iPhone-Tracking

Bundesregierung verlangt Auskunft von Apple

Weil iPhone und iPad heimlich protokoliieren, wo sich die Nutzer aufhalten, soll Apple der Bundesregierung eklären, wie das zum Datenschutz passt. Das Verbraucherschutzministerium hat sich eingeschaltet.

Foto: Alasdair Allan

Das Verbraucherschutzministerium verlangt vom Technologiekonzern Apple Aufklärung über die Speicherung persönlicher Daten der Nutzer des Multifunktionshandys iPhone. „Es gibt eine Reihe offener Fragen, die von Apple in Zusammenarbeit mit den zuständigen Datenschutzbeauftragten geklärt werden müssen“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Apple muss offenlegen, wo und wie lange und zu welchem Zweck die Daten gespeichert werden, wer Zugriff auf diese Informationen hat und wie ein unbefugter Zugriff verhindert wird.“

Die mobilen Apple-Geräte mit Mobilfunkanschluss speichern die Ortungsdaten ihrer Nutzer und legen sie dann in einer versteckten Datei auf dem Computer ab. Betroffen sind das iPhone und das iPad mit Sim-Karte eines Netzbetreibers. Bei der Synchronisierung mit dem Computer werden alle Ortungsdaten in einer versteckten Datei mit dem Namen consolidated.db gespeichert.

Die deutsche Filiale des US-Konzerns wollte den Vorgang nicht kommentieren. „Das heimliche Erfassen und Speichern der Standort-Daten eines Smartphones wäre ein grober Eingriff in die Privatsphäre des Nutzers“, erklärte der Ministeriumssprecher in Berlin. Bewegungsprofile zählten zu den sensibelsten persönlichen Daten überhaupt.

Vorbehalte gegen einen möglichen Datenmissbrauch gibt es auch in den USA. Der Senator Al Franken wandte sich in einem offenen Brief an Apple-Chef Steve Jobs (PDF) und verwies auf Experten, nach deren Erkenntnissen das Apple-Betriebssystem iOS 4 die Bewegungsdaten der Nutzer speichert. Demnach werden die Längen- und Breitengrade der Standorte der Nutzer von iPhones und des Tablet-Computers iPad mit dem Betriebssystem iOS 4 bis zu hundert Mal pro Tag ermittelt und gespeichert.

Der Senator schreibt unter Berufung auf die Experten, es seien die Bewegungsdaten von bis zu zwölf Monaten erfasst worden, die Lokalisierungen könnten bis auf 50 Meter genau sein. Die Bewegungsdaten sollen auch auf Computer übertragen werden, an die iPhones oder iPads angeschlossen werden. Von Jobs verlangt der US-Politiker Aufklärung darüber, warum Apple diese Daten sammelt und speichert. Außerdem will Franken wissen, warum iPhone- und iPad-Nutzer nicht über die geheime Speicherung der Daten informiert worden sind und wer Zugriff auf diese Informationen hat.

Zwei IT-Experten, Alasdair Allan und Pete Warden, hatten auf einer Fachkonferenz auf die "Spionage"-Praxis von Apple aufmerksam gemacht und eine Mac-Software namens iPhoneTracker bereitgestellt, mit der die Ortungsdaten ausgelesen und auf einer Karte angezeigt werden können. Allan und Warden empfehlen als ersten Schritt, das von iTunes angelegte Backup der iPhone- oder iPad-Daten zu verschlüsseln.

Dazu muss in der linken Spalte das mobile Gerät markiert und unter „Übersicht“ die Option „iPhone-Backup verschlüsseln“ aufgerufen werden. Daraufhin wird der Nutzer zur Eingabe eines persönlichen Kennworts aufgefordert.

Auf dem iPhone oder iPad selbst lässt sich die Aufzeichnung der Daten bislang nicht abschalten. Wer die Erfassung von Ortungsdaten verhindern will, sollte daher das Gerät ausschalten. Solang iPhone oder iPad im Standby-Betrieb sind, werden die geografischen Daten zum jeweiligen Aufenthaltsort wieder registriert.

Bislang gibt es den Experten zufolge zwar keine Anzeichen für eine Übertragung der Ortsdaten. Datenschützer warnen aber vor einem fremden Zugriff auf den Computer mit den unverschlüsselt abgespeicherten Daten.