Europa

Zinsen für Irlands Staatsanleihen auf Rekordhoch

Die Ankündigung des Sparpakets durch die irische Regierung hat die Märkte nicht beruhigt. Die Zinsen für Anleihen steigen weiter.

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Trotz der in Aussicht gestellten Hilfen durch den Euro-Rettungsfonds sind die Zinsen für langfristige irische Anleihen auf einen neuen Rekordstand geklettert. Am Donnerstag überstiegen die Zinsen für zehnjährige Schuldverschreibungen erstmals seit der Euro-Einführung in Irland die Marke von neun Prozent, nachdem sie am Mittwochabend noch bei 8,864 Prozent gelegen hatten.

Die Regierung in Dublin hatte am Mittwoch ein Sparpaket von 15 Milliarden Euro bis 2014 verkündet, um den Weg für massive Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) freizumachen.

Auch die Zinsen für Anleihen anderer Staaten mit Finanzproblemen stiegen weiter. Der Aufschlag für spanische Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit stieg auf 5,190 Prozent, nachdem sie am Mittwoch erstmals seit 2002 über der Fünf-Prozent-Marke notiert hatten. Bei Portugal wurde nochmals ein geringfügiger Anstieg auf 7,020 Prozent verzeichnet.

Die steigenden Risikoaufschläge für Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder sind nach Einschätzung des Barclays-Chefökonomen Thorsten Polleit nicht nur negativ. „Letztlich führen hohe Zinsen auch zu einer höheren Haushaltsdisziplin“, sagte er. „Wichtig ist jetzt, dass im Euroraum ein breiter Konsolidierungsprozess einsetzt.“

Andernfalls sieht Polleit Gefahren auf den Währungsraum zukommen: „Im Grunde sind derzeit zwei Szenarien vorstellbar: Entweder zerfällt der Euroraum in zwei Zonen, beispielsweise einen Nord- und einen Süd- Bereich.“ Realistischer sei jedoch, dass der Währungsraum in seiner derzeitigen Form bestehenbleibe. Dann drohe Inflation.

Dass nach Irland weitere Euro-Länder wie Portugal oder Spanien unter den Rettungsschirm von EU und IWF schlüpfen müssen, hält Polleit nicht für abwegig. Ohne zusätzliche Sparanstrengungen dürfte die Bonität der Länder weiter unter Druck geraten.