Actionspiel

"Call of Juarez 3" macht die Gegenwart zum Western

Western war gestern: Techland versetzt die "Call of Juarez"-Serie in die heutige Zeit. Und das sind nicht die einzigen Neuerungen im dritten Teil.

Ben McCall. Ein Mann wie John Wayne in seinen besten Zeiten: Breiter Cowboy-Hut, weiter Mantel, zerfurchtes Gesicht. Er blickt hinaus in die Wüste Nevadas. „Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod. Und die Hölle folgte ihm nach“, murmelt er vor sich hin. Es wirkt, als bereite sich der Revolverheld auf sein allerletztes Duell vor. „Was zum Teufel redest du da“, raunzt es plötzlich aus dem Funkgerät. Ben antwortet kurz angebunden: „Ach, nichts! Sie kommen.“ Dann zucken Schüsse durch die Luft.

Für eine Handvoll Koks

„Unser Ziel war es, Westernelemente wie weite Landschaften, Einsamkeit, Gesetzlose und harte Männer in einem modernen Szenario zu verbinden“, sagt Creative Coordinator Blazej Krakowiak. Die neueste Ausgabe von „Call of Juarez“ spielt in der Gegenwart. Mexikanische Drogenbosse sprengen ein Regierungsgebäude der USA.

Daraufhin bildet die Regierung ein Sondereinsatzkommando mit den drei besten Polizisten aus Los Angeles: Ben McCall ist ein Nachfahre von „Call of Juarez“-Urgestein Ray McCall, Kim Evans eine talentierte FBI-Agentin. Und Eddie Guerra gibt den coolen Latino mit den flotten Sprüchen. „Es ist eine ungleiche Truppe. Alle haben ihre Probleme und geraten aufgrund unterschiedlicher Interessen immer wieder aneinander“, beschreibt Krakowiak die Truppe.

Vor dem Beginn des Spiels wählen Sie einen Charakter, mit dem Sie die 15 Missionen umfassende Kampagne bestreiten. „Jede Figur bekommt eigene Zwischensequenzen und individuelle Endungen. Man sieht also die Story wirklich aus der Perspektive eines einzelnen Cops.“ In einer Mission etwa stellt sich Ben allein einem Hinterhalt. Kim und Eddie müssen sich durchschlagen und ihren Kumpanen mit einem Fluchtwagen abholen. Abhängig davon, welchen Helden Sie steuern, erleben Sie also eine andere Mission.

Drei Freunde müsst ihr sein

Natürlich ergeben sich aus dieser Dreierkombination Möglichkeiten für den Mehrspielermodus. „Im Singleplayer übernimmt die KI – also der Computer – die beiden übrigen Figuren. Aber wir legen ‚The Cartel‘ speziell auf den Drei-Spieler-Koop-Modus aus“, sagt Blazej Krakowiak. Über die Online-Verbindung können Spieler sofort in ein Spiel einsteigen und sich ebenso wieder ausloggen. Eine Offline- oder Splitscreen-Variante gibt es nicht.

Teamwork spielt eine gewaltige Rolle in den Missionen der Kampagne. Auf Tastendruck fordern Sie etwa Ihre Kollegen auf, Ihnen Feuerschutz zu geben. Die Militärtaktik des Flankierens soll auch in „Call of Juarez – The Cartel“ zur Anwendung kommen. „Wir sprachen mit Experten der Polizei von Los Angeles. Sie gaben uns wertvolle Ratschläge für die Kampfführung.“

Den realistischen Ansätzen stellen die Entwickler Zeitlupeneffekte gegenüber. Für jeden erledigten Feind sammeln Sie Energie, mit der Sie das Spiel auf Knopfdruck verlangsamen. Dann ballern Sie sich „Max Payne“-typisch durch die Gegnerschar. Praktisch: Im Mehrspielermodus erhalten alle in der Nähe stehenden Mitspieler ebenfalls die Superkräfte.

Höllenfahrt nach Juarez

„Wir versuchen zwar, die Polizeiarbeit ein wenig nachzustellen, letztlich läuft aber jede Mission doch immer auf richtig viel Action hinaus“, führt der Creative Coordinator von Techland aus. Bei den Schießereien nutzen Sie vor allem Pistolen. Schließlich begründet sich die „Call of Juarez“-Serie auf dieser Waffengattung. Im Notfall lassen die drei Cops auch mal die Fäuste sprechen. Das Nahkampfsystem war in der präsentierten Version noch rudimentär und wirkte sehr hektisch.

Besser gefielen die Fahrzeugpassagen: Auch in diesen Sequenzen splittet das Team die Aufgaben unter sich auf. Ein Spieler fährt das Auto, die anderen ballern mit ihren MGs aus den Seitenfenstern. Die Verfolgungsjagden erinnern eher an einen Actionfilm als an einen Western.

Erster Eindruck: Techland geht mit dem neuen Szenario auf den ersten Blick ein Risiko ein. Immerhin verlassen die Entwickler das gewohnte Serienterrain und verfrachten den Stoff in die Gegenwart. Der Bruch ist aber eben nur auf den ersten Blick einschneidend: In den Grundwerten bleiben die Macher den Western-Klischees der Serie treu. Ein spannender Koop-Modus gesellt sich hinzu, der dem Gameplay neue Facetten verleiht. Nicht zu vergessen die Charakter-Frage. Verpasst Techland den drei Spielhelden tatsächlich halbwegs eigenständige Geschichten und Missionen, ist das ein interessanter Ansatz.

Erscheinungstermin: Sommer 2011 für PC, PS3 und Xbox 360.

Quelle: Computer Bild.

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