Schuldenberg

Deutsche-Bank-Ökonom sieht keine Basis für den Euro

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Foto: Reto Klar

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank bezweifelt, dass die derzeitigen politischen Maßnahmen den Euro retten werden. Die Märkte ließen sich mit Übergangslösungen nicht beruhigen.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sieht auch nach dem "Pakt für den Euro" kein solides Fundament für die Gemeinschaftswährung. "Das grundlegende Problem der Vereinbarungen ist, dass sie für eine zukünftige Schuldenkrise gemünzt sind, aber offen lassen, was mit den in der Vergangenheit angehäuften Schuldenbergen geschehen soll, wenn der Markt eine weitere Finanzierung verweigert", sagte Mayer dem "Handelsblatt".

Eine dauerhafte Basis, auf der die Währungsunion stehen könne, sei damit noch nicht geschaffen. „Bislang haben wir nur Übergangslösungen und das spüren auch die Märkte“, ergänzte der Volkswirt.

Auf die Frage, ob der „Pakt für den Euro“ bereits den Eintritt in eine Transferunion bedeutet, sagte der Chefvolkswirt: „Nein, wir befinden uns in einer Art GmbH, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung füreinander. Wir haben festgestellt, dass die Gesellschaft mit Null-Haftung nicht funktioniert. Über die Limits der Haftung wird jetzt diskutiert. Dass wir unseren Einsatz erhöhen müssen, dass wir mehr Kapital in die GmbH einbezahlen müssen, daran besteht kein Zweifel.“ Aber wenn jetzt die Möglichkeit eines geordneten Insolvenzverfahrens unter Beteiligung des Staatssektors geschaffen werde, dann bliebe der Charakter der EWU als GmbH erhalten.

Vor der Einführung eines Euro-Bonds warnt Mayer allerdings. „Mit der Euroanleihe befänden wir uns in einer Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung, der Transferunion“, sagte Mayer. Der deutsche Steuerzahler könne nicht für Entscheidungen im griechischen Parlament haften.

Die Entscheidung der Euro-Partner, dass der neue Rettungsfonds (ESM) keine Staatsanleihen am Markt aufkaufen darf hält Mayer für richtig. Allerdings fordert er, dass der jetzige Rettungsfonds ESFS sehr wohl Anleihen am Sekundärmarkt aufkaufen solle. Denn für die Übergangszeit bis 2013 bräuchten wir dringend eine Lösung. „Wir brauchen eine Brücke, denn die Schuldenkrise ist ja da.“

In Griechenland hält Mayer eine Umstrukturierung für unvermeidlich. „Ich fürchte, das Land hat kein Liquiditäts-, sondern ein Solvenzproblem. Hier werden wir zumindest um eine weiche Schuldenrestrukturierung wohl nicht herumkommen“, sagte er.