Kuriose Urteile

Nackt im Garten räkeln kein Kündigungsgrund

Taubenkot, Lärmpegel und nackte Tatsachen: So haben deutsche Gerichte bei Streitigkeiten unter Nachbarn geurteilt.

Wer neben einem Brieftaubenzüchter wohnt und seine Hausfassade vom Taubenkot befreien lassen will, kann die dafür anfallenden Reinigungskosten nicht auf seinen Nachbarn abwälzen. Vor dem Landgericht Essen stellte sich heraus, dass Zuchttauben nur im Sitzen und nicht im Flug ihr Geschäft erledigen. (AZ: 18 O 252/99)

Maximal 45 Dezibel dürfen Stromleitungen laut sein – und damit nicht mehr Lärm verursachen, als wenn zwei Menschen sich unterhalten. Das hat das Oberlandesgericht Stuttgart entschieden, nachdem eine Familie gegen einen Energieversorger geklagt hatte, der in der Nähe ihres Bauernhofes ein Hochspannungsnetz errichten wollte. (AZ: 13 U 148/06)

Aus einer Seniorenresidenz darf auch nicht nur einmal am Tag ein Glockenspiel ertönen. Mit einer Lautstärke von 70 Dezibel sorgt dieses für eine erhebliche Ruhestörung. Das Glockenspiel sei „gebietsfremd“ und sein Schall „nicht sozialadäquat“ und „somit nicht zumutbar“, befanden die Richter. (AZ: 9 k 108/06)

Nacktes Räkeln im Garten ist kein Kündigungsgrund. Ein Vermieter hatte seine Mieterin aus der Wohnung geworfen mit der Begründung, dass ihre freizügigen Sonnenbäder für Gesprächsstoff in der dörflichen Nachbarschaft sorgten. Der Hausfrieden sei nicht gestört, widersprach das Gericht. (AZ: 23 C 1282/04)

Der Bau eines Krematoriums kann nicht mit dem Argument verhindert werden, der Anblick der häufig anfahrenden Leichenwagen sei nicht zumutbar. Eine solche Situation ist Teil eines Bestattungsvorgangs und gehört damit zum menschlichen Leben. (AZ: 8 B 11345/05).