Schuldenkrise

Was die Irland-Krise Deutschland kostet

Irland braucht Hilfe. Einen Großteil davon bekommt es von der EU. Was die Rettung, Deutschland kostet, warum Irland so lange keine Hilfe wollte und weshalb eine Rettung eigenlich sein muss - die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Iren droht strenger Sparkurs

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Was kostet die Rettung Irlands?

Nach Aussagen des irischen Finanzministeriums weniger als 100 Milliarden Euro. Experten halten eine Summe von bis zu 90 Milliarden Euro für erforderlich. Allein für die Banken könnten 40 Milliarden Euro fällig werden, weil sie mindestens ein Jahr lang an den EU-Topf angeschlossen werden sollen.

Warum können die Banken nicht in den Bankrott geschickt werden?

Dublin hat bereits einen Großteil des Sektors verstaatlicht. Damit ist die Bankenkrise zur Krise für den öffentlichen Haushalt geworden, das Land droht von den Finanzmärkten ausgetrocknet zu werden. Zudem hätte ein Bankrott der Finanzinstitute verheerende Folgen für die Branche in anderen Euro-Ländern. Deutsche Banken haben gegenüber irischen Instituten Forderungen von knapp 115 Milliarden Euro.

Was kostet Deutschland die Irland-Rettung?

Bei einem Paket im Volumen von 90 Milliarden Euro läge der EU-Anteil bei 60 Milliarden Euro, das weitere Drittel würde der Internationale Währungsfonds (IWF) beisteuern. Von den 60 Milliarden Euro müsste der Bund bis zu 28 Prozent schultern, das wären knapp 17 Milliarden Euro. Etwas kosten würde die Hilfe den deutschen Steuerzahler aber nur dann, wenn Irland die in Anspruch genommenen Kredite nicht zurückzahlen könnte. Werden die Schulden bedient, dann würde Berlin wegen der anfallenden Zinsen an der Rettung verdienen.

Was muss Irland für die Hilfe leisten?

Zum einen wird der Bankensektor radikal restrukturiert. Die verstaatlichte Anglo Irish Bank, die bis zu 34 Milliarden Euro braucht, könnte ganz abgewickelt werden. Zudem muss der Haushalt saniert werden: Einsparungen von 15 Milliarden Euro bis 2014 werden verlangt. Aber die EU-Partner drängen Dublin auch zu höheren Steuern, um die Einnahmenseite zu verbessern. Insbesondere wird eine Erhöhung der Körperschaftssteuer gefordert. Der extrem niedrigen Satz von 12,5 Prozent verschafft Irland erhebliche Standortvorteile gegenüber Frankreich oder Deutschland.

Warum verlangen die Märkte trotz des im Frühjahr aufgespannten Rettungsschirms so hohe Zinsen von Irland?

Die Hilfe ist bis 2013 begrenzt. Ob Dublin seinen Haushalt und seine Wirtschaft bis dahin wieder fit gemacht hat, ist nicht sicher. Zwar arbeitet die EU an einem dauerhaften Sicherheitsnetz für die Zeit nach 2013. Aber daran sollen die Banken beteiligt werden, und die Einzelheiten liegen noch nicht auf dem Tisch. Gegen diese Unsicherheiten schützen sich die Märkte mit hohen Zinsen.

Warum hat Irland so lange gezögert, den Schutzschirm in Anspruch zu nehmen?

Der Schritt war ein schmerzhaftes Eingeständnis des einstigen „Keltischen Tigers“, die Probleme nicht mehr selbst lösen zu können. Zudem können Europartner und IWF nun Bedingungen diktieren, etwa Steuererhöhungen. Der schmachvolle Souveränitätsverlust bringt die irische Regierung noch ärger in Bedrängnis. Die irischen Grünen, auf deren Unterstützung Ministerpräsident Cowen angewiesen ist, forderten am Montag bereits eine vorgezogene Neuwahl.

Wann kann die Hilfe eintreffen?

Nach dem Antrag vom Sonntag müssen die EU-Finanzminister nun feststellen, dass die Irland-Krise den gesamten Euroraum bedroht. Zugleich werden die Bedingungen verhandelt. Ende des Monats soll die Einigung unter Dach und Fach sein. Erste Kredite könnte die Europäische Stabilisierungsfaszilität (EFSF) dann binnen Tagen überweisen.