Erneuerbare Energien

Berlin auf dem Weg zum Solar-Innovationsführer

Ein neues staatliches Solar-Forschungszentrum im Technologiepark in Adlershof entwickelt modernste Dünnschichtmodule. Diese Solarzellen könnten Berlin in der Fotovoltaik eine weltweit führende Rolle verschaffen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Deutschland debattiert über den Umstieg auf erneuerbare Energien. In Berlin-Adlershof wurde jetzt ein wichtiger Schritt getan, um Alternativen zur Atomkraft voranzubringen. Im Technologiepark im Südwesten der Stadt eröffnete das PVcomB, ein in Deutschland einzigartiges Kompetenzzentrum für die Entwicklung der nächsten Generation von Dünnschicht-Solarmodulen. Damit soll die Lücke zwischen Grundlagenforschung und Produktion geschlossen werden.

Gleichzeitig begann auf dem Gelände der Bau eines neuen, vom Land Berlin mit 33 Millionen Euro geförderten Technologiezentrums. Hier sollen von 2013 an bis zu 50 kleine Solarfirmen mit bis zu 400 Mitarbeitern die Energiewende in konkretes Geschäft umsetzen.

Für die Bundesregierung kam nach dem deutlichen Votum für eine neue Energiepolitik bei den jüngsten Landtagswahlen der Termin wie bestellt. Wobei der Staatssekretär von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), Georg Schütte, darauf hinwies, dass die Initiative einen längeren Vorlauf habe und keineswegs irgendeinem Aktionismus nach der Atom-Katastrophe in Japan geschuldet sei. Dennoch siedelt das Forschungsministerium die Investition für das Kompetenzzentrum sehr hoch an. „Wir wollen die Energieforschung und Energieversorgung der nächsten Generation ermöglichen“, sagte Schütte. Dafür haben der Bund zwölf Millionen und Berlin drei Millionen Euro bereitgestellt.

Das Ziel für Deutschland sei, den Anteil der Fotovoltaik an der gesamten Stromversorgung Deutschlands von derzeit zwei auf zwölf bis 17 Prozent 2020 zu erhöhen, sagte der Staatssekretär. „Dann wären wir ein gutes Stück gegangen und hätten eine führende Rolle in der Welt.“

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt man in Adlershof auf die Dünnschichttechnologie. Das Helmholtz-Zentrum Berlin, das neben der Technischen Universität und zahlreichen Solarunternehmen das neue Zentrum trägt, betreibt schon lange Grundlagenforschung auf diesem vergleichsweise neuen Gebiet. Im Vergleich zu herkömmlichen, auf Silizium-Kristallen basierenden Solarzellen ist die Produktion von dünneren Schichtungen erheblich günstiger, die Zellen sind leichter in Gebäuden und perspektivisch sogar auf Folien einsetzbar. Außerdem produzieren sie schon im ersten Jahr so viel Energie, wie ihre eigene Herstellung gekostet hat.

Der Nachteil: Die Dünnschichtmodule wandeln im Echtbetrieb nur deutlich weniger als zehn Prozent der Sonnenenergie auch tatsächlich in Strom um. Theoretisch und im Labor sind Werte von bis zu 40 Prozent machbar. Die Aufgabe des neuen Kompetenzzentrums ist es nun, den Wirkungsgrad zu erhöhen, die Produktionstechnik zu verfeinern und so die Kosten pro Modul zu senken. „Die Fotovoltaik muss jetzt noch beschleunigter nach Deutschland gebracht werden“, sagte Rutger Schlatmann, der niederländische Leiter des PVcomB.

Auch Staatssekretär Schütte machte deutlich, dass die Regierung in der Dünnschichttechnik große Potenziale sieht. Denn hier habe sich Deutschland einen „Wissensvorsprung“ erworben, während gerade die Asiaten in der Silizium-Technik sehr stark geworden seien. Darum müssten die Solarunternehmen mithilfe des Staates mehr für die Forschung tun. Weil die Firmen in den vergangenen Jahren stark beansprucht waren, um ihre Produktion auszuweiten, sei der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf nur noch 2,5 Prozent gefallen.

Das Berliner PVcomB mit seiner eigenen Produktionslinie soll nun so etwas wie die externe Entwicklungsabteilung der kleinen und mittelständischen Dünnschichthersteller werden. „Hier können die Firmen neue Prozesse ausprobieren, ohne dass sie ihre eigene Produktion herunterfahren müssen“, sagte Professor Wolfgang Eberhardt, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für das Geschäftsfeld Energie. Er träumt davon, das Berliner Projekt als Deutsches Zentrum für Fotovoltaik zu etablieren. Ein wichtiger Aspekt der neuen Zusammenarbeit sei, Personal zu qualifizieren, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach: „Wir bilden derzeit weniger Energietechniker und Ingenieure für die Energietechnik aus, als der Markt braucht.“

In Adlershof sollen neben dem PVcomB die neuen Solarfirmen wachsen. 8000 Quadratmeter Nutzfläche werden im neuen Technologiezentrum von 2013 an bereitstehen. Hier stehen den Firmen auch Labors, Werkstätten und Produktions-Reinräume zur Verfügung. Schon heute sind in Adlershof 17 Fotovoltaik-Firmen tätig. In der gesamten Solarbranche sind hier in den vergangenen fünf Jahren 1000 Arbeitsplätze entstanden.