Sicherheitsdienste

Pforte statt Empfang - macht 1,80 Euro weniger

An der Uni Potsdam dürfen sich Sicherheitsleute am Telefon nicht mehr mit "Empfang Universität Potsdam" melden. Das würde teuerer - und zeigt, wie hart der es auf dem Markt der Berliner Sicherheitsbranche zugeht.

Foto: ddp / ddp/DDP

In dem Schreiben, das die Mitarbeiter im Februar dieses Jahres zugestellt bekamen, drehte es sich scheinbar nur um eine Kleinigkeit. Es ging darum, wie sich die Belegschaft des Berliner Sicherheitsunternehmens Securitas, die auf dem Campus der Uni Potsdam in Golm arbeiten, am Telefon melden soll. Statt „Empfang Universität Potsdam“ muss es nun „Pforte Universität Potsdam“ heißen. Die veränderte Begrüßungsformel dürfte kaum jemandem auffallen, der die Uni anruft. Für die Securitas-Mitarbeiter machen das einen Lohnunterschied von gut 1,80 Euro je Stunde aus.

Hintergrund ist der Tarifvertrag für das Wach- und Sicherheitsgewerbe, der seit dem 1. Januar 2011 in Berlin und Brandenburg gilt. Danach verdienen Sicherheitsmitarbeiter im Objektschutz 6,53 je Stunde. Das ist die unterste Lohngruppe die der Tarifvertrag vorsieht. Dieser Stundenlohn wird den Securitas-Leuten auf dem Uni-Gelände auch gezahlt. Das Unternehmen unterläuft nicht, wie viele andere Firmen der Branche den Tarifvertrag. Nach Informationen von Morgenpost Online wurde jedoch von Seiten der Uni darauf gedrungen, jeden Hinweis auf eine „Empfangstätigkeit“ zu tilgen. Denn Empfangsmitarbeiter hätten nach dem neuen Tarifvertrag ein Anrecht auf ein Monatsgehalt von 1442 Euro brutto im Monat. Bei üblichen 173 Arbeitsstunden entspräche dies einem Stundenlohn von rund 8,33 Euro.

Das Vorgehen wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, in der so raue Sitten wie sonst kaum in der Wirtschaft herrschen. Allein in Berlin und Brandenburg gibt es mehr als 1000 Firmen, die Objektschutz, Pförtnerdienste und ähnliches anbieten. Seit Unternehmen und öffentliche Einrichtungen diesen Service nicht mehr in Eigenregie betreiben, ist ein harter Kampf um diese Sicherheitsaufträge entbrannt. Und wie Leute aus der Branche klagen, tun sich insbesondere Institutionen des Bundes und der Länder darin hervor, den harten Preiswettbewerb zu befeuern.

Das Land Brandenburg hat gerade ein Gesetz verabschiedet, nach dem Firmen, die öffentliche Aufträge annehmen, ihren Mitarbeitern mindestens 7,50 Euro je Stunde zahlen müssen. Noch ist das Gesetz nicht in Kraft und für alte Verträge, wie dem zwischen Securitas und der Potsdamer Uni, gilt es ohnehin nicht. In dem Fall war die landeseigene Hochschule sehr darauf bedacht, bloß nicht zuviel für den Sicherheitsdienst zahlen zu müssen.

„Die Tätigkeiten, die unsere Leute dort ausüben, klassische Aufgaben von Sicherheitsdienstleistern. Das ist keine Empfangstätigkeit“, sagt Securitas-Sprecher Thomas Mensinger. Securitas Deutschland mit Sitz in Berlin ist das größte Unternehmen der Sicherheitsbranche. Allein in Berlin und Brandenburg beschäftigen sie rund 4000 Mitarbeiter. Empfangsmitarbeiter müssten wenigstens ein bisschen Englisch können und hätten mehr Aufgaben, als reine Sicherheitsdienst-Mitarbeier. Die Uni Potsdam teilt per Mail mit: „Auskünfte über die Ausgestaltung der Arbeitsverträge der Securitas-Mitarbeiter liegen im Ermessen und in der Verantwortung des Unternehmens und nicht bei der Universität Potsdam.“

Jürgen Stahl, der sich bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di um die Sicherheitsbranche in Berlin und Brandenburg kümmert, spricht von „Graubereichen“. Die genauen Tätigkeiten von Sicherheitsmitarbeitern würden ständig zwischen Auftraggeber und der Security-Firma verhandelt. Dementsprechend ginge es auch immer darum, wie die Tätigkeiten einzustufen seien und wie sie dann letztlich entlohnt werden. Mit anderen Worten: ständig wird über Preise und damit letztlich über die Löhne der Sicherheitsmitarbeiter gerangelt. Denn diese sind der entscheidende Kostenfaktor, wenn es um solche Dienstleistungen gebe.

Ein Mann aus der Sicherheitsbranche sagt, dass insbesondere öffentliche Einrichtungen gern die Preise drücken. „Die Ausschreibungsrichtlinien für das Wach- und Sicherheitsgewerbe haben sich bei Institutionen von Bund, Ländern und Kommunen seit den 60er-Jahren nicht geändert“, sagt er. Es gehe immer nur um die Mitarbeiteranzahl und deren Stundenentlohnung. Dabei spiele Technik eine immer größere Rolle bei Sicherheitsdiensten. Aber dies würde in den Ausschreibungsunterlagen der Öffentlichen Hand keine Rolle spielen. Oft bekomme dann einfach der billigste Anbieter den Zuschlag. Das seien dann oft Firmen, die weniger als fünf Euro je Stunde zahlten.

Zwar haben sich der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) und Ver.di auf einen gesamtdeutschen Mindestlohn-Tarifvertrag verständigt. Demnach müssen in diesem Jahr mindestens 6,53 Euro je Stunde gezahlt werden. Bis 2013 steigt der Stundensatz dann auf 7,50 Euro. Doch ein Problem bleibt trotzdem: Bei der Vielzahl der Unternehmen und Aufträge muss die Einhaltung auch kontrolliert werden. Und da haben sowohl Arbeitgeberverband als auch Ver.di so ihre Zweifel.