Diskussion um Frauenquote

Frauen an die Spitze – aber bitte ohne Quote

Dax-Konzerne kündigen in einer Erklärung sieben Schritte zur Frauenförderung an. Die Regierung streitet weiter über gesetzliche Vorgaben.

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Die deutsche Wirtschaft stemmt sich mit Macht gegen die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angestrebte Quote für Frauen in Top-Positionen. Bei einem Spitzentreffen der 30 größten Dax-Konzerne mit der Bundesregierung verpflichteten sich die teilnehmenden Manager zwar dazu, noch in diesem Jahr jeweils für ihr Unternehmen spezifische Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen öffentlich zu benennen.

Auch werde jeder Konzern seine „unternehmensspezifische Zeitleiste definieren“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Dax-Vorstände. Konkreten Vorgaben des Gesetzgebers erteilten sie aber eine Absage.

Selbst der von Familienministerin Kristina Schröder als Kompromiss vorgeschlagene Stufenplan stieß auf Widerstand. Schröder will die Unternehmen verpflichten, sich ab 2013 selbst eine verbindliche Quote zu setzen, die bei Nichteinhaltung mit Sanktionen bestraft wird. Diese Regelung soll allerdings nur greifen, wenn es der Wirtschaft nicht gelingt, bis 2013 den Frauenanteil in Toppositionen zu verdreifachen. Ein entsprechendes Gesetz will Schröder noch in diesem Jahr vorlegen.

Siemens: Zu wenig Frauen mit technischem Wissen

Der Personalvorstand von BMW, Harald Krüger, sprach von einem „konstruktiven Dialog, aber den Stufenplan haben wir nicht bestätigt." Auch Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer sagte: „Jede Form von Quote lehnen wir ab.“ Sie verwies darauf, dass ein Industriekonzern wie Siemens überwiegend Führungskräfte mit technischer Qualifikation hätte. „Solange der Anteil der Frauen bei diesen Ausbildungsgängen so gering ist, ist es schwierig, ausreichend Kandidaten für Vorstandsposten zu bekommen.“

Arbeitsministerin von der Leyen sprach nach dem eineinhalbstündigen Gespräch von einer „Veranstaltung mit Licht und Schatten“. Ihr sei die von den 30 Dax-Unternehmen abgegebene Selbstverpflichtung nicht konkret genug. „Mir fehlen konkrete Zahlen, Ziele und Konzepte“ sagte die CDU-Ministerin. Derzeit sind rund drei Prozent der Vorstände und zehn Prozent der Aufsichtsräte in den 200 größten Aktiengesellschaften Frauen. Von der Leyen strebt eine Quote von 30 Prozent bis 2020 an.

Bundesregierung zerstritten

Allerdings ist die Bundesregierung bei der Frauenquote zerstritten. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hält gesetzliche Regelungen für überflüssig. Er sei optimistisch, dass die Wirtschaft angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung im eigenen Interesse Frauen künftig verstärkt an die Spitze bringe, sagte Brüderle nach dem Treffen. Justizministerin Sabine Leutheusser Schnarrenberger (FDP) verwies darauf, dass in der Wirtschaft bereits ein Kulturwandel „voll im Gang“ sei.

Damit ist die FDP nahe bei der Position des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). BDI-Chef Hans-Peter Keitel warnte: „Der Gesetzgeber sollte die Unternehmensführung und die Personalpolitik in der Wirtschaft nicht überregulieren“. Die Wirtschaft sehe sich konfrontiert mit Forderungen, die sich realistischerweise kaum erfüllen ließen, zumindest nicht in der kurzen Frist, wie die Politik es sich vorstellt. Die Vorstellungen der Politik dürften für Unternehmen aus Branchen mit hohem technischen Fertigungsanteil wie etwa der chemischen Industrie oder dem Maschinenbau „kurzfristig kaum oder gar nicht erreichbar sein“, mahnte Keitel.

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger wertete das Spitzentreffen trotz der unterschiedlichen Auffassungen als „einen Durchbruch“ für die Frauenförderung, der noch vor kurzem undenkbar gewesen sei. Erstmals sei es gelungen, dass die 30 größten Dax-Konzerne einen Konsens in dieser Frage erzielen konnten. Die Unternehmen wollten nun „alles dafür tun, damit Frauen nach oben kommen“. Die Telekom hatte vor einem Jahr die Einführung einer Frauenquote beschlossen. „Weil wir vorangegangen sind, haben wir eindeutig einen Wettbewerbsvorteil“, sagte Sattelberger. So sei der Anteil der weiblichen Bewerberinnen um 15 Prozent in die Höhe geschnellt.