Aussenhandel

Deutschland ist in Brasilien ein Exportschlager

Vom Wirtschaftsboom in Südamerika profitieren vor allem deutsche Unternehmen. Deshalb lieben die Latinos Produkte "made in Germany".

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Es ist nur ein Beispiel, was in Südamerika in den kommenden Jahren alles an Möglichkeiten auf Unternehmen aus Deutschland wartet: Brasilien, die größte Volkswirtschaft der Region, bereitet sich auf zwei internationale Großereignisse der nächsten Jahren, die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016. Neben dem Stadionbau und anderen Infrastrukturvorhaben in Milliardenhöhe könnte vor allem deutsche Sicherheitstechnik hier zum Exportschlager werden. Zumal sich die deutsche Industrie in Brasilien in den letzten Jahrzehnten eine so starke Position aufgebaut hat, dass ausgezeichnete Rahmenbedingungen vorhanden sind.

Der Subkontinent ist in mehrerlei Hinsicht ein Wachstumsmarkt. Lateinamerika profitiert besonders bei Bergbauprodukten aber auch bei Agrarerzeugnissen vom ungebrochenen Nachfragesog aus Asien. Damit behalten die Sektoren Erdöl, Erdgas, Bergbau, Land- und Viehwirtschaft ihre ungebrochene Dynamik. Das fördert gleichzeitig den Trend zur Stärkung der Binnennachfrage und zur Ausweitung der Mittelschicht. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung nimmt beständig zu: Dienstleistungen und Konsumprodukte werden damit immer wichtiger. Das Pro-Kopf-Einkommen Lateinamerikas und der Karibik nahm im letzten Jahr um 4,8 Prozent zu.

Außer Venezuela verzeichneten alle Staaten Zuwächse, an der Spitze steht Uruguay (8,7 Prozent), gefolgt von Paraguay (7,8 Prozent), Peru (7,4 Prozent), Argentinien (7,3 Prozent) und Brasilien (6,7 Prozent). Die Verbesserung der sozialen Lage führte auch zur Verringerung der Armutsrate, zur Zunahme der Kaufkraft weiter Bevölkerungsschichten und schaffte Impulse beim Binnenkonsum. Auch zog in den meisten Ländern die Kreditgewährung an.

Im Bereich von Forschung und Entwicklung (F&E) könnte Lateinamerika zu einem wichtigen Zentrum der deutschen Technologiekooperation werden. Diese baut auf einer langen Präsenz deutscher Unternehmen vor Ort auf. Investitionen in bestehende Unternehmen oder neue Projekte sind dabei vielfach mit innovativen Verfahren und Technologien verbunden. Beispiele sind die Modernisierung der Energieerzeugung, die Entwicklung Ethanol basierter Technologien oder die Erschließung neuer Felder im Bereich erneuerbarer Energien oder Umwelttechnologien.

Deutsche Firmen haben die Nase vorn

Deutschland ist das wichtigste Lieferland Brasiliens in Europa. Pharmazeutische Produkte, Datenverarbeitungsgeräte und elektronische Ausrüstungen spielen bei den Ausfuhren eine immer größere Rolle. Damit wird das Thema Technologie bei den Außenhandelsbeziehungen immer wichtiger, zumal in den letzten Jahren ein Trend zur Internationalisierung von F&E Prozessen deutscher Unternehmen zu beobachten ist. Noch haben deutsche Firmen da die Nase vorn. Aber die Chinesen weiten ihre Präsenz in der Region massiv aus.

Eines der wichtigsten Probleme in Lateinamerika ist der steigende Aufwertungsdruck, der auf die Währungen ausgeübt wird. Vor allem Brasilien beklagt, dass China seinen Wechselkurs durch staatliche Eingriffe weit unter dem tatsächlichen Niveau halte, während die USA und Europa mit den niedrigen Zinsniveaus einen starken Abwertungsdruck auf ihre Währungen ausübten. Die lateinamerikanischen Regierungen versuchen sich gegen die Aufwertungen zu wehren, da sie die Exporte erschweren und die Importkonkurrenz auf den lokalen Binnenmärkten anreizt.Nach Schätzungen der Deutschen Bank werden in keiner anderen Region die Gewinne je Aktie so stark wachsen wie in Lateinamerika.

Diese Annahme beruht auf dem Nachfrageboom Asiens, der die Kurse von Bergbaugesellschaften wie der brasilianischen Vale oder der Southern Copper in Peru antreibt. Auch die anhaltende Ausweitung der Liquidität durch die amerikanische Notenbank wird zusätzliches Kapital nach Südamerika lenken. Nach Angaben des Beratungsunternehmens EPFR Global investierten Anlegen im letzten Jahr zwölf Milliarden Dollar in lateinamerikanische Aktienfonds – mehr als zwei Drittel davon flossen nach Brasilien.

In Brasilien, dem Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Südamerika, boomt als Folge der Entdeckung riesiger Tiefseevorkommen auch die Offshore- und Schiffbauindustrie. Der brasilianische Erdölriese Petrobras ist nach der größten Kapitalerhöhung aller Zeiten – trotz des steigenden staatlichen Einflusses auf die Firma – weiterhin eines der spannendsten Unternehmen in ganz Lateinamerika. Lateinamerika ist ein rein christlich geprägter Subkontinent. Religionsbedingte Auseinandersetzungen, so wie es sie in anderen Weltgegenden schon gibt und in Zukunft noch mehr geben wird, sind hier ausgeschlossen.

Auch handelt es sich um eine der deutschlandfreundlichsten Regionen der Welt, in der es überall noch ein meist enges Netzwerk gibt von deutschen Schulen und Vereinen. So sind etwa in der mexikanischen Regierung ein Drittel der Mitglieder Absolventen des Colegio Alemán. Auch auf universitärer Ebene gibt es ein engmaschiges Netz von Beziehungen. Die Bundesregierung hat im Sommer letzten Jahres ein Lateinamerika Konzept vorgestellt, das sich die Vertiefung der Beziehungen auf allen Ebenen zum Ziele setzt.