Biobenzin E10

Kein anderes Land in Europa macht es wie Deutschland

Freiwilligkeit und Information reichen nicht aus, Autofahrer zum E10-Tanken zu bewegen. Die Verantwortung für das Chaos liegt jetzt bei der Regierung.

Man kann darüber streiten, ob das Ethanol-Benzin der richtige Weg hin zu einer geringeren Belastung der Umwelt ist. Noch mehr nachwachsende Rohstoffe als bislang sollen in die Tanks der Autos, damit weniger Schadstoffe ausgestoßen werden und weniger Rohöl verbraucht wird. Das ist die Grundidee. Worüber niemand zu streiten braucht: Die Mehrheit der Autofahrer teilt diese Idee nicht.

Ob es nun begründete Sorgen um die Motorentechnik gibt, oder ob sich die Ablehnung dagegen richtet, dass Nahrungsmittel zu Benzin verarbeitet werden: Die Kunden lassen sich nicht mit Argumenten überzeugen. Das müssten Mineralöl- und Autoindustrie mittlerweile ebenso eingesehen haben wie die Bundesregierung.

Jetzt bereiten die Öl-Lobbyisten und der ADAC in einem neuen Streit den Boden für das Scheitern der E10-Pläne. Und dabei vertreten sie nur ihre berechtigten Interessen: Der ADAC will seine Mitglieder vor einem möglicherweise rechtswidrigen Preisgebaren der Konzerne schützen und droht ihnen juristische Schritte an.

Die Tankstellenbetreiber wiederum verweisen auf nachvollziehbare Zwänge, unter denen sie bei der Einführung von E10 arbeiten. Das betrifft die hohe Nachfrage nach E5-Benzin und sich abzeichnende Strafzahlungen an den Bund, wenn sie die Absatzquoten für E10 nicht einhalten. Beide Seiten haben Recht.

Bei alledem hält sich die Bundesregierung im Hintergrund. Doch wie lange das noch gehen wird, ist fraglich. Denn der Benzingipfel, das große Spektakel im Haus von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, ist schon jetzt gescheitert. Er hat keine Wende ausgelöst. Freiwilligkeit und Information reichen eben nicht aus, um die Autofahrer zum Umlenken und zur Akzeptanz von E10 zu bringen.

Entweder die Bundesregierung lässt nun von ihren hohen Erfolgszielen für E10 ab und ändert die vorgeschrieben Quote im Gesetz, oder die Ölkonzerne werden die Schikanen über die Preisgestaltung auf die Spitze treiben. Es muss der Regierung doch auffallen, dass kein anderes Land in Europa bei E10 so vorgeht wie Deutschland.

Diese Politik, die ganz offensichtlich an der derzeitigen Befindlichkeit der Autofahrer vorbei entscheidet, wird keinen Erfolg haben. Die Verantwortung für das Chaos um das E10-Benzin trägt mittlerweile die Bundesregierung. Und die Autofahrer haben deren Kurs schon abgewählt.