Krieger

Möbelhaus-Pläne an der Avus vorerst gescheitert

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Grunewald will der Berliner Möbelkönig Kurt Krieger ein riesiges Höffner-Möbelhaus bauen - für 70 Millionen Euro. Doch die Behörden haben das Projekt nun gestoppt.

Foto: Patrick Piel

Der Berliner Unternehmer Kurt Krieger will auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs Grunewald ein großes Möbelhaus als Ersatz für die Höffner-Filiale in Wedding bauen. Fast 70 Millionen Euro soll die Investition betragen. Doch ob und wann Krieger seine Pläne umsetzen kann, ist offen. Denn die Behörden geben vorerst keine Zustimmung.

„Im Moment ist das Vorhaben nicht umsetzbar“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Wir beschäftigen uns derzeit nicht damit.“ Für die Ansiedlung des Möbelmarktes auf dem Güterbahnhof-Gelände sei es erforderlich, den Flächennutzungsplan zu ändern. Dies habe die Senatsverwaltung jedoch nicht vor. Aktuell werde ein gesamtstädtisches Konzept für Fachmärkte in Berlin entwickelt. „Es geht darum, wie viel Einzelhandel an welcher Stelle sein darf, und wie die Ansiedlung dorthin passt.“ Zunächst werde man sich einen Überblick über die existierenden Märkte verschaffen und dann prüfen, wie sich geplante Neuansiedlungen einfügen. Wann dieser Fachmärkteplan fertig sei, stehe noch nicht fest, so Sprecherin Rohland. Deshalb kann auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf nicht aktiv werden. „Wir müssen das zur Kenntnis nehmen und die Planungshoheit des Senats und des Abgeordnetenhauses akzeptieren“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

Somit ist für den Unternehmer offen, wann er sein Möbelhaus auf dem Bahn-Gelände bauen kann. „Das kann fünf oder zehn Jahre dauern“, sagt Kurt Krieger, aber er will auf keinen Fall aufstecken. Für eine Höffner-Filiale in Hamburg habe er sogar 16 Jahre gebraucht. In Grunewald plant er ein Gebäude mit 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einen Möbeldiscounter von 5000 Quadratmetern. Der vorhandene Golfplatz auf dem Gelände könne aufgewertet oder auch ein Park angelegt werden, so der Unternehmer. Er hat sein Vorhaben am Mittwoch im Stadtplanungsausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung Charlottenburg-Wilmersdorf vorgestellt. Dort seien viele Punkte angesprochen worden, die nun abgearbeitet werden sollen. Ungeklärt ist zum Beispiel die Frage des Denkmalschutzes. Krieger möchte alte Bauten auf dem Bahn-Gelände abreißen lassen.

Anwohner befürchten Verkehrschaos

Doch aus dem Stadtplanungsamt hieß es, dass dafür eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde erforderlich sei und vom Unternehmen vorgelegt werden müsse. Baustadtrat Gröhler sieht erhebliche Verkehrsprobleme voraus, wenn das Projekt realisiert werden sollte. Betroffen sei vor allem die Kreuzung Messedamm/Jafféstraße, in deren Nachbarschaft auch die Deutschlandhalle abgerissen und ein Neubau errichtet werde, sagt Gröhler. Auch die Anwohner rechnen mit wesentlich mehr Verkehr. „Wir erwarten hohe Belastungen durch den Möbelmarkt“, sagt Uwe Neumann vom Siedlerverein Eichkamp. Einem Gutachten zufolge sei wegen des Möbelmarktes mit 6000 zusätzlichen Verkehrsbewegungen pro Tag an der Cordesstraße zu rechnen. Schon jetzt werde der Eichkampweg als Schleichweg von Kraftfahrern genutzt. In den nächsten Monaten will sich Kurt Krieger vorrangig um die Verkehrserschließung des Areals kümmern. „Wenn wir dafür eine ordentliche Lösung anbieten können, werden wir sie dem Ausschuss vorstellen.“

Den Anwohnern sei auch wichtig, wie man mit dem alten Bahn-Gelände umgeht, sagt Uwe Neumann. „Es ist ökologisch und historisch von großem Wert, deshalb sollte man nicht einfach einen Neubau draufsetzen.“ Die „wunderschönen alten Backsteinbauten“, darunter Wohnhäuser und Werkstätten, sollten nicht einfach abgerissen werden, fordert der Vorsitzende des Siedlervereins. Das Gebiet sei mindestens 15 Jahre nicht mehr genutzt worden. Fledermäuse hätten sich angesiedelt, eine besondere Vegetation habe sich entwickelt. Auch im Denkmalensemble könne man Möbel verkaufen.

Befürwortet werden Kriegers Pläne von der CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses. Sie seien eine große Chance, im Bezirk ein bedeutendes Berliner Unternehmen anzusiedeln und an dieser Stelle eine Vielzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen. Doch das sind Jobs, die voraussichtlich in Wedding verloren gehen werden. Denn Kurt Krieger plant einen Standard-Neubau als Ersatz für die Höffner-Filiale an der Pankstraße. Immer mehr Kunden würden den Weg durch die Innenstadt scheuen, so der Unternehmer. Deshalb sei eine Lage am Stadtrand, nahe der Autobahn, von großem Wert. Zehn Millionen Euro werde voraussichtlich die Erschließung der Fläche kosten, weitere 60 Millionen Euro der Neubau. Krieger sagt, er habe das 14 Hektar große Grundstück gekauft und bezahlt, ohne Rücktrittsklausel für den Fall, dass seine Pläne nicht genehmigt werden. „Manchmal muss man ins Risiko gehen.“