Wunschkandidat von ACS

Ex-Conti-Chef soll Aufsichtsrat von Hochtief leiten

Der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer ist Favorit des spanischen Konzerns ACS. Hochtief hat allerdings etwas gegen die Pläne des Großaktionärs.

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Der frühere Chef des Automobilzulieferers Continental, Manfred Wennemer, soll Aufsichtsratschef des Essener Baukonzerns Hochtief werden. Nach Informationen von Morgenpost Online führt Wennemer die Kandidatenliste des spanischen ACS-Konzerns an, der inzwischen dem Vernehmen nach über 40 Prozent der Hochtief-Anteile besitzt. Wennemer ist bereits Mitglied im Aufsichtsrat des größten deutschen Baukonzerns.

Auf der Kandidatenliste für das Kontrollgremium von ACS steht auch Francisco Javier García Sanz, der Vorstand für Beschaffung bei der Volkswagen AG. Er soll von Wennemer, der ihn gut aus Conti-Zeiten kennt, gebeten worden sein, im künftigen Aufsichtsrat mitzuarbeiten. Sanz ist Spanier, arbeitet seit Jahren in Deutschland und spricht beide Sprachen.

Die Hauptversammlung am 12. Mai ist der ideale Zeitpunkt für die Spanier, ihr investiertes Kapital in Einfluss umzusetzen: Alle 16 Aufsichtsräte müssen neu gewählt werden, darunter die acht der Kapitalseite. Vier Sitze will ACS selber mit eigenen Leuten besetzen – zu den bisherigen Mitgliedern Ángel García Altozano und Marcelino Fernández Verdes kämen zwei neue Vertreter. Einen Sitz soll ein Entsandter der Investmentgesellschaft des Emirates Katar bekommen, die rund zehn Prozent der Hochtief-Aktien hält.

Der letzte der acht Sitze – neben den ACS-Leuten, Wennemer und Sanz – auf der Anteilseignerseite ginge dann an einen weiteren unabhängigen Kandidaten. Das könnte der bisherige Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer sein, der wie Wennemer bereits in dem Gremium sitzt. Der BDI-Präsident und frühere Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel gilt als nicht mehr tragbar, weil er sich in der Übernahmeschlacht gegen die Spanier gestellt hatte. Außerdem müssten der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Bremkamp sowie Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson den Aufsichtsrat verlassen.

Ob der Plan der Spanier aufgeht, steht allerdings noch nicht fest. Denn offenbar will der bisherige Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp den Durchmarsch von ACS verhindern. Im Umfeld des Unternehmens heißt es, er wolle weitgehend an den bisherigen Mandatsträgern festhalten und sie wiederwählen lassen.

Am Donnerstag bereits will Hochtief die eigene Kandidatenliste veröffentlichen. In diesem Fall bliebe es bei nur den zwei bisherigen Mandaten für ACS, was den Spaniern angesichts ihres Planes der neuen Mehrheitsverhältnisse zu wenig ist. Deshalb dürfte ACS per Gegenantrag die eigene Liste zur Abstimmung stellen, wenn sich die Parteien bis Donnertag nicht einigen. Somit könnte es am 12. Mai in der Essener Grugahalle zu einer Kampfabstimmung kommen.

Erstaunlicherweise hält Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter – bisher ein ACS-Gegner – die Mandats-Forderungen der Spanier für üblich und normal. „Bei Aktiengesellschaften ist es üblich, dass sich die Besetzung des Aufsichtsrates an den Beteiligungsverhältnissen orientiert“, sagte der Manager in der vergangenen Woche bei der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens. Die Zusammensetzung ergebe sich allerdings nicht von alleine. „Es gibt Spielregeln“, warnt Lütkestratkötter. Die Aufsichtsratsmitglieder würden schließlich noch von der Hauptversammlung gewählt.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) spricht sich dagegen strikt gegen eine Ausweitung der ACS-Mandate aus. „Vier Aufsichtsratsposten sind zu viel“, sagte SdK-Vorstand Daniel Bauer der „Welt“. Er hält die bisherigen zwei Mandate für ausreichend. In den kommenden Wochen will die SdK nun möglichst viele Kleinaktionäre dazu bewegen, ihr die Hauptversammlungsstimmen zu übertragen. Im vergangenen Jahr waren das immerhin 2,65 Mio. Stimmen. „Die Kleinaktionäre könnten am Ende das Zünglein an der Waage sein“, hofft Bauer.

Denn er rechnet mit einer Aktionärspräsenz von deutlich über 80 Prozent. „Und damit könnte es bei den Abstimmungen noch mal eng werden für ACS.“ Normalerweise reicht ein Anteil von mehr als 30 Prozent angesichts der geringen Aktionärspräsenz bei deutschen Hauptversammlungen für die Stimmmehrheit.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Spanier nicht doch noch bis sieben Tage vor der Hauptversammlung die Mehrheit zusammen kaufen. Falls nicht, hält es Bauer für denkbar, dass die übrigen Aktionäre geschlossen gegen die Spanier abstimmen. „Auf diese Weise könnten die institutionellen Anleger den Kurs weiter in die Höhe treiben. Und damit würden sie sich eine lukrative Ausstiegmöglichkeit verschaffen“, erklärte der SdK-Vorstand. Auch Hochtief-Anteilseigner Hermes Equity erklärte, es müsse sichergestellt werden, dass auch unabhängige Kandidaten im Aufsichtsrat von Hochtief säßen.

Mit dem Streit um die Besetzung des Aufsichtsrates bekommt der seit Monaten laufende Übernahmekampf einen weiteren Höhepunkt. Seit Mitte September 2010 hatten Vorstand und Betriebsrat von Hochtief gegen die ACS-Pläne gekämpft, die Mehrheit beim größten deutschen Baukonzern zu übernehmen – allerdings vergeblich. Die Essener befürchten, dass die Spanier die Hochtief AG zerschlagen wollen, um sich so eines unliebsamen Konkurrenten zu entledigen. ACS-Chef Florentino Pérez – nebenher auch Präsident des Fußballclubs Real Madrid – und seine rechte Hand Altozano jedoch haben das stets bestritten.