Liechtenstein

Prominente Steuersünder zittern vor Datendieb

Ex-Banker Kieber hat die Daten von 46 prominenten Steuersündern gesammelt. Nun will er die Affäre in einem Buch aufdecken.

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Heinrich Kieber hat sich zu Wort gemeldet. Der ehemalige Angestellte der Liechtensteiner LGT Bank, der den Steuerskandal um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel einst ins Rollen brachte, schildert, wie Schwarzgeld aus der ganzen Welt in das Fürstentum gelangte. Dass dies über Briefkastenfirmen, beispielsweise in Portugal oder Spanien, geschah, mag kaum jemanden verwundern. Ein anderer Fluchtweg erinnert dagegen schon an einen Spionagefilm: So soll sich Steuerhinterziehern, die Bares mit dem Auto nach Liechtenstein brachten, eine geheime Stahltür in einem öffentlichen Parkhaus in Vaduz geöffnet haben. Auf diesem Weg konnten sie direkt in den Tresorraum der LGT Treuhand fahren.

Dass sich der 45-Jährige gerade jetzt im Magazin „Stern“ äußert, ist kein Zufall. Am Sonntag stellt Kieber angeblich sein Buch zu der Affäre ins Internet. Auf „geheimem Weg“, wie es heißt. Der Mann, der Daten von LGT-Kunden nach eigenen Angaben an insgesamt 13 Staaten weitergab, soll heute an einem unbekannten Ort in einem Zeugenschutzprogramm leben. Die Liechtensteiner Polizei fahndet seit März 2008 per Steckbrief nach dem „185 cm“ großen Mann, dessen Erscheinungsbild von den Offiziellen mit „kaukasischer Typ (Mitteleuropa)“ beschrieben wird.

Insgesamt verfüge er über Daten von 3929 Stiftungen, Gesellschaften und Trusts sowie von 5828 natürlichen Personen, sagt Kieber nun. Zumwinkel sei dabei längst nicht der einzige Prominente. Er spricht von „46 PEP – politisch exponierten Personen“. Allerdings sei der Spitzenmanager zu seiner Überraschung „bislang der einzige PEP, dessen Fall zumindest teilweise öffentlich wurde“, so Kieber.

Mit der medienwirksamen Durchsuchung von Zumwinkels Privathaus im Februar 2008 hatte die Staatsanwaltschaft Bochum für viel Unruhe unter Steuerflüchtlingen gesorgt. Keiner der LGT-Kunden konnte sich fortan sicher sein, dass nicht auch sein Name auf der Steuer-CD steht. Bis heute wurden in diesem Zusammenhang von der Staatsanwaltschaft rund 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Andere, auch Nicht-LGT-Kunden, meldeten sich freiwillig bei den Steuerbehörden. Nach Selbstanzeigen sollen mehr als 600 Millionen Euro an hinterzogenem Geld nachträglich an den Fiskus geflossen sein.

Finanzbehörden werden von Selbstanzeigen überschwemmt

Der von Kieber angebotene Datenträger war der erste, den der Staat offiziell kaufen ließ. In diesem Jahr sorgte vor allem der Erwerb gestohlener Informationen über Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse für Schlagzeilen. Seitdem verzeichneten die Finanzbehörden mehr als 20.000 Selbstanzeigen. Neben der Einsicht, dass Bankdaten nicht mehr sicher sind, sorgte auch der zunehmende politische Druck auf einstige Steuerparadiese wie Liechtenstein und die Schweiz bei vielen zum Umdenken.

Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt. Er hatte seit den 80er-Jahren mehr als zehn Millionen Euro in einer Liechtensteiner Stiftung deponiert und so dem Fiskus vorenthalten. Bei dem einstigen Postchef handelt es sich nicht einmal um den vermögendsten LGT-Kunden in der Datensammlung. Laut Kieber war das ein italienischer Industriellen-Erbe mit 450 Millionen Euro Anlagevermögen.

Der reichste Deutsche sei ein Düsseldorfer Geschäftsmann mit Anlagen von 35 Millionen Euro gewesen. Die Fahnder kennen dank der Steuer-CD mehr als nur die nach Liechtenstein gebrachte Summe. Die Mitarbeiter der LGT Treuhand hätten über vertrauliche Gespräche mit ihren Klienten minutiös Buch geführt, sagt Kieber. In den Kundenunterlagen der Bank habe es interne Vermerke „über Familienstreitigkeiten, Zweit- und Drittfrauen oder uneheliche Kinder“ gegeben. „Die Treuhänder wissen mehr als manche Ehefrauen oder die Kinder oder die Geschäftspartner.“