich sicherlich seinen Einstieg ins Warenhausgeschäft gut überlegt hat. Sollte er in zwei oder drei Jahren das Unternehmen ganz oder in Teilen verkaufen, kann er – wenn er alles richtig macht – einen hohen zwei- oder dreistelligen Millionenbetrag erzielen.

Morgenpost Online: Sie glauben nicht, dass Berggruen Karstadt auf Dauer eigenständig betreiben wird?

Mandac: Er selbst hat sich als vorübergehender Hirte bezeichnet. Am Ende wird sich die betriebswirtschaftlich beste Lösung durchsetzen – und dies ist aus unserer Sicht die Deutsche Warenhaus AG als Zwischenschritt zur Konsolidierung der europäischen Warenhauslandschaft. Da kann noch viel passieren.

Morgenpost Online: Was muss beim Kaufhof noch passieren? Oder ist alles super?

Mandac: Wir werden schon bald im Sortiment deutliche Veränderungen vornehmen. Wir wollen den Textilbereich und das Angebot von Outdoorprodukten noch weiter verstärken und dafür andere Artikelgruppen aus den Regalen nehmen. Wir möchten den Textilanteil von gut 48 Prozent auf über 50 Prozent erhöhen und im Niveau immer weiter steigern. Wir wollen Kaufhof weiter upgraden, wie man so schön sagt.

Morgenpost Online: Warum noch mehr Textilien?

Mandac: Weil es der Kunde erwartet. Er erwartet vom Warenhaus nicht mehr, dass er alle Produkte unter einem Dach findet. Aber er verlangt Damen- und Herren-Oberbekleidung, Accessoires wie Gürtel oder Taschen und natürlich Nachtwäsche. Jede achte deutsche Frau trägt inzwischen Unterwäsche von Kaufhof. Auch Heimtextilien, Kosmetik und Schreibwaren muss man heute im Warenhaus anbieten, zudem hochwertige Gourmet-Lebensmittel und Spielwaren.

Morgenpost Online: Was fliegt raus aus den Regalen?

Mandac: Das kann ich Ihnen noch nicht sagen.

Morgenpost Online: Wie ist bei Ihnen eigentlich das Jahr 2011 angelaufen?

Mandac: Wir sind insgesamt zufrieden mit dem Januar. Wir liegen in etwa auf dem Vorjahresniveau, und das war schon sehr gut.

Morgenpost Online: Was erwarten Sie für 2011 für den Konsum in Deutschland?

Mandac: Wegen des Nachlassens der Arbeitslosigkeit erwarte ich, dass der Binnenkonsum weiter anzieht. Menschen, die wieder einen Job bekommen, warten in der Regel etwa drei Monate ab, bevor sie sich sicher fühlen und sagen: Jetzt gehe ich mal wieder richtig einkaufen. Ich erwarte durchgängig durch alle Produktgruppen einen erfreulichen Anstieg der Nachfrage.

Morgenpost Online: Einige Experten sehen den privaten Verbrauch schon den Export als Konjunkturstütze ablösen.

Mandac: Der Handel ist tatsächlich wichtiger, als viele glauben. Schon jetzt macht der reine Einzelhandel fast 20 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus, der gesamte private Konsum liegt bei etwa 60 Prozent. Damit haben wir schon eine sehr hohe Relevanz für die deutsche Konjunktur und ihre Arbeitsplätze – auch für die in der Industrie. Denn was wir nicht verkaufen, muss unser Partner Industrie gar nicht erst produzieren. Aber trotz der guten Stimmung glaube ich nicht, dass sich die Deutschen jetzt plötzlich nach Art der Amerikaner hoch verschulden, um wie wild einzukaufen. Ich erwarte eher, dass die Deutschen im vernünftigen Rahmen ein paar Euro zusätzlich im Konsum lassen werden. Und das kommt uns natürlich zugute.

Morgenpost Online: Kann ein Unternehmenschef eine Frauenquote befürworten?

Mandac: Der Kaufhof ist beim Thema Frauen in Führungspositionen schon heute in der Branche vorbildlich: Wir liegen hier bei knapp 30 Prozent. Und wir werden im Rahmen einer internen Selbstverpflichtung den Anteil von Frauen in Führungspositionen zudem weiter steigern. Allerdings haben wir keine Pläne zur Einführung einer Frauenquote.