Disney kauft Marvel

Spider-Man und Micky Maus sind jetzt zusammen

Micky Maus und Spider-Man ziehen zusammen: Der Unterhaltungsriese Disney kauft die Comic-Schmiede Marvel Entertainment für etwa vier Milliarden Dollar. Aus dem traditionsreichen Marvel-Verlag kommen auch Superhelden wie die X-Men, die Fantastic Four, Hulk oder Iron Man. Disney erhofft sich nun bessere Chancen bei der Zielgruppe Jungen.

Foto: Reuters/AP

Micky Maus bekommt auf einen Schlag 5000 neue Freunde. Der Mutterkonzern Walt Disney übernimmt für vier Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro) das Comic-Haus Marvel Entertainment. Der Verlag hat mit „Spiderman“, „Thor“ und dem „unglaublichen Hulk“ einige der weltweit erfolgreichsten Comicfiguren geschaffen.

Diese sind vor allem bei Jungen beliebt und aus diesem Grund für Disney besonders interessant. Der Traditionskonzern hat zwar mit Fernsehserien wie „Hannah Montana“ großen Erfolg bei Mädchen. Allerdings fehlen ihm seit geraumer Zeit einige Helden, die auch männliche Fans begeistern. Diese Lücke will der Konzern nun durch den Erwerb von Marvel schließen.

Ende der 90er-Jahre musste Marvel zwar Insolvenz anmelden, hat sich seither aber wieder gefangen. 2008 landete das Unternehmen mit „Iron Man“ einen Publikumserfolg, der weltweit 585 Mio. Dollar durch Ticketverkäufe einspielte. Gleichzeitig ist Marvel in den USA noch immer der führende Herausgeber von Comic-Heften. 715 Millionen Dollar hat die gesamte Branche im vergangenen Jahr umgesetzt.

Mit einem Marktanteil von 46 Prozent nahm Marvel vor Konkurrent DC Comics die Spitzenposition ein. In Internetforen reagierten Fans der Marvel-Figuren enttäuscht auf den Kauf durch Disney. Denn trotz seines weltweiten Auftretens hat sich Marvel einen gewissen Kultstatus bewahrt. So schuf Marvel unter anderem „Captain America“, der den US-Soldaten während des Zweiten Weltkriegs als moralische Unterstützung aus der Heimat dienen sollte.

Dabei erzielt auch Marvel längst den Großteil der Einnahmen aus der Vermarktung seiner Figuren. Schließlich lässt sich mit dem ursprünglichen Filmgeschäft in Hollywood immer weniger Geld verdienen. Die Comichelden tauchen daher in Videospielen auf und die-nen als Vorlage für Kostüme und Spielzeug. So sind allein etwa die Lizenzen für „Spiderman“ 188 Mio. Dollar wert.

Disney geht davon aus, dass sich durch sein eigenes weltweites Vertriebssytem mit Marvel-Produkten künftig noch mehr Umsatz erwirtschaften lässt. Der Konzern will „Hulk“ und „Thor“ daher auch so schnell wie möglich in seinen Vergnügungsparks in Paris und Hong Kong auftreten lassen. Besucher von Disney World in Florida müssen sich dagegen allerdings noch eine Weile gedulden. Denn dort ist Marvel an einen exklusiven Vertrag mit Konkurrent Universal gebunden.

Auch im Film-Geschäft dürfte es dauern, bis Disney von den bekanntesten Marvel-Figuren richtig profitieren kann. Denn Marvel war bereits Produktions-Partnerschaften mit großen Hollywood-Studios eingegangen. Diese Kooperationen sollen bis zu ihrem vereinbarten Termin auch fortgesetzt werden. Das bedeutet, dass die „Spiderman“-Filme vorerst weiterhin von Sony herausgebracht werden, die „X-Men“-Streifen von dem Konkurrenten 20th Century Fox und die „Iron Man“-Fortsetzungen von Paramount.

Mit dem Erwerb von Marvel setzt Disney seinen Wachstumskurs fort. Erst 2006 hatte der Unterhaltungskonzern das Animationsstudio Pixar von Apple-Chef Steve Jobs übernommen. Das Studio war in den vergangenen Jahren vor allem mit Produktionen wie „Findet Nemo“ und „Toy Story“ erfolgreich. 30 Dollar bietet Disney nun den Anteilseignern von Marvel für eine Aktie. Oben drauf legt der Konzern noch jeweils einen Anteil von 0,745 Prozent einer Disney-Aktie. „Der Kaufpreis spiegelt nicht nur den Wert wieder, den Marvel geschaf-fen hat, sondern den Wert, den wir künftig als ein gemeinsames Unternehmen erwirtschaften werden“, sagte Disney-Chef Robert Iger. „Es ist ein stolzer aber fairer Preis.“

Während die Vorstände beider Unternehmen der Übernahme bereits zugestimmt haben, fehlen nun noch die Genehmigung der Kartellbehörden und Aktionäre. Der bisherige Marvel-Chef Ike Perlmutter soll auch im Disney-Konzern weiter für den Comic-Verlag verantwortlich sein.