Nutzfahrzeug-Primus

Daimler stoppt Lastwagen-Produktion in Japan

Daimler hat die Produktion von Lkw in Japan vorübergehend eingestellt. Die Mitarbeiter dürfen das vom Super-GAU bedrohte Land verlassen.

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Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler lässt wegen der Katastrophe in Japan seine Lastwagenproduktion bis mindestens Dienstag ruhen. Die Sicherheit der knapp 13.000 Mitarbeiter an den elf Standorten habe oberste Priorität, sagte Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler. Sobald es die Sicherheitslage erlaube, werde die Tochter Mitsubishi Fuso den Betrieb wieder aufnehmen. „Aber natürlich sind auch bei Fuso einige Gebäude und Anlagen beschädigt“, sagte Renschler.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sei bisher kein Mitarbeiter persönlich von größeren Schäden betroffen. Das Unternehmen werde bis auf weiteres von Osaka im Süden des Landes aus gesteuert. „Bis auf wenige Mitarbeiter, die in Japan für besonders wichtige Funktionen benötigt werden, steht es allen entsandten Kollegen und deren Angehörigen frei, das Land zu verlassen.“ Das gelte zum Beispiel auch für Experten aus Deutschland, den USA und Indien. „Ein Großteil ist bereits ausgereist“, sagte Renschler.

Ob es wegen der Katastrophe künftig zu Lieferengpässen bei der Nutzfahrzeugproduktion kommen könne, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Renschler. Eine Arbeitsgruppe prüfe derzeit die Lieferkette. „Zur Zeit sind wir voll produktionsfähig.“ Bei Fuso könne er Probleme aber nicht ausschließen. Die wirtschaftlichen Aussichten für Japan müssten erst neu bewertet werden, sagte Renschler. „Die Folgen der Katastrophe für den japanischen Markt und die globale wirtschaftliche Verflechtung sind noch nicht abzusehen.“ Vor dem Beben habe Daimler Trucks dort mit einem leichten Wachstum für 2011 gerechnet.

Im vergangenen Jahr steigerten die Stuttgarter den Nutzfahrzeugabsatz in Japan um 7 Prozent auf 24.800 Einheiten. Erst zu Beginn des Jahres hatte der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller sein wichtigstes Standbein in Asien gestärkt. Für umgerechnet 271 Millionen Euro erhöhten die Stuttgarter ihren Anteil an der Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC) auf knapp 90 Prozent. Der Partner Mitsubishi hält gut 10 Prozent an dem Unternehmen mit Sitz in Kawasaki nahe Tokio. Die MFTBC baut und vertreibt unter der Marke Fuso Nutzfahrzeuge und Busse, die weltweit in mehr als 150 Ländern verkauft werden.

Auch der zweitgrößte japanische Autobauer Honda verschiebt den Produktionsstart in den meisten seiner heimischen Werke. Statt am kommenden Montag werde die Fertigung nun voraussichtlich erst am Donnerstag wieder aufgenommen, teilte Honda mit. Für die deutschen Kunden dürfte sich dadurch aber erst mal nichts ändern. „Unsere Lager sind voll und es sind noch Schiffe mit neuen Wagen unterwegs“, sagte ein Sprecher von Honda Deutschland. „In den nächsten sechs Wochen erwarten wir keine Lieferprobleme.“

Nach Angaben des Sprecher stammen 70 Prozent der hierzulande verkauften Honda ohnehin aus europäischer Produktion; auch der überwiegende Teil der Zulieferteile werde lokal eingekauft. „Die Kollegen in Japan werden die anderthalb Wochen Ausfall durch Sonderschichten wohl wieder aufholen können“, sagte der Sprecher. Die Lücke, die sich durch den langen Seetransport erst mit Verzögerung in Europa auftut, sei überschaubar: „Vielleicht wird die Lieferung der einen oder anderen Ausstattungsvariante etwas länger dauern.“

Auch Branchenprimus Toyota hatte bereits angekündigt, die meisten seiner Werke erst Mitte nächster Woche wieder in Betrieb zu nehmen. In einigen Zulieferwerken sollte die Arbeit schon früher beginnen. Die meisten japanischen Autofabriken liegen derzeit noch brach, weil nach Beben und Tsunami der Strom knapp ist. Zudem sind manche Straßen unpassierbar und Häfen in den Katastrophengebieten zerstört. Die Industrieregionen von Japan waren von der Katastrophe aber weitgehend verschont geblieben.