Trendberuf

Immobilienbranche bietet viele Jobs und gutes Gehalt

Immer mehr junge Menschen streben eine Karriere als Makler, Wertermittler oder Verwalter an. Auch Quereinsteiger haben dank des hohen Personalbedarfs gute Chancen.

Foto: dach.de

Immer mehr junge Menschen in Deutschland streben einen Beruf in der Immobilienbranche an. „Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei Maklern, Immobilien- und Wohnungsgesellschaften steigt kontinuierlich“, berichtet Sven Johns, Bundesgeschäftsführer des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Inzwischen würden jedes Jahr 1800 Schulabgänger bei Branchenunternehmen ihre Ausbildung zur Immobilienkauffrau und zum Immobilienkaufmann beginnen.

Zudem wechseln zahlreiche Seiteneinsteiger in die Immobilienwirtschaft. „Viele von ihnen wollen sich als Makler selbstständig machen und durch eigenen Fleiß und unternehmerischen Fähigkeit die Höhe ihres Einkommens eigenverantwortlich bestimmen“, sagt Johns, der für diese Gruppe das Fachbuch „Existenzgründung für Immobilienmakler“ verfasst hat.

Insgesamt sind in der Branche nach einer Studie der Gesellschaft für Immobilienforschung (GIF) 1,6 Millionen Menschen tätig. Das sind 4,1 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. 146.400 Arbeitsplätze stellen dabei die Makler und Beratungsgesellschaften, weitere 197.000 die Immobilien finanzierenden Banken. In der Wohnungswirtschaft sind mehr als 110.000 Menschen tätig, davon 59.780 bei den 3000 Mitgliedsunternehmen des GDW Bundesverbands Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Weitere 846.000 Beschäftigte arbeiten bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Anwaltskanzleien und in der Immobilienverwaltung. Für Architekten und in Ingenieurbüros arbeiten 180.000 Erwerbstätige. Der Gesamtumsatz der Branche beträgt im Jahresschnitt 150 Mrd. Euro. Das sind 6,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Allein an der Deutschen Immobilienakademie (DIA) der Universität Freiburg starten inzwischen jedes Jahr rund 400 Beschäftigte ein berufsbegleitendes Studium zum Immobilienwirt oder Diplom-Immobilienwirt. „Unter den Studenten sind Architekten, Bauzeichner, Handwerksmeister, Ingenieure und Kaufleute“, sagt Studienleiter Thomas Bühren.

Die Kosten von bis zu 1500 Euro pro Semester tragen die Studierenden selbst. Sie hoffen darauf, durch das Studium eine gut dotierte Tätigkeit im mittleren und oberen Management eines Immobilienunternehmens zu erhalten.

Fachkräfte verdienen rund 50.000 Euro

Nach der jüngsten Umfrage des Fachmagazins Die Immobilienwirtschaft verdienten Führungskräfte in der Branche 2010 im Schnitt 103.000 Euro pro Jahr. Damit sei das durchschnittliche Bruttogehalt der Manager gegenüber 2009 um 7,2 Prozent gestiegen. Fachkräfte kamen 2010 auf einen durchschnittlichen Bruttolohn von 49.500 Euro – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der deutliche Anstieg der Gehälter zeigt, wie hoch der Bedarf an Fachkräften in der gesamten Branche ist. Immobilien sind in den vergangenen Jahren für Altersvorsorgeeinrichtungen, Investmentfonds und Versicherungen zu einem wichtigen Anlageprodukt geworden. Darüber hinaus investieren auch immer mehr vermögende Privatanleger in vermietete Wohn- und Geschäftshäuser oder in geschlossene Immobilienfonds. „Insgesamt 19,6 Mrd. Euro strömten im vergangenen Jahr allein in deutsche Gewerbeimmobilien“, macht Helge Scheunemann, Chefresearcher Deutschland bei der Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle, die Dynamik deutlich.

Entsprechend stark ist der Personalbedarf in der Branche gewachsen. Immer mehr Fonds und Unternehmen suchen Gutachter, die den Marktwert von Immobilien ermitteln, Portfoliomanager, Ein- und Verkaufsleiter. IVD-Geschäftsführer Johns erwartet deshalb, dass Immobilienexperten auch in den kommenden Jahren weiter stark gefragt sein werden. „Auch Quereinsteiger aus der Mathematik und Physik werden für die Immobilienbewertung und zur Erstellung von Rechenmodellen gesucht.“

Ausbildungsplätze für Immobilienkaufleute bieten Makler, Immobilien- und Wohnungsgesellschaften an. „Eine Reihe kleinerer Wohnungsunternehmen verlangt dabei nur den Realschulabschluss“, sagt Johns. Die meisten Gesellschaften bevorzugen allerdings Berufseinsteiger mit allgemeiner Hochschulreife. Dabei geht es nicht nur um das größere Allgemeinwissen. „Abiturienten verfügen durch ihr höheres Alter auch über eine größere Lebenserfahrung“, erläutert Angelika Westerwelle, Bereichsleiterin Fortbildung beim Maklerhaus Engel & Völkers.

Das Franchiseunternehmen mit Partner-Niederlassungen in ganz Europa, Amerika, Afrika und Asien stellt allein in Deutschland jedes Jahr rund 100 Auszubildende ein – und kann dabei unter weit mehr als Tausend Bewerbern auswählen. „Das Interesse an diesem Beruf ist enorm“, sagt Westerwelle. Bei der Auswahl der Auszubildenden orientiert sich das Unternehmen keineswegs allein an der Abitur-Note. „Wer als Makler erfolgreich arbeiten will, muss aktiv auf Menschen zugehen können und ihnen bei der Erfüllung ihrer Wohnwünsche helfen wollen“, sagt Westerwelle. „Bewerber sollten deshalb extrovertiert und kommunikationsfreudig sein.“

Makler, Wertermittler, Immobilienverwalter und Manager

Zur hauseigenen Fortbildung hat Engel & Völkers eine Immobilienakademie in Hamburg sowie Satellitenakademien in Berlin und München und in anderen Ländern aufgebaut. „Auch jeder Franchisepartner und dessen Mitarbeiter werden in speziellen Lehrgängen geschult“, erläutert Westerwelle, die auch den Akademiebereich leitet. Rund 500 Teilnehmer durchlaufen allein in Deutschland jedes Jahr das Trainingsprogramm.

Immobilienkaufleute anderer Unternehmen und Quereinsteiger können sich bei der DIA in Freiburg, bei zahlreichen Industrie- und Handelskammern sowie bei der vom Verband IVD gegründeten Europäischen Immobilienakademie (EIA) in Saarbrücken in speziellen berufsbegleitenden Lehrgängen zu Spezialisten der Immobilienbranche fortbilden. Die Seminare werden wahlweise im Blockunterricht, am Abend oder an den Wochenenden geboten. Allein die EIA bietet dabei sieben Studiengänge an.

Die Teilnehmer können unter anderem die Qualifikation als Makler, Wertermittler, Immobilienverwalter und Manager von Gewerbeimmobilien erwerben, erläutert Studienleiterin Beate Leinen. „Neben der berufsbegleitenden Ausbildung im Blockunterricht in Saarbrücken bieten wir Wochenendlehrgänge in Berlin, Frankfurt, Köln und Leipzig an.“ Die Kosten betragen 1190 Euro pro Lehrgang.