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Japan gibt sich China offiziell geschlagen

Im Wettstreit der Wirtschaftsmächte hat Japan vor China kapituliert: Die schlechte Konjunkturlage lässt das Land hinter den Rivalen zurückfallen.

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China hat Japan 2010 als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst, wie die Regierung in Tokio bestätigte. Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach Angaben des Kabinettsbüros zwar um 3,9 Prozent auf 5,4742 Billionen Dollar, das chinesische lag demnach jedoch bei 5,8786 Billionen.

In den letzten drei Monaten des Jahres ging das BIP in Japan annualisiert sogar um 1,1 Prozent zurück. Dies wurde auf einen Rückgang der Exporte und eine schwächere Inlandsnachfrage zurückgeführt. Der Rückgang des BIP fiel jedoch deutlich geringer aus als Volkswirte in Tokio erwartet hatten. Sie hatten im Durchschnitt der Prognosen mit einem Schrumpfen um 2,2 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg um 3,3 Prozent im Vorquartal.

Dies schürt Hoffnungen, dass Japan auf den Erholungspfad zurückkehrt. Japans Wirtschaft stagniere offensichtlich, doch zeige der Trend wieder aufwärts, sagte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano. Ökonomen hatten im Durchschnitt der Erwartungen mit einem BIP-Rückgang um 2,2 Prozent gerechnet. Dass die Wirtschaft angesichts auslaufender Konsumanreize der Regierung in dem Quartal schrumpfen würde, war an sich denn auch nicht überraschend.

Analysten wie Takahide Kiuchi, Chefökonom bei Nomura Securities, halten es nun für sehr wahrscheinlich, dass die japanische Wirtschaft dank ihres Exportmotors zwischen Januar und März wieder zulegen wird. Japan begrüßte Chinas Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sei wichtig für die gesamte Region, sagte Yosano. Es gehe nicht um das Wetteifern um Ranglisten, sondern um das Wohl der Menschen. In diesem Sinne begrüße Japan Chinas wirtschaftlichen Fortschritt als Nachbarstaat.

Die in der Gunst der Bevölkerung stark gesunkene japanische Regierung von Premier Naoto Kan kämpft gegen Deflation und gigantische Schulden. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Berichtsquartal ist der erste seit dem dritten Quartal 2009. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte Japans Wirtschaft um 0,3 Prozent. Hintergrund ist das Auslaufen staatlicher Konsumanreize. Zudem leidet Japans weiterhin stark vom Export abhängige Wirtschaft unter dem festen Yen.

Chinas Handelsüberschuss ist nach einem überraschend kräftigen Anstieg der Importe zu Jahresbeginn gesunken. Zwar legten die Ausfuhren des Exportweltmeisters im Januar binnen Jahresfrist um 37,7 Prozent zu, wie die chinesischen Zollbehörden mitteilten. Die Einfuhren in die Volksrepublik stiegen aber mit 51 Prozent fast doppelt so stark wie erwartet. Damit sank der Handelsüberschuss auf 6,5 Milliarden Dollar von 13,1 Milliarden Dollar im Dezember.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Exportzuwachs von 22,4 Prozent und einem Anstieg der Importe um 28 Prozent gerechnet, was zu einem Handelsüberschuss von 10,7 Milliarden Dollar geführt hätte.