Biosprit E10

Streik an den Tanksäulen – Aufstand gegen den Murks

Soll die Idee des Biosprits nicht völlig diskreditiert werden, braucht sie einen neuen Anlauf – einen, der die Bürger von Anfang an ernst nimmt.

Schon jetzt wird deutlich, worum es beim „Benzin-Gipfel“ am Dienstag vor allem gehen wird: um erbitterte Abwehrschlachten in der Schuldfrage. Umweltministerium und ADAC haben ihren Sündenbock mit der Mineralölwirtschaft bereits gefunden – und diese wiederum sieht Versäumnisse nur in der Politik. Und die Automobilindustrie hält sich hübsch bedeckt, schließlich hat man sich selbst in der Klimaschutzfrage bislang nicht mit allzu viel Ruhm bekleckert.

Wenn es für alle Beteiligten gut läuft, wird man sich am Ende auf eine neue Aufklärungs- und Informationskampagne für E10 verständigen. Nach dem Motto: Der ach so träge Bürger hat es einfach noch nicht verstanden – man kennt dies zur Genüge als Rechtfertigung von Politikern nach Wahlniederlagen.

Doch die Bürger haben durchaus verstanden. Sie sind nicht so dumm, wie manch einer augenscheinlich glaubt. Die breite Verweigerungshaltung gegen den vermeintlichen Ökosprit ist nicht eine Revolte autovernarrter Michels, die jedem Fortschritt mit Abwehrreflexen begegnen. Der Streik an den Tanksäulen ist ein Aufstand gegen den Murks. Gegen die verkorkste Informationspolitik der Benzinkonzerne, die es offenbar nicht für nötig hielten, ihre Kunden über den Wechsel im Sortiment umfassend zu informieren.

Gegen die Politik, die offenbar weder in der Lage noch willens war, den ökologischen Nutzen von E10 umfassend nachzuweisen und zu dokumentieren. Gegen das Versäumnis der Autobauer, die Wirkung des neuen Treibstoffs in Langzeittests ernsthaft zu untersuchen. Und gegen den Verdacht, dass die Umstellung an den Zapfsäulen von der Mineralölwirtschaft hemmungslos zu Preisaufschlägen genutzt wurde.

Wer glaubt, dass hier ein paar beschwichtigende Worte vom Gipfel herab ausreichen werden, um die Verunsicherung und den Ärger der Autofahrer zu beseitigen, der dürfte sich irren. Der mündige Bürger, der von der Politik sonst so gern beschworen wird, will eine vollständige Kosten-Nutzen-Analyse – sowohl in ökologischer wie auch in finanzieller Hinsicht. Und er verlangt ein sichtbares Zeichen der Einsicht.

Soll die Idee des Biosprits nicht vollends diskreditiert werden, bleibt nur der Rücktritt – pardon der Rückzug. Eine zumindest zeitweilige Rückkehr zur alten Situation an den Tanksäulen bis die offenen Fragen tatsächlich geklärt sind. Selbst wenn der Bürger schon ahnt, dass er auch hierfür am Ende wird zahlen müssen.