Liz Mohn

"Für mich sind Frauen keine schützenswerten Wesen"

Die Chefin des Medienhauses Bertelsmann über ihre Rolle im Unternehmen und über den Sinn einer Frauenquote.

Foto: Bertelsmann Stiftung

Liz Mohn ist Grand Dame, aber auch eine sehr herzliche Gastgeberin. In ihrem holzgetäfelten Büro in Gütersloh – englische Stilmöbel, die Familie in Silber, an einer Wand ganz groß der Patriarch Reinhard Mohn in Öl – empfängt sie mit Süppchen und herzhaften Schnittchen. „Ist es nicht ein schöner Tag“, sagt sie, und man spürt, sie fühlt es wirklich. Überhaupt ist sie eine unkomplizierte und humorige Frau, diskutiert klug und gewitzt über Gott und die Welt und Unternehmertum. Trotzdem merkt man im Hintergrund immer die Maschinerie des mächtigen Medienkonzerns: Die anschließende Autorisierung des Interviews mit ihrer Kommunikationsabteilung ist kein leichtes Spiel.

Morgenpost Online: Frau Mohn, welche Überlegung hat Sie heute früh, acht Uhr – Sie waren wie jeden Morgen bereits 30 Minuten joggen und 25 Bahnen schwimmen – dazu bewogen, ein cremefarbenes Kostüm anzuziehen?

Liz Mohn: Es ist Freitag, die Sonne scheint, es ist angenehm mild draußen. Fast Frühling. Ich habe mich gefreut auf den Tag, auf Ihren Besuch. Deshalb habe ich mich heute für eine helle Farbe entschieden.

Morgenpost Online: Warum ein Kostüm und kein Hosenanzug? Es ist ein normaler Bürotag, kein Kaffeekränzchen.

Liz Mohn: Ich nehme jeden Tag unterschiedliche Termine wahr, und ich kleide mich gern modisch. Ich trage aber auch Hosen, so ist es nicht.

Morgenpost Online: Aber häufiger sieht man Sie sehr ladylike in Röcken – womit Sie sichtbar widerlegen, dass Frauen in männlich dominierten Umfeldern einen maskulinen Stil annehmen, wie es viele – Männer – behaupten.

Liz Mohn: Sagen wir so, im Berufsleben steht natürlich an erster Stelle die Kompetenz. Ein gepflegter Auftritt ist mir dennoch wichtig, und das gilt für Frauen wie für Männer. Sie kennen vielleicht den Spruch: Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen. Ich persönlich bin gerne Frau und kleide mich auch so. Ich finde auch, keine Frau vergibt sich etwas dabei, wenn sie sich weiblich kleidet. Es hat ja auch Vorteile: Wir Frauen haben viel mehr modische Möglichkeiten, da sehen die Herren manchmal blass aus.

Morgenpost Online: Lord Weidenfeld wurde einmal gefragt, mit wem er lieber einen Abend verbringen würde: Mit Liz Hurley oder mit Liz Mohn? Seine Wahl fiel auf Sie.

Liz Mohn: Wie charmant! Ich mag ihn sehr, wir kennen uns seit Jahrzehnten. Also, ich würde auch lieber mit Lord Weidenfeld essen gehen statt mit Brad Pitt.

Morgenpost Online: Prinzessin Diana trug ihre höchsten Schuhe am Tag ihrer wichtigsten Entscheidung, als sie nämlich Prinz Charles mitteilte, dass sie ihn für immer verlassen würde. In den hohen Absätzen, sagte sie später einmal, fühlte sie sich sicherer, überlegen.

Liz Mohn: Ich trage auch sehr gerne hohe Schuhe, schon immer. Aber nicht, weil ich mich je schwach gefühlt hätte. Nein, es hat ganz einfach mit dem Frausein zu tun. Man geht eleganter, ruhiger, aufrechter auf Absätzen, man rennt nicht so wie in flachen Schuhen.

Morgenpost Online: In Ihren fast 40 Berufsjahren haben Sie viel kommen und gehen sehen. Mal Hand auf den Rock: Die aktuelle Diskussion um die Frauenquote, ist das Pausenfüllerei oder bringt es den Frauen wirklich etwas?

Liz Mohn: Als Erstes möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass eine so intensive Debatte um dieses Thema geführt wird. Es geht ja dabei um viel mehr: dass Männer und Frauen zum Beispiel gleich bezahlt werden, wenn sie gleiche Leistungen bringen. Fast 70 Prozent der Frauen sind heute berufstätig, viele mit der Doppelbelastung Familie und Beruf. Um jungen weiblichen Führungskräften bei ihrem Weg nach oben zu helfen, habe ich 2009 die Business Woman School gegründet. Die Bertelsmann-Stiftung fördert damit Frauen in Führungspositionen – mit dem Ziel, sie konkret und praxisnah in ihrer Karriere- und Lebensplanung zu unterstützen. Denn die meisten Frauen sehen Chancen anders als Männer und warten oft zu lange. Frauen müssen lernen, Möglichkeiten nicht nur zu sehen, sondern auch für sich zu nutzen! Solche konkreten Maßnahmen halte ich für den richtigen Weg, da brauchen wir keine starre Quote. Am Ende zählt die Leistung – übrigens für Männer und Frauen.

Morgenpost Online: Ist die Debatte grundsätzlich nicht eher ein deutsches Phänomen? In vielen Ländern Lateinamerikas sind die Staatspräsidenten weiblich. In Italien fühlt sich keine Frau diskriminiert, wenn man ihr „bella bionda“ nachruft. Sophia Loren hat noch nie über mangelnden Respekt oder Chancenungleichheit geklagt. Ist es typisch deutsch, permanent den Unterschied zwischen Mann und Frau ergründen zu wollen?

Liz Mohn: Das sehe ich nicht so, wir haben doch auch eine Bundeskanzlerin. Kulturen und Rollenbilder zu verändern braucht Zeit, ist aber wichtig. Dazu gehört übrigens nicht nur die Rolle der Frau, sondern auch das eigene Bild der Männer. Wir haben in einer Studie festgestellt, dass 95 Prozent der Männer es noch immer als ihre Aufgabe ansehen, der Familie ein Heim zu schaffen. Gleichzeitig wünschen sie sich aber auch mehr Zeit für ihre Kinder und flexiblere Arbeitszeiten. Sie sehen, da ist viel Bewegung.

Morgenpost Online: Ich muss trotzdem noch mal fragen: Ist es nicht ein etwas primitiver Blick auf die Menschheit, einfach zu sagen: Frau und Frau müssen sich gut verstehen und die müssen sich gleich fühlen? Wir Frauen werden sozusagen zwangssolidarisiert. Gibt es nicht sinnvollere Kategorien als nur die Unterteilung Mann/Frau? Wir sind doch alle Individuen.

Liz Mohn: Der Mensch zählt, ganz individuell.

Morgenpost Online: Wie würden Sie Frau Mohn beschreiben – was hat Sie geprägt?

Liz Mohn: Ich war begeisterte Pfadfinderin, und diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ich bin als kleiner Wicht mit sechs dort eingetreten und war fast jedes Wochenende auf irgendwelchen Fahrradtouren. Geht nicht gibt es nicht, hieß es immer. Diesen Satz habe ich nie vergessen. Wir haben gelernt, für andere Verantwortung zu übernehmen. Das ist inzwischen übrigens auch in eines unserer Projekte eingeflossen, mit dem wir bereits Kinder dazu motivieren wollen, sich für andere einzusetzen, indem sie etwa ein Gedicht vortragen im Altenheim oder auch nur die Hand eines alten Menschen halten. Einfach Liebe lernen. Ich habe selbst viel Liebe, besonders von meiner Mutter bekommen. Sie war so fröhlich, trotz der Kriegsjahre und Belastungen, die sie mit fünf kleinen Kindern hatte. Nebenbei hat sie noch ehrenamtlich gearbeitet. Und mein Vater war krank, er ist vom Blitz getroffen worden, lag lange im Koma und war danach auch nie mehr richtig erwerbsfähig. Er hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb. Kein einfaches Frauenleben. Frauen damals mussten ganz schön stark sein.

Morgenpost Online: Sie sind im Grunde eher der traditionelle Typ. Wann haben Sie gespürt, ich möchte Karriere machen? Was hat Ihnen den Kick gegeben – war es immer da, war es die Ehe später?

Liz Mohn: Ich sehe mich schon als moderne Frau, die aber mit traditionellen Werten groß geworden ist und diese auch lebt. Ich bin katholisch erzogen worden, wünschte mir eine eigene Familie. Karriere zu machen stand nie auf meinem Plan, aber ich wollte berufstätig sein. Ganz ehrlich, hätte ich vorher gewusst, welche vielfältigen Aufgaben auf mich zukommen, ich hätte es mir nicht vorstellen können. Ich bin da wirklich reingewachsen mit den Projekten, die ich nach und nach übernahm. Auch durch die Liebe zu meinem Mann natürlich, durch sein Vertrauen und die Tradition seiner Familie. Aber es war nicht immer leicht für mich. Mein Mann und ich haben drei gemeinsame Kinder, ich kenne die Doppelbelastung durch Beruf und Familie sehr genau. Mein jüngster Sohn Andreas bekam mit 14 Jahren eine Halbseitenlähmung. Ich habe viele Nächte an seinem Bett gewacht.

Morgenpost Online: Und tagsüber hart gearbeitet.

Liz Mohn: Ja, ich wollte auch nicht an dem Leben meines Mannes vorbeileben. Das war mir sehr wichtig. Ich erinnere mich noch genau, eines Morgens kam mein Mann zur Tasse Kaffee und da habe ich zu ihm gesagt: „Weißt du, du lebst im Grunde ein ganz anderes Leben als ich: Wenn du abends heimkommst, hattest du ganz andere Erlebnisse.“ Ich wollte mich gemeinsam mit ihm weiterentwickeln. Das hat unserer Partnerschaft sehr gutgetan. Überhaupt, Gemeinsamkeiten, Dialoge und die Möglichkeit, von den Erfahrungen des anderen zu lernen, das sind entscheidende Grundlagen für jede Beziehung. Darum ist es auch so wichtig, dass auch die Frauen ihren Beruf ausüben. Es dient der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und einem sinnerfüllten Leben, finde ich. Und ein zufriedener Mensch ist auch ein besserer Partner.

Morgenpost Online: Interessant ist, Sie haben sich nach der Schule noch ganz klassisch und fleißig durch die Instanzen gearbeitet.

Liz Mohn: Ich war 17 und habe mich für eine kaufmännische Ausbildung beworben, ohne dass meine Eltern davon wussten. Ich wollte sie überraschen – und bin angenommen worden. Es stimmt, ich habe alle Abteilungen des Unternehmens kennengelernt, wie es damals so war. Es fing an mit Empfang und Telefonzentrale – damals gab’s noch R-Gespräche, wo man als Angerufener gefragt wurde, ob man ein Gespräch annehmen wollte, dann musste man das Telefonat bezahlen. Anschließend kam ich in die Buchhaltung. Oh Gott, ich weiß noch: Lochkartensystem. Da mussten wir noch alles mit der Hand eintippen. Nichts für mich. Na, und so kam ich von einer in die nächste Abteilung, immer weiter. Ich wollte lernen.

Morgenpost Online: Eine Frauenquote kürzte diese Wege ab. Welchen Eigenschaften verdanken Sie Ihren ehrlichen und strebsamen Weg nach oben?

Liz Mohn: Meiner Neugier, Energie und Disziplin. Ich wollte etwas leisten. Und ich sage Ihnen: Wenn man einmal merkt, dass man etwas bewegen kann, dann wachsen die Kräfte und auch der Ehrgeiz, es richtig gut zu machen. Plötzlich ist man Handelnder, Unternehmer. Wissen Sie, mir sind bei meiner Arbeit vor allem die Menschen wichtig. Bei Bertelsmann gibt es regelmäßige Mitarbeiterbefragungen. Eine ergab einmal: Es gibt zu wenig Lob. Da ist mir selbst bewusst geworden, was es eigentlich heißt, zu loben und jemandem zu sagen: Das hast du gut gemacht und das ist eine ganz tolle Leistung. Heute schreibe ich schnell mal ein Kärtchen, rufe an oder gehe im Büro vorbei, einfach um jemandem zu sagen, das war gut. Ich sehe, wie sich die Menschen freuen und wie motivierend ein Lob sein kann. Männliche Chefs machen das vielleicht etwas zu wenig.

Morgenpost Online: Die Publizistin und ehemalige „taz“-Chefredakteurin Bascha Mika würde Ihnen jetzt vorwerfen, so ganz allein haben Sie es eben nicht geschafft, Sie haben klassisch den Chef geheiratet.

Liz Mohn: Viele Paare lernen sich doch am Arbeitsplatz kennen, das ist ja nichts Besonderes.

Morgenpost Online: Nur dass Ihr Partner der Boss von Bertelsmann war. Hatten Sie es vielleicht auch schwerer dadurch, dass er etwa extra streng zu Ihnen war?

Liz Mohn: Nein, mein Mann hat mir sehr geholfen. Ich habe so viel von ihm gelernt. Und wenn mich mal Zweifel packten, sagte er: „Doch. Komm.“ Darum geht es eben: Wir beide haben uns sehr gut ergänzt: er, der erfolgreiche Unternehmer und ruhige Denker. Ich mit meiner Spontaneität und Lebensfreude – das war auch neu für ihn. Er fand seine Kraft oft darin, allein zu wandern – ich dagegen liebe es, Menschen um mich zu haben. Ich war schon sehr anders, impulsiver, aber wir haben wunderbar harmoniert.

Morgenpost Online: Wie schafft man es in das Herz seines Chefs ohne Frauenquote?

Liz Mohn: Ein Herz braucht keine Quote, wenn überhaupt braucht es Lachen, Lebensfreude. Wir haben uns auf meinem ersten Betriebsfest kennengelernt. Ich fand ihn faszinierend. Bei dem Spiel „Reise nach Jerusalem“ saßen wir plötzlich nebeneinander. Dann folgte ein Tanz. Daraus wurde ein ganzes Leben – 53 gemeinsame Jahre. Er war wirklich ein wunderbarer Mann, so klug und charmant.

Morgenpost Online: Wann hat Ihnen zuletzt jemand in den Mantel geholfen, können Sie sich erinnern?

Liz Mohn: Ich lege Wert auf Höflichkeitsformen, mag es, wenn mir jemand in den Mantel hilft. Allerdings springe ich oft auch schnell ins Auto, der Fahrer wartet, da brauch’ ich keinen Mantel.

Morgenpost Online: Was ich sagen möchte, derartige Kavaliersgesten schwinden. Frauen werden heute mehr als Partner angesehen denn als schützenswerte Wesen.

Liz Mohn: Ich finde, es gibt auch beides: Partnerschaft schließt ja doch Höflichkeit nicht aus. Für mich sind Frauen aber auch keine schützenswerten Wesen, sondern starke Persönlichkeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Frauen wie Männer verhalten müssen.

Morgenpost Online: Früher war die Frau Frau und der Mann ihr Ritter. Ist die Feldbusch-Masche, das Weibchen zu spielen, nicht überhaupt die klügste. Intelligenzbestien nerven doch.

Verona ist toll, ich schätze sie sehr. Sie ist so fleißig, aber verliert selbst kein Wort darüber. Wir kennen uns aus der gemeinsamen Arbeit in der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Morgenpost Online: Wie war das Männerbild früher, haben Sie das Gefühl, dass Männer früher charmanter waren? Spüren Sie heute die Verunsicherung der Männer, von der alle reden? Und woraus, glauben Sie, resultiert das?

Liz Mohn: Da muss ich wirklich mal eine Lanze für die Männer brechen: Viele sehen heute in ihrer Frau eine Partnerin und suchen weitaus mehr als früher das Gespräch. Sie schätzen berufstätige Frauen an ihrer Seite als selbstbewusste Partnerin. 60 Prozent der Männer würden heute sogar auf ihr Gehalt verzichten, um die Frau zu Hause mehr zu entlasten.

Morgenpost Online: Kommt eigentlich das Wort Fräulein in Ihrem Wortschatz noch vor?

Liz Mohn: Nein, das ist nun wirklich von vorgestern. Die Zeit ist vorbei. Fräulein empfinde ich als diskriminierend.

Morgenpost Online: Wann haben Sie sich zum ersten Mal getraut klarzumachen, dass Sie der Boss sind?

Liz Mohn: Boss ist ein Wort, das es in meinem Wortschatz nicht gibt. Es geht für mich um Verantwortung für die Mitarbeiter bei Bertelsmann. Das operative Geschäft der Bertelsmann AG führt der Vorstand unter Hartmut Ostrowski.

Morgenpost Online: Typisch Frau. Sie machen sich klein?

Liz Mohn: Nein, ich trage viel Verantwortung und habe zahlreiche Aufgaben. Aber ich bin im Unternehmen nicht operativ tätig.

Morgenpost Online: Durften Sie auch mal versagen?

Liz Mohn: Anfangs war ich schon aufgeregt, natürlich. Es war alles neu. Aber Fehler, das sage ich auch immer zu meinen Mitarbeitern, muss man machen dürfen. Das ist wichtig, um aus ihnen zu lernen.

Morgenpost Online: Sie sagten, damals, vor Ihrer ersten großen Rede vor über hundert Personen, seien Sie sehr nervös gewesen. Sie waren gerade 30, die Nerven haben geflattert. Was haben Sie gemacht in dieser Situation: Atemübungen, ein kleines Schnäpschen getrunken?

Liz Mohn: Es stimmt, früher ist es mir schwergefallen, freie Reden zu halten. Aber ich habe an mir gearbeitet. Man muss lernen, sich selbst zu mögen. Heute sage ich mir: Hey, du musst nicht, sondern du darfst jetzt auf die Bühne gehen. Das ist eine große Chance. Wichtig ist für mich, dass ich mich für jeden Auftritt gut vorbereite. Was ich sage, kommt wirklich von Herzen, das gibt mir die Sicherheit.?

Morgenpost Online: Hatten Sie auch mal ein Coaching?

Liz Mohn: Nicht im üblichen Sinn, mein Coach war mein Mann.

Morgenpost Online: Machen doch alle heute, so Führungs-Powertraining. Das kann man doch auch gar nicht alles allein lernen, oder?

Liz Mohn: Gut: Ganz wichtig ist, wie eine Rede beim Zuhörer ankommt. Deshalb habe ich mich schulen lassen, wie ein Text richtig betont wird. Dabei helfen kleine Tricks wie Markierungen im Text. Wichtig ist auch, die richtige Haltung auf der Bühne, gerade stehen, präsent sein, die Leute ansehen und eine positive Ausstrahlung. Aber das kennt ja jeder von sich: Mit der zunehmenden Menschenkenntnis kommt natürlich auch Selbstvertrauen. Und was mir immer geholfen hat, war meine starke Intuition. Bei Bewerbungsgesprächen kann ich zum Beispiel innerhalb von zehn Minuten die Person vor mir einschätzen.

Morgenpost Online: Wo, glauben Sie, haben Sie durch die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, das Unternehmen geprägt?

Liz Mohn: Dass ich, abgesehen von den vielen Förderprojekten, bei uns grundsätzlich Frauen mehr einbezogen habe, nicht nur Mitarbeiterinnen, auch die Ehefrauen oder Lebenspartner der leitenden Mitarbeiter. Als kleine Randbemerkung: Bei mir gibt es übrigens keine Mobiltelefone während einer Sitzung. Es ist so störend und unhöflich, wenn jemand ständig an seinem Blackberry spielt. Machen Frauen nicht so.

Morgenpost Online: Laut Statistik telefonieren Frauen dennoch länger – dafür zappen sie nicht beim Fernsehen. Heißt es.

Liz Mohn: Meine Telefonate sind immer knapp und kurz. Aber Frauen leben übrigens länger.

Morgenpost Online: Vor allem im schönen Gütersloh! Was bieten Sie Ihren weiblichen Mitarbeitern als attraktiven Ausgleich für ein Leben in der Provinz?

Liz Mohn: Wieso, es ist doch wunderschön auf dem Land. Und sehr familienfreundlich.

Morgenpost Online: Ich weiß, Sie sprechen manchmal, was nett ist, im Scherz vom „Ehe-Institut Bertelsmann“, weil schon so viele Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens geheiratet haben. Trotzdem – und jetzt ganz ehrlich bitte: Sie sagen, Sie hätten in Ihrem gesamten Berufsleben trotz aller Freude an der Arbeit natürlich auch mal Eitelkeiten miterlebt und Ungerechtigkeiten, auch Selbstzweifel und Unsicherheit. Gab es mal einen Moment, in dem Sie gesagt haben: Genug, mir reicht’s, ich höre auf – ich bin eine Frau?

Liz Mohn: Nein, nie. Und ich rate auch jeder Frau, dass sie berufstätig bleibt – und wenn es auch nur für wenige Stunden in der Woche ist.

Morgenpost Online: Wenn Sie trotzdem einmal aufhören sollten, was würden Sie dann machen: golfen gehen, Ihre Yacht putzen?

Liz Mohn: Das sind doch Männerspielzeuge, das brauch’ ich nicht. Nein, ich reise gern und genieße den Luxus, an schönen, ruhigen Orten sein zu können. Mein Paradies sind die Seychellen, wo ich schnorcheln gehe und wandere. Und ich genieße mein schönes Zuhause.