Energiepolitik

Jetzt kommt der Lackmustest für den Ökostrom

Atomstrom verstopft die Netze und lässt dem Ökostrom keinen Platz mehr. Ob diese Behauptung stimmt, wird sich in Kürze zeigen.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Mit der sofortigen Abschaltung von sieben deutschen Atomkraftwerken hat die Bundesregierung einem Angstimpuls nachgegeben, der vor dem Hintergrund des japanischen Atomdesasters nur allzu berechtigt erscheint. Viele Menschen dürften mit Erleichterung auf die Nachricht reagiert haben, dass die potenzielle Gefahrenquelle AKW in ihrer Region zumindest vorerst beseitigt ist – auch wenn die unmittelbar angrenzenden Nachbarländer unverdrossen weiter auf Atomkraft setzen. Doch die aktuelle Warnung der Netzbetreiber vor der steigenden Blackout-Gefahr erinnert daran, dass die eigentlichen Probleme der ökologischen Energiewende in Deutschland durch die AKW-Abschaltung keineswegs kleiner geworden geworden sind.

Umweltpolitiker und Ökostrom-Vertreter hatten jahrelang suggeriert, dass die Existenz von Atomkraftwerken in Deutschland das größte Hindernis für die Markteinführung der erneuerbaren Energien darstelle. Ob diese Behauptung jemals zutreffend war, wird man jetzt bald sehen können. Denn die Atomkraftwerke sind jetzt großen Teils vom Netz. Und immer deutlicher zeichnet sich ab, dass es bei der dreimonatigen Betriebsunterbrechung für Alt-Reaktoren nicht bleiben wird: Die Zahl der Meiler, denen die Betriebsgenehmigung nun auch dauerhaft entzogen werden soll, nimmt stetig zu. Die Behauptung, dass Atomstrom „die Netze verstopft“ und dem Ökostrom keinen Platz mehr lässt, wird also über kurz oder lang nicht mehr ziehen. Scheitert der Ausbau der erneuerbaren Energie und ihre Marktintegration jetzt noch, muss es dafür andere Ursachen geben.

Blockade durch Bürgerinitiativen

Der Möglichkeiten gibt es viele: Die Ökostrom-Branche und grüne Umweltpolitik treibt mit unverminderter Wucht den Ausbau grüner Erzeugungskapazitäten voran, obwohl weder das lokale Verteilnetz noch das überregionale Übertragungsnetz mit der Veränderung schritthalten kann. Während Grünen-Politiker auf Bundesebene auf den immer stärkeren Ausbau von Wind- und Solarstrom drängen, blockieren ihre Parteigenossen in den Bürgerinitiativen vor Ort den Bau von Hochspannungsleitungen, die zum Abtransport eben dieses Ökostroms eigentlich dringend notwendig wären.

Auch fragt sich bislang keine Umweltpolitiker, wie viel Sinn eigentlich der weitere Ökostrom-Ausbau macht, solange es noch nirgendwo Stromspreicher gibt, die diese Elekritzität für eine sinnvolle Verwendung vorhalten könnten.