Biosprit

Shell bindet Kunden mit E10-Versicherung

Die Versicherung gilt nur für Autofahrer, die mindestens 80 Prozent ihres Benzins bei Shell kaufen. Noch immer meiden die Kunden den Biosprit.

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Der Mineralölkonzern Shell will mit einer kostenlosen Versicherung die Skepsis der Deutschen gegenüber dem Biosprit E10 abbauen.

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Weil der neue Biosprit E10 von den meisten Autofahrern weiterhin nicht angenommen wird, bietet der Mineralölkonzern Shell nun seinen Kunden eine kostenlose „E10-Versicherung“ an. Versichern können sich alle Autofahrer mit E10-tauglichen Fahrzeugen, deren Erstzulassung nach 1995 war und die mindestens 30 Liter „Shell FuelSave Super E10“ getankt haben. Dies bietet der Ölkonzern gemeinsam mit der DFV Deutschen Familienversicherung an.

Der Autofahrer muss sich online registrieren

„Wir möchten unseren Kunden Sicherheit geben“, sagte Shell-Manager Jörg Wienke in Berlin. Vor oder bis spätestens drei Tage nach dem Tanken muss sich der Shell-Kunde im Internet unter www.shell.de/e10-versicherung registrieren. Der vorausgegangene Tankvorgang ist dann bereits versichert. Vermutet der Versicherungsnehmer einen Schaden am Motor, der auf E10 zurückzuführen sein könnte, meldet er dies über das Internet an die Versicherung.

Eine weitere Vertragsklausel zeigt, dass die E10-Versicherung für Shell offenbar auch ein Instrument zur Kundenbindung ist: Der Versicherungsschutz gilt nämlich nur dann, wenn der Kunde nach der Registrierung überwiegend, das heißt zu mindestens 80 Prozent, auch bei Shell tankt. Überprüft wird dies, indem die Kilometerstände bei der Registrierung und beim Schadensfall verglichen und mit den Abrechnungen auf der Club-Bonuskarte oder mit Tank-Quittungen abgeglichen werden.

Im Zweifel prüft ein Sachverständiger den Schaden

Nach der Prüfung durch die Versicherung wendet sich der Kunde an eine Fachwerkstatt und beantragt die Feststellung des E10-Schadens sowie die Reparatur. Kann die Werkstatt den Schaden nicht auf E10 zurückführen, wird ein unabhängiger Sachverständiger der Dekra hinzugezogen. Bestätigt dieser Experte, dass ein E10-Schaden vorliegt, werden die Reparaturkosten innerhalb von 48 Stunden von der Versicherung beglichen – so lautet das Versprechen.

Der Versicherungsschutz auf das „Restrisiko“ des E10 ist auf 18 Monate begrenzt. „Wir gehen davon aus, dass sich auch Langzeitschäden bei normalen Fahrzeuggebrauch innerhalb dieses Zeitraums zeigen würden“, sagte DFV-Vorstand Stefan Knoll. Danach werde eine Vertragsverlängerung angeboten. Ob die allerdings auch kostenlos sein wird, ist derzeit offen.

Offensichtlich sollen jetzt noch einmal von mehreren Seiten Anstrengungen unternommen werden, um das bei den Autofahrern unbeliebte E10 doch zum Erfolg zu führen. So will die Politik eine Aufklärungskampagne starten. „Es kommt in den nächsten Tagen ein weiterer Schritt der Bundesregierung“, sagte Hubert Steinkemper vom Bundesumweltministerium beim Kraftstoff-Forum des Energie Informationsdienstes in Hamburg. Auch der „gemeine Verbraucher“ solle verstehen, warum E10 gut für das Klima, die Umwelt und die Nachhaltigkeit sei.

Zuletzt hatte es von Seiten der Ölkonzerne Kritik an der Regierung gegeben, sie setze sich nicht für das Thema ein. Allerdings sagte Steinkemper auch, sein Mitleid mit den Unternehmen „halte sich in Grenzen“, wenn sie auf die drohenden Strafzahlungen verwiesen. Die Ölmultis müssen im Benzinabsatz eine gesetzlich festgeschriebene Quote von insgesamt 6,25 Prozent Bio-Anteilen im Energiegehalt einhalten, sonst drohen Strafen. Auf der EID-Veranstaltung machte Ursula Borak aus dem Bundeswirtschaftsministerium klar, dass die Regierung diese Quote nicht ändern wolle. „Im Moment bleibt das so“, sagte sie.

Tankstellenbetreiber verkaufen nicht genug

Die Tankstellenbetreiber stehen hier jedoch vor einem Problem: Durch den schwachen Absatz an E10 bislang können sie die geforderten Mengen kaum erreichen. „Wir werden kläglich an der Hürde scheitern, das ist jetzt schon abzusehen“, sagte Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen, zu „Morgenpost Online“. Sollte sich dies im Verlauf der nächsten Wochen abzeichnen, dürften die Benzinpreise noch weiter steigen. Denn Experten rechnen damit, dass absehbare Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe je Tankstellenunternehmen den Preis je Liter um zwei Cent erhöhen werden.

Unterdessen will der ADAC wohl noch in dieser Woche bei den Ordnungsämtern Anzeigen gegen Tankstellenbetreiber einreichen. „Wir formulieren die Anzeige gerade. Wir werfen den Unternehmen vor, dass sie an den Tankstellen kein Super E5 als Ausweichsorte für Autofahrer, deren Motor dass E10 nicht verträgt, anbieten“, sagte ein ADAC-Sprecher. Im Kern geht es darum, dass Ölkonzerne Kunden oft das teurere Superplus E5 oder gar ihre Premiumsorten Ultimate oder V-Power anbieten, wenn Kunden kein E10 tanken wollen. Begründet wird dies dann mit Versorgungsproblemen – das günstigere E5 sei einfach ausverkauft, heißt es dann an den Stationen.

Nach Angaben der Tankstellenketten liegt der Absatz des Biosprits E10 mit rund 30 Prozent nach wie vor weit unter den Erwartungen und Möglichkeiten. Nur in einigen Regionen Süddeutschlands erreichen Anbieter Anteile von etwa 50 Prozent.