Riskante Zinswetten

Eine schallende Ohrfeige für die Deutsche Bank

Das Urteil wird dank seiner Klarheit mehr zum Anlegerschutz beitragen. Banken werden sich nun genau überlegen, was sie ihren Kunden noch anbieten können.

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Das Urteil des Bundesgerichtshofes wird den Verantwortlichen der Deutschen Bank noch lange in den Ohren klingen. So unverblümt mussten sie sich selten der Lüge bezichtigen lassen – der Lüge nämlich, dass sie bei der Beratung stets die Interessen ihrer Kunden im Blick haben.

Laut der Richter war dies zumindest im Fall der Zinswetten und der vielen Kommunen und Mittelständler, denen diese Finanzkonstruktionen in den vergangenen Jahren verkauft wurden, nicht der Fall. Mehr noch: Das Produkt sei bewusst und in verharmlosender Art und Weise zulasten der Anleger konstruiert worden, eine Wette gegen die eigenen Kunden, noch dazu mit unbegrenztem Risiko für sie.

Deutlicher hätte sich der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes kaum ausdrücken können. Die Instanz, die noch vor wenigen Jahren wegen ihrer vermeintlichen Nähe zur Finanzbranche als „Bankensenat“ verspottet war, lässt keinen Zweifel daran, wo die Verantwortung beim Vertrieb komplizierter Finanzprodukte in Deutschland liegt: bei der Bank, nicht beim Kunden.

Diese Klarstellung hat weitreichende Folgen: Sie gilt schließlich nicht nur für die Deutsche Bank. Auch andere Institute haben Zinswetten und andere Geldvehikel vertrieben, die höchstens von ausgebufften Finanzmathematikern zu verstehen sind.

Das Urteil trägt mehr zum Anlegerschutz hierzulande bei als viele der gut gemeinten Gesetze, die von der Bundesregierung seit der Finanzkrise auf den Weg gebracht wurden. Banken werden sich nun genau überlegen, was sie ihren Kunden in Zukunft überhaupt noch anbieten. Zu kompliziert darf es nicht sein.

Denn Kunden stets auf den gleichen Wissensstand wie die Bank zu bringen, wie es die Richter im Grundsatz fordern, kostet viel Zeit für die Beratung und damit Geld. Abgesehen davon, dass der eine oder andere Kunde wohl seine Bank verlassen würde, wenn er alles wüsste. Da rechnen sich dann viele Angebote einfach nicht mehr – auch nicht mehr für die Bank.

Wie weit der Richterspruch die Produktwelt verändern wird, hängt auch von der schriftlichen Begründung des Urteils ab. Unklar ist bislang beispielsweise, ob die Banken ihre Verdienstpotenziale auch bei den an viele Privatanleger verkauften Zertifikaten detailliert offenlegen müssen? Wünschenswert wäre es. Auch dabei handelt es sich schließlich um Wetten auf eine bestimmte Entwicklung an den weltweiten Kapitalmärkten.

Trotz des anlegerfreundlichen Urteils darf es bei einem Punkt kein Missverständnis geben: Anleger werden nicht von jeglicher Verantwortung bei ihren Geldgeschäften befreit. Die Bank muss informieren, der Kunde muss sich aber auch umfassend informieren lassen – nicht an jedem Verlust ist der Berater schuld.