Schwaches Geschäft

Fusion soll Telekom in Großbritannien helfen

Die Deutsche Telekom schwächelt mit ihrem Mobilfunk-Geschäft in Großbritannien. In der Not fusioniert die Telekom ihre Tochterfirma mit dem britischen Ableger der France Telecom. Doch es ist noch unklar, ob die ausgehandelten Konditionen der Telekom am Ende wirklich nützen.

Die Deutsche Telekom legt ihr schwächelndes Geschäft in Großbritannien mit France Telecom zusammen. Das Gemeinschaftsunternehmen aus T-Mobile UK und Orange würde mit einem Marktanteil von 37 Prozent und einem Umsatz von mehr als neun Milliarden Euro auf einen Schlag zum Marktführer aufsteigen.

Die Mutterkonzerne wollen jeweils 50 Prozent daran halten. Damit hat sich die Telekom gegen einen Verkauf an Telefónica und Vodafone entschieden, die nach Informationen von Morgenpost Online ebenfalls Angebote vorgelegt haben. „Heute machen wir den ersten Schritt, um einen Mobilfunk-Champion in Großbritannien zu formen“, sagte Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges.

Die Telekom ist in Großbritannien gehörig unter Druck geraten. Zuletzt hat sie Kunden und Umsatz verloren. Der britische Markt mit fünf Mobilfunkern ist stark umkämpft. Die Gewinnmarge von T-Mobile ist dort nur halb so hoch wie in anderen europäischen Ländern.

Im Frühjahr musste Telekom-Chef René Obermann sogar 1,8 Milliarden Euro auf seine britische Tochter abschreiben. Zugleich startete er ein rigoroses Sparprogramm, tauschte das Management aus und kündigte an, alle Optionen für das Geschäft zu prüfen.

Dass sich die Telekom nun für ein Joint-Venture entscheidet, liegt nicht zuletzt auch an zu geringen Kaufangeboten, die offensichtlich unter dem Buchwert von 4,5 Milliarden Pfund lagen. Bis Ende Oktober 2009 soll der Vertrag zwischen France Telecom und der Deutschen Telekom unterschrieben sein, dann werden die Kartellbehörden das Vorhaben begutachten. Die Konzerne erwarten die Freigabe und damit auch den endgültigen Abschluss des Geschäftes bis Mitte 2010.

Weil das französische Mobilfunkgeschäft in Großbritannien größer ist als T-Mobile UK, musste die Telekom in mehreren Punkten nachgeben. So übernimmt der Orange-Chef Tom Alexander die Führung des neuen Gemeinschaftsunternehmens, T-Mobile-Chef Richard Moat wird zweiter Mann.

Auch muss die Telekom das T-Mobile-Geschäft schuldenfrei übergeben, France Telecom hingegen darf 1,25 Milliarden Pfund Verbindlichkeiten weiterreichen. Zum Start aber schießen beide Konzerne jeweils 625 Milliarden Pfund in das neue Unternehmen. Die Integration soll Synergien von mehr als 3,5 Milliarden Pfund bringen, und die jährlichen Kosten ab 2014 um 445 Millionen Pfund schrumpfen.

Viele Details sind allerdings noch gar nicht geklärt. So werden vorerst für eineinhalb Jahre beide Marken fortgeführt, erst später wollen sich die Unternehmen auf eine Marke einigen.

Auch können die Konzerne nicht völlig unabhängig bestimmen. T-Mobile ist in Großbritannien eine weit reichende Zusammenarbeit mit der Hutchison-Tochter 3 eingegangen und nutzt gemeinsam ein Netz für den schnellen Mobilfunk UMTS.

Gänzlich ungeschoren wird das Geschäft auch nicht durch den Regulierungsprozess gehen. „Ich erwarte eine Genehmigung in der zweiten Phase“, sagte Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges. Über Zugeständnisse will die Telekom heute noch nicht spekulieren, Experten halten sie aber für wahrscheinlich.

„Möglicherweise schreiben die Behörden dem Joint-Venture vor, dass ein schwächerer Konkurrent zu günstigen Konditionen auf das Netz zugreifen kann“, sagte Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim.