Kreditwürdigkeit

Herabstufung ist für Athen wie ein blauer Brief

Die Ratingagentur Moody's hat Griechenland abgestraft. Das aber reicht nicht aus. Europa muss den Weg aus der Krise finden.

Den Griechen geht es derzeit ähnlich wie einem schwachen Schüler, der einen blauen Brief bekommen hat und sich dann auf den Hosenboden setzt. Er versucht den selbstverschuldeten Rückstand aufzuholen, er strampelt sich dafür ab – mehr als es jene Klassenkameraden, die regelmäßig ihre Hausaufgaben gemacht haben, je tun mussten. Und am Ende bleibt seine Versetzung doch gefährdet. Natürlich wird er schimpfen und zetern und die Schuld beim Lehrer oder sonst wem suchen, wenn er die nächste Note wieder „nicht ausreichend“ ist.

Deshalb ist es verständlich, wenn die Griechen unwirsch reagieren auf das neue Urteil der Ratingagentur Moody’s. Mitten in einer schweren Wirtschaftskrise mutet die Regierung von Giorgos Papandreou ihren Landsleuten ein Reformprogramm zu, das in westlichen Industrieländern seinesgleichen sucht. Doch immer deutlicher wird, dass Athen sich mehr vorgenommen hat, als es leisten kann. Und selbst wenn die ursprünglich geplanten Maßnahmen in vollem Umfang umgesetzt worden wären: Selbst dann hätten die Resultate wahrscheinlich nicht ausgereicht, um das Land dauerhaft wieder aus seiner Schuldenfalle zu führen.

Von den Griechen darf nicht erwartet werden, dass sie diese Einsicht öffentlich äußern. Sie würden sich auch nur selbst ins Fleisch schneiden, weil sie an den Märkten nur Misstrauen in ihren Reformwillen befördern würden.

Von der EU-Kommission dagegen und den Regierungen jener Mitgliedstaaten, die letztlich die Zeche zahlen müssen, darf Ehrlichkeit und Offenheit durchaus erwartet werden. Die Lösung kann einfach nicht nur darin bestehen, die Konditionen zu lockern, für die die Griechen vor bald einem Jahr von Euroländern, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds eine Kreditlinie über 110 Milliarden Euro bekommen haben. Dieser Schritt wird letztlich zwar wohl unausweichlich sein. Sich auf ihn zu beschränken, hieße aber zum einen, den Griechen die Inanspruchnahme der Hilfe übermäßig leicht zu machen. Und zum anderen würde dadurch ein fatales Signal ausgesendet an alle anderen Länder der Eurozone: Seht her, wenn ihr Misswirtschaft betreibt, hauen euch eure Partner zum Billigtarif wieder raus und bürden das dazugehörige Risiko ihren eigenen Steuerzahlern auf.

Dauerhaft gelöst werden kann die Eurokrise so nicht. Die Eurozone wird einen Weg finden müssen, private Gläubiger – also Kreditinstitute und andere private Besitzer von Staatsanleihen der Krisenländer – an den Kosten zu beteiligen, ohne dass es darüber zu einer neuen Bankenkrise kommt. Dass selbst der europäische Währungskommissar sich dieser Einsicht auch im Jahr zwei der Eurokrise noch verschließt, ist erschreckend.