Autofahren

Erste Tankstellen verlangen sogar Geld für Luft

Tankstellen der Kette Gulf in Deutschland haben Automaten fürs Reifen aufpumpen aufgebaut. Fünf Minuten Luft aus dem Gerät kosten einen Euro. Laut einem Medienbericht beschwerten sich Kunden – und das Unternehmen verteidigt das Abkassieren. Auch die Spritpreise sind fast so hoch wie im Jahr 2008.

Foto: picture-alliance / dpa / dpa

Erste Tankstellen in Deutschland kassieren laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung bereits Geld fürs Reifen aufpumpen. Stationen der Tankstellen-Kette Gulf in Thüringen stellten demnach Automaten für den Luftservice auf. Sie verlangten einen Euro für fünf Minuten Luft aus dem Automaten, berichtete die Zeitung.

Viele Kunden hätten sich beschwert. Das Unternehmen verteidigte das Abkassieren. „Wartung und Instandhaltung der bisherigen Luftdruck-Prüfgeräte kosten jede Tankstelle 3800 Euro im Jahr“, sagte Gulf-Deutschland-Chef Raik Janz der Zeitung. Das Unternehmen, ein Ableger der niederländischen Gulf Oil, betreibt mehr als 50 Tankstellen in der Bundesrepublik, überwiegend in den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Erst kürzlich hatten die Spritpreise in Deutschland einen Jahreshöchstsand erreicht. Bundesweit lag der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin bei 1,421 Euro und damit 2,4 Cent über dem Niveau der Vorwoche, wie der ADAC am 17. März mitteilte.

„Der teuerste Tag war der vergangene Freitag (12. März) mit 1,45 Euro“, sagte ADAC-Experte Wolfgang Steichele. „Das hohe Preisniveau ist durch den Ölpreis nicht gerechtfertigt“, kritisierte er. Diesel verteuerte sich binnen Wochenfrist um 2,2 Cent auf 1,198 Euro pro Liter und erreichte ebenfalls ein Jahreshoch. Auch Heizöl war teurer geworden.

Wegen der steigenden Preise forderte der Präsident des Automobilclubs ACE von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon eine europaweite Aktion, um einen tatsächlichen Wettbewerb zwischen den großen Kraftstoffanbietern herzustellen. „Es müssen durchgreifende Konsequenzen durchgesetzt werden, die bis hin zu einer Aufhebung des mächtigen Oligopols der Ölmultis gehen können“, sagte ACE-Chef Wolfgang Rose.

Er begründete seine Forderung mit dem Hinweis, dass Benzin im Rekordsommer 2008 bei einem Rohölpreis von knapp 150 Dollar je Barrel nur 1,30 Euro je Liter gekostet habe, heute dagegen bei einem Ölpreis von etwa 80 Dollar teurer sei.

„Das ist Unsinn“, widersprach Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Im Sommer 2008 habe Superbenzin in Deutschland bis zu 1,59 Euro je Liter gekostet, also rund 18 Cent mehr als derzeit.

Beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ist man entsprechend empört über den ACE. „Der Deckungsbeitrag lag im Juli 2008 bei 10,4 Cent je Liter und liegt heute bei 10,6 Cent“, sagte Sprecherin Karin Retzlaff in Berlin.

Das ist der Betrag, der übrig bleibt, wenn Mehrwert- und Mineralölsteuern und die Kosten für den Einkauf des Kraftstoffs bezahlt sind. Davon müssen die Unternehmen die Kosten für Transport, Logistik, Energie, Personal und anderes abdecken. Als Gewinn bleibt laut MWV ungefähr ein Cent je Liter nach Steuern.

Das Bundeskartellamt in Bonn beobachtet die Ölkonzerne, weil sich dort täglich Verbraucher über den vermeintlichen Missbrauch der Marktmacht durch die Ölkonzerne beschweren. Ein Bericht soll im Sommer 2010 vorgelegt werden.

Doch eine Handhabe hat die Behörde nach eigenen Angaben nicht, weil die Ölfirmen nicht gegen das Kartellrecht verstoßen. „Die Preisgestaltung an den Tankstellen ist sehr transparent“, stellte das Amt fest. Durch die großen Preistafeln könnten sich die Tankstellen jeweils an das Preisniveau ihrer Wettbewerber anpassen. „Abgucken ist erlaubt, absprechen nicht.“