Einzelhandel

Schuhe werden knapp und deutlich teurer

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Carsten Dierig

Foto: ZB / ZB/DPA

Frühjahrs- und Sommerschuhe könnten laut Branche bis zu fünf Prozent mehr kosten. Die riesige Nachfrage in China sorgt für Lieferengpässe.

In Deutschland könnten viele Schuhregale schon bald deutlich weniger gut gefüllt sein als üblich. „Es gibt Lieferschwierigkeiten, vor allem in Asien“, berichtet Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Schuhindustrie (HDS). Während der Wirtschaftskrise seien in wichtigen Produktionsländern wie China und Vietnam die Kapazitäten stark heruntergefahren worden. „Und nun klappt das Wiederaufstocken nicht schnell genug“, sagt der Industrievertreter im Vorfeld der mit 830 Ausstellern weltweit größten Schuhmesse GDS in Düsseldorf.

Hinzu komme die stark steigende Nachfrage auf den lokalen Märkten in Ostasien. In China zum Beispiel habe sich der Schuhbedarf enorm vergrößert, sagt Junkert. „Und dieser Bedarf wird von den Fabriken vor Ort nun zuerst bedient.“ Die unerwarteten Nachschubprobleme in Asien treffen die deutschen Schuhhändler zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn Schuhe sind hierzulande gefragt wie nie zuvor. „Der Stellenwert von Schuhen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen“, sagt Experte Junkert. „Mittlerweile sind sie das wichtigste Accessoire überhaupt.“ Vielfach richte sich das Outfit schon nach den Schuhen, nicht umgekehrt.

Zudem sei die Zahl der Stiefel, Sneaker und Sandalen in Deutschlands Schuhschränken stark gestiegen. Frauen zum Beispiel haben im vergangenen Jahr durchschnittlich sechs Paar Schuhe gekauft, bei Männern waren es immerhin zwei Paar. Insgesamt verzeichnete die Branche Verkaufszahlen, die sogar das Vorkrisenniveau übertrafen. Die Industrie etwa – der Statistik zufolge gibt es aktuell noch 80 deutsche Schuhproduzenten mit zusammen knapp 11.000 Mitarbeitern – kommt nach einem Umsatzsprung von zehn Prozent auf Erlöse in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.

Und der Fachhandel meldet sogar Zuwachsraten, die so hoch sind wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Um fast acht Prozent auf 7,9 Milliarden Euro sind die Umsätze der bundesweit rund 12?000 Schuhgeschäfte gestiegen, berichtet der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE). Bezieht man auch die übrigen Absatzkanäle mit ein – also etwa den Mode-, Sport-, Online- und Versandhandel –, summieren sich die Erlöse sogar auf gut 12,1 Milliarden Euro. Auch das ist ein Plus von fast acht Prozent.

„Die Branche hat im vergangenen Jahr richtig aufgedreht“, sagt BDSE-Geschäftsführer Siegfried Jacobs. Geholfen hat den Schuhverkäufern neben dem neuen Modebewusstsein vor allem das Wetter. Der lange Winter etwa hat die Nachfrage nach wetterfesten Schuhen und Stiefeln beflügelt, der heiße Sommer den Verkauf von Sandalen, Flip-Flops und Ballerinas. Für das laufende Jahr nun geben sich Handel und Industrie weiter zuversichtlich. „Wir rechnen erneut mit Zuwächsen“, heißt es bei HDS und BDSE unisono.

Und das obwohl der Verbraucher für die neuen Schuhe tiefer in die Tasche greifen muss. „An Preiserhöhungen führt kein Weg vorbei“, sagt zum Beispiel Manfred Junkert. Der Industrievertreter verweist zum einen auf erschwerte Einkaufsbedingungen durch die Kapazitätsengpässe in China. Aus der Volksrepublik kommen immerhin rund 56 Prozent der in Deutschland verkauften Schuhe. Zum anderen sorgen höhere Lohnkosten und vor allem stark steigende Rohstoffpreise für Anpassungsbedarf.

Leder etwa hat sich in den vergangenen Monaten um bis zu 30 Prozent verteuert. Junkert rechnet daher mit Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent, auch schon für die anstehende Frühjahr- und Sommerkollektion. 2010 hatte es noch einen moderaten Anstieg der Verbraucherpreise in Höhe von 1,1 Prozent gegeben. Damenschuhe kosteten durchschnittlich 82 Euro im Winter und 62 Euro im Sommer, bei Herren wurden 91 Euro für Winter- und 75 Euro für Sommerware fällig, und Kinderschuhe schließlich waren je nach Saison im Mittel für 61 Euro beziehungsweise 47 Euro zu haben.