Teure Batterie

Elektroautos haben ohne Prämie keine Chance

Experten sind sich einig: Ohne Kaufprämien sind Elektrofahrzeuge nicht massentauglich. Doch die Bundesregierung stellt sich quer.

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Die Dramaturgie für den großen Tag steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Ergebnisse loben, die ihr die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) kommenden Dienstag präsentiert. Sie wird sagen, dass die Plattform, in der die Autoindustrie, Zulieferer, Stromversorger sowie die Wissenschaft und die Regierung vereint sind, einen ersten Fahrplan auf dem Weg zum Elektroauto vorgelegt habe. Den hinter den Kulissen geführten Zwist über die Kosten wird die Kanzlerin wohl so wenig erwähnen wie möglich – einfangen kann sie die heftig entbrannte Debatte damit aber nicht mehr.

Es geht darum, wer wie viel bezahlt, damit Elektroautos massentauglich werden. Das größte Reizthema ist die Kaufprämie, also direkte staatliche Subventionen für all jene, die einen Stromer erwerben. Die Industrie fordert sie, die Politik blockt ab. Aber Experten sagen, dass das Batterie-Mobil made in Germany ohne Subventionen keine Chance haben wird. „Das Elektroauto für den Massenmarkt wird in Deutschland nur mit Hilfe von Kaufprämien starten“, sagt Stefan Bratzel, der Leiter des Center of Automotive an der FHDW in Bergisch Gladbach, „Morgenpost Online“. „Kann sich die Bundesregierung dazu nicht durchringen, verfehlt sie ihr Ziel, bis 2020 mindestens eine Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben.“

Das Hauptproblem der Stromfahrzeuge ist die teure Batterie. „Sie ist der Grund, warum Elektroautos auch in einigen Jahren noch mindestens 10.000 bis 15.000 Euro mehr kosten als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor“, sagt Bratzel. So viel ist den Deutschen das schadstoffneutralere Automobil aber nicht wert, haben Experten ermittelt. Das Center of Automotive hat berechnet, wie hoch Kaufprämien ausfallen müssten, damit die Deutschen umsteigen.

Demnach wird der Durchbruch des Elektroautos am ehesten mit einem „degressiven Stufenfördermodell“ erreicht: Käufer von E-Mobilen sollen einen staatlichen Zuschuss bekommen, der im Laufe der Jahre mit der steigenden Zahl verkaufter Modelle sinkt. „Die Förderung sollte ab 2011 in Höhe von 7500 Euro für die ersten 5000 Elektroautos beginnen und dann mit wachsender Verbreitung schrittweise auf 6000, 5000 und 3000 Euro sinken“, schlägt Bratzel vor.

Die Bundesregierung stellt sich quer

Die Modellrechnung wurde so ausgelegt, dass durch die Zuschüsse das Ziel von einer Million Elektroautos in zehn Jahren erreicht werden könnte. Der Vorschlag hat aus Bratzels Sicht drei Vorteile: Zuschüsse seien eines der stärksten Mittel, Kunden zum Kauf zu animieren. Zudem würde auf die deutschen Autobauer erheblicher Druck ausgeübt, bezahlbare E-Autos für einen Massenmarkt zu entwickeln, weil die Förderung stark sinkt. „Zuletzt ist diese Form der Förderung anders als in vielen Fällen überschaubar. Bleibt man bei unserem Modell liegt das Gesamtfördervolumen bei 500 Millionen Euro“, sagte Bratzel der „Morgenpost Online“. Ohne Kaufprämien seien bis 2020 keine 600.000 E-Autos unterwegs.

Nun kann man argumentieren, dass die deutschen Autobauer das verkraften werden, schließlich werden die Exportmärkte mit jedem Jahr wichtiger. Aber Bratzel fürchtet den „Transrapid-Effekt“: „Wenn sich ein Produkt auf dem Heimatmarkt nicht voll durchsetzt, wie soll man dann im Ausland die Kunden davon überzeugen, es zu kaufen?“ Bratzels Thesen stoßen bei der Autoindustrie naturgemäß auf Beifall. Die Chefs von Volkswagen, Daimler, BMW und Opel haben Kaufprämien gefordert.

Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes sprach von einer Prämie in Höhe von „mehreren tausend Euro“, und alle gemeinsam verweisen auf die Kaufprämien in vielen anderen Ländern. In einem der Entwürfe für den Abschlussbericht heißt es: „Industrie und Wissenschaft schlagen Projekte mit einem Bedarf von 4,4 Milliarden Euro in der Zeit von 2011 bis 2014 vor.“ Aus Sicht der Industrie ist klar, sie sie allein diese Summe nicht schultern will. Die Bundesregierung stellt sich jedoch quer. „Die Forderung der Industrie wird in dem Bericht nicht besonders hervorgehoben“, heißt es im Bundesverkehrsministerium verärgert.

Und Kanzlerin Merkel verweist auf die halbe Milliarde Euro, die der Bund für die Erforschung der Elektromobilität zur Verfügung stellt. Eine weitere Förderung sei nicht geplant. Von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ist ohnehin nichts zu erwarten. Subventionen aller Art und damit auch die Kaufprämie für Elektroautos verzerrten den Markt, lässt der FDP-Politiker mitteilen. Verkehrsminister Peter Ramsauer spricht ähnlich. Doch der CSU-Minister gilt im Kabinett in diesem Punkt als „möglicher Umfaller“. „Man überlegt im Verkehrsministerium derzeit fieberhaft alles Mögliche, wie man die E-Autos fördern könnte“, heißt es im Kabinett.