Umfrage

Deutsche finden FDP-Gesundheitsreform ungerecht

Vernichtendes Urteil zur Gesundheitsreform von Philipp Rösler: Die meisten Deutschen halten den Zusatzbeitrag des FDP-Ministers für ungerecht.

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Die Bundesbürger stellen der Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit der Einführung eines einkommensunabhängigen Zusatzbeitrags ein vernichtendes Urteil aus. 82 Prozent der Deutschen halten die Reform für ungerecht, 75 Prozent zweifeln daran, dass die beschlossenen Maßnahmen die Finanzierung des Gesundheitssystems für längere Zeit sichert. Das ergab eine Umfrage unter 1800 Bürgern durch das Meinungsforschungsinstitut Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP.

Danach sagen 61 Prozent der Befragten, die sie hätten keinen guten Eindruck von der schwarz-gelben Gesundheitspolitik. Damit liegt Rösler nur knapp vor seiner Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD). Mit ihr waren 62 Prozent der Befragten unzufrieden.

Nichtsdestotrotz beurteilen 70 Prozent der Befragten die derzeitige Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems als gut oder sehr gut. Unverändert hoch ist aber die Befürchtung, im Krankheitsfall auf eine notwendige Behandlung verzichten zu müssen. 42 Prozent äußern diese Sorge. 38 Prozent meinen schon jetzt, auf medizinisch sinnvolle Behandlungen aus Kostengründen verzichten zu müssen. Als Grund für den Kostendruck im Gesundheitswesen geben die Befragten überhöhte Medikamentenpreise (70 Prozent) und den demografischen Wandel (68 Prozent) an.

Ohnehin kommt die Pharmaindustrie im Urteil der Bürger schlecht weg: 61 Prozent meinen, die Arzneimittelhersteller seien bei der Gesundheitsreform verschont worden, während 66 Prozent angeben, die Versicherten seien zu stark belastet worden. Jeder zweite Patient glaubt aber auch, dass viele Deutsche häufig unnötig zum Arzt gehen. Bestätigt wird diese Einschätzung von 70 Prozent der Ärzte, die ebenfalls von Allensbach befragt wurden.

Erstmals wurden auch repräsentative Gruppen in den Niederlanden, Schweden und der Schweiz an der Umfrage beteiligt. Der MLP-Gesundheitsreport kommt dabei zu dem Schluss, dass die Befragten in diesen Nachbarländern die Gesundheitsversorgung besser beurteilen und sich weniger um nötige Behandlungen bei Krankheiten sorgen. Das deutsche Gesundheitswesen hinke im internationalen Vergleich hinterher, heißt es in dem Report.