Arcandor

Insolvenzverwalter fordert Millionen von Middelhoff

Der Ex-Arcandor-Chef soll überzogene Boni kassiert und sich wie ein "Gutsherr" aufgeführt haben. Der Manager wehrt sich mit einer Gegenklage.

Die Millionenforderungen an Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff werden immer höher: Nach Medieninformationen hat der Insolvenzverwalter des Pleitekonzerns, Klaus Hubert Görg, beim Landgericht Essen eine weitere Klage gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden sowie fünf Ex-Vorstände und zwei ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende eingereicht. Den Managern wird unter anderem vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben, wie der „Spiegel“ berichtete. Fast 24 Millionen Euro will Görg demnach von den Beschuldigten zurückholen. 15,9 Millionen Euro verlangt er allein von Middelhoff.

Die Summe ist im Vergleich zu einer ersten Forderung des Insolvenzverwalters durchaus gering: Görg hat Middelhoff und zehn weitere ehemalige Topmanager des Konzerns bereits im Juli 2010 auf Schadenersatz in Höhe von 175 Millionen Euro verklagt. Sie sollen wirtschaftlich nachteilige Mietverträge für mehrere Karstadt-Häuser ohne die erforderliche rechtliche Prüfung abgeschlossen haben. Der Prozess soll am 13. April vor dem Essener Landgericht beginnen.

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller kündigte in den vergangenen Tagen an, sein Mandant werde sich gegen die millionenschwere Schadenersatzklage mit einer Gegenklage wehren. Görg habe wesentliche, für den früheren Arcandor-Chef entlastende Umstände wissentlich verschwiegen und damit gegen die prozessuale Wahrheitspflicht verstoßen, sagte Holtermüller.

Sonderboni trotz Verlusten

Der Insolvenzverwalter zeigte sich vom Gegenschlag des Managers allerdings wenig beeindruckt. Sein Sprecher erklärte lediglich, er nehme die Ankündigung gelassen zur Kenntnis. Die Reaktion überrascht mit Blick auf die zweite Klage nicht: Nach Informationen des „Spiegel“ glaubt Görg, genügend Beweise dafür gefunden zu haben, dass sich Middelhoff „wie ein Gutsherr“ aufgeführt habe: Der Manager soll allein für das Geschäftsjahr 2007/2008 – der Konzern machte in diesem Zeitraum 746 Millionen Euro Verlust – einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert haben: für „seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008“, wie es dem Magazinbericht zufolge in der Begründung des Arcandor-Aufsichtsrats hieß.

Daneben soll Middelhoff private Geburtstagsgeschenke über die Firma abgerechnet haben. Weitere Vorwürfe richten sich einem Vorabbericht der „Bild am Sonntag“ („Bams“) zufolge gegen überhöhte Flugkosten.

Middelhoff selbst wollte sich zu den Anschuldigungen nicht äußern. Sein Anwalt Hartmut Fromm teilte dem „Spiegel“ mit, die Anfrage „im jetzigen Stadium“ nicht beantworten zu können. Erst wolle man die Klageerwiderung ans Gericht schicken. Er sei sich jedoch sicher, dass Görgs „Sachvortrag lückenlos widerlegt wird“.