South Stream

BASF-Tochter steigt bei Putins Pipeline ein

Die deutsche Firma Wintershall beteiligt sich an der russischen Gas-Pipeline South Stream. Das umstrittene Projekt gewinnt an Legitimität.

Foto: dpa

South Stream, das russische Konkurrenzprojekt zu der von der EU geplanten Pipeline Nabucco Richtung Wien, erhält mächtige Unterstützung aus Deutschland. Wie der russische Premierminister Wladimir Putin in Moskau bestätigte, werde das deutsche Energieunternehmen Wintershall, Tochter des BASF-Konzerns, bei der von den Russen geführten Pipelinegesellschaft South Stream AG einsteigen.

Wie aus informierten Kreisen in Moskau zu erfahren war, wird Wintershall 15 Prozent an South Stream übernehmen. Eine entsprechende Absichtserklärung sollten die Konzernchefs von BASF und Gazprom noch am Montag unterschreiben. Die Pipeline soll Erdgas von Russland über das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort in zwei Leitungen bis nach Österreich und Italien bringen.

Wintershall geht damit als dritter Teilhaber in die Gesellschaft ein. Bisher hatte Gazprom gemeinsam mit dem italienischen Energiekonzern Eni das 21,5 Milliarden Dollar teure Projekt voranzutreiben versucht. Die Kontrollmehrheit wird auch nach dem Einstieg der Deutschen auf Seiten von Gazprom bleiben. Eine Beteiligung der französischen Gesellschaft Eléctricité de France SA ist dem Vernehmen nach noch in diesem Jahr geplant.

Konkurrenz zu Nabucco

Auch wenn Russland verbal immer das Gegenteil behauptet, so ist South Stream doch als Konkurrenzprojekt zu Nabucco auf dem südlichen Versorgungskorridor für Europa konzipiert. Mit einer Gesamtkapazität von 63 Milliarden Kubikmeter, was mehr als der Hälfte des deutschen Jahresverbrauchs entspricht, ist South Stream zwei Mal voluminöser als Nabucco. Frühestens 2015 sollte der erste Lieferstrang für den Gastransport bereitstehen.

Will Russland mit dem Pipelineprojekt einerseits Lieferungen nach Europa aus den potenziellen und alternativen Nabucco-Quellen Aserbaidschan und Turkmenistan zuvorkommen, so andererseits seine eigenen Exportrouten nach Europa diversifizieren. Nach Beginn der Gaskonflikte mit der Ukraine, dem größten Transitstaat für russische Gaslieferungen nach Europa, hatte Russland die Idee zu South Stream, aber auch zur Ostseepipeline Nord-Stream, an der Wintershall ebenfalls beteiligt ist, geboren.

Europa wiederum hat Nabucco ersonnen, um Gas aus dem kaspischen Raum direkt nach Europa zu transportieren und damit die starke Abhängigkeit von Russland, das Europas Gasbedarf zu einem Viertel deckt, wenigstens teilweise zu reduzieren. Bis vor kurzem freilich stockte nicht nur South Stream, sondern auch Nabucco, weil es keine fixen Zusagen aus Aserbaidschan, Turkmenistan und Nordirak hatte. Einen "Etappensieg" konnte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso im Jänner erzielen, als Aserbaidschan beträchtliche Mengen" an Erdgaslieferungen für Europa zusagte und auch Turkmenistan die Bereitschaftssignale verstärkte. Die Entscheidung für einen Bau von Nabucco sollte noch 2011 fallen.

Der Einstieg von Wintershall bei South Stream erhöht jedenfalls die Legitimität des umstrittenen, weil politisch konnotierten Projektes South Stream. Schon im Vorfeld kommentierte ENI-Chef Paolo Scaroni in einem Interview das Einstiegsgerücht dahingehend, dass ein deutscher Konzern im Boot "das Projekt nicht nur hinsichtlich der Gaskäufer, sondern auch hinsichtlich der Akzeptanz in der EU stärken würde".

In Wahrheit nämlich sieht sich South Stream mit dem Dritten EU-Energiepaket konfrontiert, das seit Inkrafttreten im März den europäischen Energiemarkt liberalisieren, Dritten den Zutritt zu Pipelines und die Trennung von Lieferanten und Pipelinebesitzern gewährleisten soll.

Einstieg ist ein politischer Erfolg

Russland hatte sich von Anfang an über diese Regelung empört. Und laut Scaroni werde South Stream nur funktionieren, wenn es vom neuen Energiepaket ausgenommen würde. Zumindest politisch sei der Einstieg von Wintershall ein Erfolg für South Stream, sagt Frank Umbach, Gasexperte am European Center for Energy and Resource Security, auf Anfrage: "Aber die wesentlichen Fragen sind damit nicht gelöst"

Zu den wesentlichen Fragen zählt Umbach, woher Russland, das in die Erschließung neuer Gasfelder über Jahre zu wenig investiert habe, das Gas für South Stream nehmen soll, außer es vom ukrainischen Transit abzuziehen und damit einen politischen Konflikt mit der Ukraine loszutreten. Der zweite Punkt sei, dass der Gasbedarf in Europa stagniere, sodass die Rieseninvestitionen in South Stream Fragen der Wirtschaftlichkeit aufwerfen.

Nachdem die Ostsee-Pipeline Nord-Stream aus Russland nach Deutschland derzeit schon im Bau ist, schaffe South Stream bereits überflüssige Transportkapazitäten für russisches Gas nach Europa, meint auch Michail Kortschemkin, Direktor von East European Gas Analysis: Dazu komme, dass Baukosten für South Stream, die ja zum Teil am Grund des Schwarzen Meeres gebaut wird, drei Mal so hoch sind wie die für Nabucco. Und dies vor dem Hintergrund, dass Europa in der Wirtschaftskrise den Zukauf in Russland massiv zurückgefahren und durch Zukauf von – billigerem – Flüssiggas aus Norwegen und Katar kompensiert hat.

Nicht zufällig hat Russland daher in der Vorwoche laut über Kostensenkungen für South Stream nachgedacht und als "Ergänzung oder Alternative" zur Pipeline den Bau einer Gasverflüssigungsanlage am Schwarzen Meer oder auch auf der nordrussischen Halbinsel Jamal ins Spiel gebracht. Gleichzeitig freilich hat Putin den Vorschlag aufgebracht, Europa schon bald mit mehr Gas zu beliefern, damit Gasstaaten wie Katar ihre LNG-Lieferungen von Europa nach Japan umleiten könnten.