AKW-Abschaltung

E.on-Chef warnt vor Stromausfällen in Deutschland

Die Stilllegung von Kraftwerken könnte laut E.on-Chef Teyssen die Energieversorgung gefährden. Industrievertreter wiegeln dagegen ab.

Foto: Getty Images

Der Chef des Energieversorgers E.on, Johannes Teyssen hat angesichts der Debatte um die Abschaltung von Atomkraftwerken vor Stromausfällen in Norddeutschland gewarnt. Die Sicherheit der Stromversorgung sei zwar nicht unmittelbar gefährdet, sagte er Morgenpost Online. "Aber die Netze in Norddeutschland sind unseren Fachleuten zufolge bereits heute stark belastet. Ein weiterer Ausfall von Kraftwerkskapazitäten, etwa von einem Kohlekraftwerk, kann da grosse Auswirkungen haben."

Die deutsche Industrie hält das vorübergehende Abschalten von mehreren Atomkraftwerken dagegen für vertretbar. „Das ist für die Stromversorgung verkraftbar“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Allerdings stelle sich die Frage, wodurch die Atomenergie im Industrieland Deutschland dauerhaft ersetzt werden solle. Dann müsse auch die Diskussion um Gas, Kohle und Öl erneut geführt werden. „Deutschland kann die Stromerzeugung insbesondere in der Grundlast nicht von heute auf morgen auf Windräder und Solarenergie umstellen“, sagte Keitel.

Deshalb sei eine besonnene und faktenorientierte Diskussion notwendig. „Wenn an deren Ende steht, dass Deutschland früher ohne Kernenergie auskommen muss, dann ist das so“, sagte der BDI-Chef. Die schwarz-gelbe Koalition hatte erst Ende 2010 gegen den erbitterten Widerstand der Opposition massive Laufzeitverlängerungen für die deutschen Atomkraftwerke beschlossen.

Danach hätten auch die alten Meiler noch viele Jahre weiterlaufen sollen. Am Dienstag beschloss die Bundesregierung angesichts der atomaren Katastrophe in Japan, die sieben ältesten Akw vom Netz zu nehmen. Wieviele von ihnen endgültig abgeschaltet bleiben, war zunächst noch offen.