Grünen-Chef Özdemir

E10-Chaos – "Röttgen aus dem Tiefschlaf wecken"

Die Grünen werfen dem Umweltminister CDU nicht nur eine "katastrophale Informationspanne" vor. Er solle endlich aufwachen und E10 stoppen.

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Die Grünen haben Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) aufgefordert, beim bevorstehenden Gipfeltreffen zur Einführung des Biokraftstoffs E 10 Konsequenzen zu ziehen. „Es geht nicht nur um eine katastrophale Informationspanne der Bundesregierung, sondern es geht auch darum, dass das E-10-Konzept der Bundesregierung gescheitert ist“, sagte Grünen-Chef Cem Özdemir der „Rheinischen Post“.

Die Republik frage sich, wo der Umweltminister sei. „Vielleicht sollte ihn jemand aus dem Tiefschlaf wecken und ihm sagen, dass die Winterzeit vorbei ist“, sagte Özdemir. Er bedauerte, dass der nötige Beitrag des Verkehrs zum Klimaschutz nun ausfalle. E 10 sei eine unausgegorene Antwort gewesen. „Wir brauchen benzinsparende Automobile, wir brauchen ein Tempolimit auf den Autobahnen, wir brauchen die Förderung von Elektromobilität und des öffentlichen Verkehrs“, sagte Özdemir.

Auch der Mineralölwirtschaftsverband hat die Bundesregierung aufgefordert, die Ablehnung der Autofahrer gegen den Biosprit E10 ernst zu nehmen. „Ich baue da schon auf die Politik, dass sie das Votum der Bürger hört und entsprechend reagiert“, sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard am Montag im Bayerischen Rundfunk.

Um die Einführung des Biosprits E 10 droht nun auch ein Streit in der Koalition. Während das CDU-geführte Umweltministerium an der neuen Benzinsorte festhält, will der Koalitionspartner FDP die Sache verschieben. Autoexperten fordern gar das völlige Aus für den bei Autofahrern vehement verschmähten Kraftstoff. Hoffnungen richten sich nun auf den Benzin-Gipfel, zu dem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) für Dienstag nach Berlin eingeladen hat.

Trotz des Boykotts vieler Motorisierter und des Chaos an den Tankstellen beharrt Röttgen auf der Einführung des Bio-Sprits. „Fast alle Autos vertragen das neue Benzin und wir haben dafür gesorgt, dass die rund sieben Prozent älteren Modelle, die es nicht vertragen, unbefristet weiter das alte E 5 tanken können“, sagte Röttgen. Beim Benzin-Gipfel müssen es darum gehen, „die Verunsicherung beim Verbraucher gemeinsam abzubauen.“ Außerdem gebe es keinen Zwang, an den Tankstellen E 10 anzubieten. Auch könne der Kunde selbst entscheiden, „ob er von dem Angebot Gebrauch macht“.

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