Gleichstellung

Frauenquote holt die Telekom auf der Cebit ein

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Heuzeroth

Foto: REUTERS

Eine der prominentesten Managerinnen verlässt den Konzern. Trotzdem kommt Telekom gut voran, den Frauenanteil bei Führungskräften zu erhöhen.

Das war eigentlich anders geplant: Für jeden Tag hatte die Deutsche Telekom während der Hightech-Messe Cebit gleich mehrere Neuigkeiten für die Medien vorbereitet – und dann sickerte ausgerechnet eine Personalie durch, die große Wellen schlug: Anastassia Lauterbach trennt sich von dem Bonner Konzern. Doch dazu will das Unternehmen kein Wort verlieren. Man verhandelt noch über den Auflösungsvertrag, heißt es im Konzern. Der Rest ist Schweigen.

Lauterbach, zuletzt Chefin der Beteiligungsgesellschaft T-Venture, ist nicht irgendeine Managerin: Vor einem knappen Jahr stieg die damals 37-Jährige als erste Frau nach Verkündung der Frauenquote durch Telekom-Chef René Obermann in den erlauchten Kreis des „Business Leader Team“ bei der Deutschen Telekom auf. Über 60 Manager tummeln sich in diesem Elite-Zirkel, nach oben geht es nur noch in den Vorstand. Schnell wurde Lauterbach als „erste Quotenfrau der Telekom“ betitelt. Damals erklomm sie den Posten der Produkt- und Innovationschefin kommissarisch. Später wechselte Lauterbach an die Spitze der Telekom-Beteiligungsgesellschaft. Nach Informationen von „Morgenpost Online“ gingen ihre Vorstellungen der strategischen Entwicklung in eine andere Richtung als die Pläne des neuen Konzernvorstandes für Innovation, Ed Kozel.

Man werde sich auch künftig in solchen Fällen die Freiheit lassen, sich von Frauen wie Männern zu trennen, heißt es im Konzern. Dass dadurch die Frauenquote der Telekom leide, weist das Unternehmen zurück. Die Telekom hat sich freiwillig verpflichtet, 30 Prozent ihrer Führungspositionen bis 2015 mit Frauen zu besetzen. Die Ankündigung hat viel öffentliche Aufmerksamkeit hervorgerufen und in Management-Runden für lebhafte Diskussionen gesorgt. Es wurden sogar Rufe nach gesetzlichen Vorgaben laut. Jedes Unternehmen müsse das für sich selber entscheiden, hieß es damals bei der Telekom. Und auch die Politik appellierte an die deutschen Unternehmen, mehr Führungsposten mit Frauen zu besetzen.

Trotz allem ist um die Frauenquote auch im Telekom-Vorstand gestritten worden. „‚Mehr Frauen in Führungspositionen' ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei“, sagte Telekom-Chef René Obermann. „Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser.“

Die Zwischenbilanz der Telekom ist ermutigend. Im Kreis der heute 65 „Business Leader“ sind inzwischen sechs Frauen. Vor einem Jahr waren es in dieser ersten Ebene unter dem Vorstand nur zwei. „Alle Augen richten sich jetzt natürlich auf den Konzernvorstand“, sagt ein Telekom-Manager. Doch dorthin hat es bislang noch keine Frau geschafft. Auch in den Aufsichtsräten der Telekom-Töchter haben inzwischen 14 Frauen zwischen den 106 Mitgliedern Platz genommen. In die Besetzung des eigenen Konzern-Aufsichtsrates, so heißt es, könne sich das Unternehmen natürlich nicht einmischen.

Unter den knapp 60 Top-Nachwuchskräften überwiegen sogar die Frauen, vor einem Jahr waren es nur 33 Prozent. Und selbst in den Führungskräfteentwicklungsprogrammen ist nun fast jede dritte Person eine Frau. Bei Neueinstellungen von Hochschulabgängern muss die Telekom sogar teilweise mehr die Hälfte aus der Gruppe der weiblichen Absolventen einstellen. „Sonst schaffen wir in den obersten Führungsebenen nicht mehr die Quote“, sagt eine Sprecherin.

Tatsächlich hat sich nicht nur bei den Zahlen einiges geändert. Der Konzern hat die Kinderbetreuung ausgebaut, die den Mitarbeitern angeboten wird. Führungskräfte werden darin bestärkt, in Teilzeitarbeit zu gehen oder auch einmal eine Auszeit zu nehmen. Allesamt Maßnahmen, die sowohl Frauen als auch Männern zur Verfügung stehen, doch meist werden die Angebote von Frauen genutzt.

Headhunter trauen sich inzwischen gar nicht mehr, Vorschläge zu unterbreiten, in denen keine Frauen vorkommen. Auf sogenannten „Shortlists“ werden bei der Vergabe von Führungsposten fünf bis sechs Kandidaten vorgeschlagen, 30 Prozent davon müssen gleichqualifizierte Frauen sein. Dabei spiele es keine Rolle, ob eine Position mit internen oder externen Kandidaten besetzt werden soll.