Unternehmenskultur

Frauen werden in der Chefetage gebraucht

In deutschen Unternehmen macht sich ein Führungskräftemangel breit. Um dagegen anzukämpfen, müssen die Arbeitsbedingungen attraktiver werden.

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Deutschlands Konzerne sind ein Paradies für Frauen mit Ambitionen. Wer will, kann es selbst als Mutter bis an die Spitze schaffen: als Führungskraft in Teilzeit, die Kinder gut untergebracht in der Betriebskita oder auch mal am Telearbeitsplatz von zu Hause aus. Das ist zumindest der schöne Schein, den eine Umfrage der „Welt“ unter den 30 Dax-Firmen suggeriert.

Doch etwas stimmt nicht in diesem Bild. Wenn die Großunternehmen tatsächlich so familienfreundlich sind, warum liegt dann selbst in den Führungsebenen unterhalb des Vorstands der Frauenanteil oft im einstelligen Bereich? Es scheint, als wären die gut gemeinten Frauennetzwerke, Förderprogramme und Führungskräftetrainings speziell für den weiblichen Chefnachwuchs in vielen Fällen nicht viel mehr als potemkinsche Dörfer.

Führungskräfte sind rar geworden

Auf den Chefsessel schaffen Managerinnen es nach wie vor oft nur, wenn sie jeden Tag 12, 14 Stunden im Büro verbringen – egal, ob sie dabei produktiv sind oder nicht – und sich anschließend den Abend mit Netzwerken vertreiben. Wer das nicht leisten kann oder will, unerheblich ob Mann oder Frau, hat im „old boys network“ an der Spitze der Wirtschaft keine Chance.

Für Deutschlands Unternehmen ist diese Geisteshaltung ein Problem. Denn die Führungskräfte im Land sind rar geworden. Vor allem in technisch orientierten Branchen suchen Personalberater schon jetzt händeringend nach Fachkräften, die unter diesen Voraussetzungen Chef werden wollen und können.

Die Firmen müssen eine neue Unternehmenskultur lernen

Und dieser Mangel wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, wenn die Bevölkerung weiter schrumpft und noch dazu ein großer Teil der gut ausgebildeten Fachleute als Führungskraft wegfällt. Etwa, weil zu Hause ein alter, kranker Vater gepflegt werden muss, für dessen Heimversorgung die Pflegekassen kein Geld mehr aufbringen können.

Im eigenen Interesse müssen die Firmen schleunigst eine neue Unternehmenskultur lernen – in der Inhalte und Effizienz mehr zählen als abgesessene Stunden. In anderen Worten: mehr „typisch weiblichen“ Führungsstil.