Arbeitskampf

Käßmann soll Mediatorin bei der Bahn werden

Der bundesweite Streik bei der Bahn ist beendet, doch eine Lösung im Arbeitskampf ist nicht in Sicht. Nun soll die ehemalige EKD-Vorsitzende vermitteln.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat angesichts der verhärteten Fronten im Bahntarifstreit die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann als Mediatorin vorgeschlagen. "Frau Käßmann wäre sicherlich jemand von einer hohen Integrität", sagte der Verbandsvorsitzende Karl-Peter Naumann dem Sender MDR Info.

Er glaube nicht, dass das ohne einen Mediator funktioniere. Beide Seiten stünden sich in der Auseinandersetzung sehr unversöhnlich gegenüber, sagte er nach einem Treffen bei Bahn-Chef Rüdiger Grube.

Der Streik der Lokführer hat am Donnerstag den Schienenverkehr in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen gebracht. Nach vorläufigen Angaben der Gewerkschaft GDL waren am Morgen bundesweit rund 800 Lokführer im Arbeitskampf. Die Bahn rechnet auch nach dem Ende des Ausstands um 10.00 Uhr für den Rest des Tages mit Behinderungen, da sich der Verkehr nur langsam normalisieren werde. Derweil schloss die Gewerkschaft weitere Streiks nicht aus.

Laut Bahn waren neben dem Fern- und Regionalverkehr auch die S-Bahnen in Berlin, Hannover, München, Nürnberg sowie Stuttgart und Rhein-Neckar stark betroffen. Im Schienengüterverkehr sind der Bahn zufolge seit Streikbeginn am Mittwochabend rund 300 Güterzüge nicht gefahren. Die Versorgung von Kraftwerken, Hochöfen und anderen zentralen Industrien sei dennoch gewährleistet worden.

Die GDL sprach dagegen von über 600 ausgefallenen oder verspäteten Güterzügen. Ein Schwerpunkt der Streiks seien die neuen Bundesländer und der Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg gewesen. Aber auch auf wichtigen Rangierbahnhöfen in Süddeutschland sei es zu Streikaktionen gekommen.

Beim Volkswagen-Konzern hieß es am Morgen, der Streik bei der Güterbahn habe keine Auswirkungen auf die Werke des Autobauers gehabt. "Die Produktion lief reibungslos durch", sagte ein VW-Sprecher am Donnerstagmorgen. Die VW-Werke werden per Bahn mit Bauteilen versorgt und liefern auch fertige Fahrzeuge über die Gleise aus.

GDL-Chef Claus Weselsky sagte, er erwarte, dass die Arbeitgeber Konsequenzen aus dem Streik zögen. Die GDL wolle die Möglichkeiten "nicht bis zum Ende ausschöpfen", sondern zurück an den Verhandlungstisch. Gleichzeitig rechtfertigte er den Ausstand. Viele Fahrgäste seien frustriert, aber es gebe auch Unterstützung für die Gewerkschaftsforderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag und höheren Gehältern, sagte Weselsky am Morgen in Mannheim. Weitere Streiks schloss Weselsky nicht aus. "Es ist alles offen", sagte er. Zunächst müsse die Arbeitgeberseite nun ein "verhandlungsfähiges Angebot" auf den Tisch legen.

Bahn will Verhandlungen statt Streiks

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte von der GDL, auf die "vielfältigen, schriftlichen und mündlichen Angebote" des Unternehmens einzugehen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wir sind davon überzeugt, dass man eine so komplexe Materie nicht per Streik und per Diktat durchsetzen kann", sagte Weber am Morgen im ZDF-"Morgenmagazin".

Die Bahn hat den Angaben zufolge mehrere Hundert zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen, der telefonischen Reisendeninformation und in den Betriebszentralen und Transportleitungen eingesetzt. Auch nach dem Ende des Streiks können sich Reisende vor der Fahrt unter der kostenlosen Servicenummer 08000 99 66 33 über die konkreten Auswirkungen der Streiks informieren.

Fahrgäste, die ihre Reise aufgrund des Streiks nicht antreten können, können sich ihre Fahrkarte kostenlos erstatten lassen. Reisende können sich nach Angaben der Deutschen Bahn unter der Servicenummer 08000-996633 oder im Internet informieren.