Konjunktur

Maschinenbauer drehen wieder voll auf

Nach einem beispiellosen Absturz während der Rezession sind die Maschinenbauer zurück. Die Branche will alleine dieses Jahr 20.000 Stellen schaffen.

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Deutschlands Maschinenbau eilt mit großen Schritten aus der Krise. Dem beispiellosen Absturz während der Rezession – damals war die Produktion in Folge der Schock- und Investitionsstarre um fast ein Viertel eingebrochen – folgt derzeit eine rasante Aufholjagd in ungeahnter Schnelligkeit. Das Produktionsvolumen der Schlüsselbranche sei im vergangenen Jahr um 8,8 Prozent auf 165 Mrd. Euro gestiegen, meldet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Und in diesem Jahr soll die Produktion kräftig um weitere zehn Prozent zulegen, so die Prognose. „Wir gehen von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus“, sagt VDMA-Präsident Thomas Lindner. Damit dürfte das Vorkrisenniveau wesentlich schneller erreicht werden als bislang erwartet. „Die Branche ist wieder voll in Fahrt gekommen“, frohlockt Linder.

Das belegen auch die Statistiken für den Auftragseingang. So legten die Order im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um stattliche 44 Prozent zu. Und das obwohl es damals schon die ersten Plusraten nach der Krise gegeben hatte. Insgesamt zogen die Bestellungen im Jahr 2010 um 36 Prozent an – und zwar vor allem durch die starke Auslandsnachfrage. Während die Inlandsaufträge im Jahresmittel um immerhin 29 Prozent gestiegen sind, legten die Exportanfragen sogar um 39 Prozent zu. Der stärkste Schub kam dabei aus Asien und Nordamerika, bilanziert der VDMA, der den Auslandsanteil am Branchenumsatz mit rund 75 Prozent angibt. In China etwa kletterte der Absatz deutscher Maschinen um fast ein Drittel auf allein 13,7 Mrd. Euro. Damit ist die Volksrepublik für die heimischen Hersteller bereits der größte Auslandsmarkt vor den USA, Frankreich, Russland und Italien.

Zwar ist der Aufschwung noch nicht in allen Branchensegmenten gleichermaßen angekommen. Bei den Anbietern von Bau- und Baustoffmaschinen oder von Druck- und Papiertechnik etwa ist die Erholung erst vergleichsweise zaghaft. Bei Heidelberger Druckmaschinen gibt es sogar noch immer Kurzarbeit. Das Gros der Maschinenbausparten aber nähert sich bereits seinen früheren Spitzenwerten. In einigen Bereichen wie zum Beispiel der Automatisierungstechnik oder bei den Herstellern von Hütten- und Walzwerken werden die Vorkrisenzahlen sogar schon übertroffen. „Es gibt mittlerweile Unternehmen, die Engpässe spüren“, berichtet Lindner, der selbst Chef des Nadelherstellers Groz-Beckert ist. Tatsächlich lag die durchschnittliche Kapazitätsauslastung im Januar schon bei 86,4 Prozent. „Und ab einer Durchschnittsauslastung von 90 Prozent wird es eng“, rechnet der VDMA-Chef vor.

Dieser unerwartet starke Aufschwung hinterlässt auch seine Spuren am Arbeitsmarkt. Zwar gab es in Deutschlands zweitgrößter Industriebranche, zu der neben zahlreichen Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie Gea Group und Gildemeister oder ThyssenKrupp und Heidelberger Druckmaschinen gehören, am Jahresende 2010 mit 912000 Mitarbeitern knapp 9000 Beschäftigte weniger als im Vorjahr. Die Entlassungen wurden aber überwiegend in der ersten Jahreshälfte vollzogen. „Seit dem Frühjahr hat sich der Trend wieder umgekehrt“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Er spricht von alleine 10.000 Jobs, die seit Mai des vergangenen Jahres entstanden sind. In diesem Jahr sollen weitere 20.000 Arbeitsplätze hinzukommen. „Dieses Tempo ist überraschend“, sagt Hesse. Damit werde nun auch der Fachkräftemangel wieder zum Thema für die Branche. Bereits jetzt seien der aktuellen Ingenieurerhebung des VDMA zufolge rund 5000 Stellen unbesetzt, weil geeignete Bewerber fehlen, erkläre Hesse.

Etliche Unternehmen setzen daher schon wieder auf Zeitarbeiter. Aktuell sind es bereits rund 30.000 Leihkräfte. „Je länger der Aufschwung dauert, desto stärker werden wir erleben, dass Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft wechseln und neue Zeitarbeiter nachkommen“, sagt Verbandspräsident Lindner, der die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich gut aufgestellt sieht. Zumal die durchschnittliche Rendite nach Steuern im vergangenen Jahr von zwei auf durchschnittlich drei Prozent gestiegen ist. Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Anbieter zu erhalten, gibt Linder nun das Ziel von fünf Prozent aus.