Strategiewechsel

Bayerns Umweltminister hält nichts vom E10-Biosprit

Nun kommt auch aus den Reihen der Union harsche Kritik am neuen E10-Kraftstoff. Bayerns Umweltminister Söder hält ihn nicht für die Lösung des Klimaproblems.

Bayerns Umweltminister Markus Söder übt deutliche Kritik am Benzingipfel des Bundes und dem Festhalten am Biosprit. „E10 ist ein Musterbeispiel, wie es nicht laufen soll. Der Benzingipfel kam deutlich zu spät“, sagte der CSU-Politiker dem „Münchner Merkur“.

„Das grundlegende Misstrauen der Bevölkerung gegen E10 wird sich nur sehr mühsam auflösen lassen. Das ist jetzt eine sehr unbefriedigende Situation.“

E10 werde „nicht die Lösung des Klimaproblems sein“, sagte Söder: „Wird der Treibstoff zu wenig angenommen, bringt es nichts. Wird E10 ein Erfolg, muss er billig in Massen, dann auch im Ausland, produziert werden. Sprit auf Kosten von Regenwald-Rodungen kann aber nicht die Zukunft sein.“Söder forderte stattdessen eine neue Strategie zur Elektromobilität: „Viel wichtiger als E10 ist ein zukunftsfähiges Konzept für die Elektromobilität.“

In der Bevölkerung stößt der E10-Kraftstoff bislang auf Ablehnung. Im neuesten ARD-Deutschlandtrend gaben 61 Prozent der Deutschen an, die E10-Einführung solle rückgängig gemacht werden. Nur jeder zehnte Befragte habe die Absicht, den neuen Biokraftstoff zu tanken. Mehr als zwei Drittel finden es demnach nicht vertretbar, aus Pflanzen Sprit zu gewinnen, weil dadurch Nahrung weltweit knapper und teurer werden könnte.

59 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass E10 den Automotoren schadet, wie aus einer Studie von Emnid für N24 hervorgeht. Nur 27 Prozent glauben demnach der Ölindustrie und den Autoherstellern, dass der Biokraftstoff ungefährlich sei.

Das Chaos bei der E10-Einführung lasten die Befragten mehrheitlich Bundesumweltminister Norbert Röttgen an. 37 Prozent sind laut Umfrage der Ansicht, der CDU-Politiker sei dafür verantwortlich. 29 Prozent geben den Ölkonzernen und 13 Prozent der Autoindustrie die Schuld. Jeder zehnte Befragte macht Politik, Mineralölwirtschaft und Autobauer gleichermaßen für die Probleme verantwortlich.

Während E10 weiter abgelehnt wird, ist eine Mehrheit bereit, ein Tempolimit zum Schutz der Umwelt zu akzeptieren. 58 Prozent der Befragten würden laut Umfrage Tempo 120 auf Autobahnen tolerieren, nur 40 Prozent halten nichts von einer Geschwindigkeitsbegrenzung.

Bayern will bis zur Sommerpause ein Konzept vorlegen, den Freistaat weltweit zum Vorbildland für Elektromobilität zu machen. Bayernweit soll es ein flächendeckendes E-Tankstellen-Netz an den Autobahnen geben. „Ziel soll sein, an jeder Autobahnraststätte das Auto aufladen zu können. Wir sind das Autoland – jetzt müssen wir auch das Elektro-Autoland werden.“

Söder fordert zudem ab spätestens 2013 eine bundesweite Elektrosteuer-Reform. „Die Elektro- oder Hybrid-Autos müssen mit einer deutlichen Steuersenkung gefördert werden. Wir wollen grüne Kennzeichen für Elektro-Autos durchsetzen.“

Auf der Liste der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) erfahren Sie, ob der Biosprit E10 Ihrem Motor schadet. Experten streiten derzeit, ob diese Informationen rechtsverbindlich sind.