Tarifstreit

Lokführer richten sich auf langen Arbeitskampf ein

Die Streiks der Lokführer haben für massive Behinderungen gesorgt. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen, denn Arbeitgeber und GDL bleiben stur.

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Deutschlands private Bahnbetreiber geben sich trotz der massiven Streiks der Lokführer kämpferisch. „Wir werden als private, sechs Unternehmen nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, solange von der GDL ein Flächentarifvertrag, der für Mitglieder der GDL wie auch der EVG gleichermaßen gelten soll, gefordert wird“, sagte Ulrike Haber-Schilling, Arbeitsdirektorin von Deutschlands größten privaten Bahnanbieter Veolia Verkehr, im Gespräch mit Morgenpost Online. Die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat sich im aktuellen Tarifkonflikt gegen die GDL gestellt. „Wir warten darauf, dass die GDL wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir bei Veolia sind bereit, Haustarifverträge weiterzuentwickeln“, sagte Haber-Schilling.

Mit einem bundesweiten Streik hatten die Lokführer den Personen- und Güterverkehr am Donnerstag weitgehend lahmgelegt. Millionen Berufspendler kamen zwischen 4.00 Uhr und 10.00 Uhr auf der Schiene nicht voran. Zahlreiche Züge fielen aus oder kamen zu spät. Betroffen waren neben dem Fern- und Regionalverkehr auch die S-Bahnen in Ballungszentren wie Berlin, Hannover, München, Frankfurt am Main und Stuttgart.

Die Deutsche Bahn kritisierte die Eskalation des Arbeitskampfes und forderte weitere Verhandlungen. Sie wirft den Lokführern vor, trotz der branchenweit besten Bedingungen bestreikt zu werden. Der Konzern legte zudem der GDL ein Angebot vor. Über dessen Höhe machen Bahn und Gewerkschaft aber unterschiedliche Angaben. Die GDL wirft dem Konzern vor, dass die Offerte unter dem vorherigen Verhandlungsstand zurückfällt. Die Bahn weist diese Darstellung zurück und versichert, dass es keine Verschlechterungen geben soll. Die Bahn will derweil kein, wie von der GDL gefordert, neues Angebot vorlegen, dazu bestehe kein Anlass. „Wir haben ein Angebot gemacht und sitzen am Verhandlungstisch, bereit, weiter mit der GDL zu sprechen“, sagte ein Bahn-Sprecher

„Wir haben im Güterverkehr teilweise 90 Prozent zum Stehen gebracht, im Personenverkehr über 80 Prozent. Die Wirkung ist enorm“, sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky. Erneute Arbeitskämpfe schloss er nicht aus. Es gebe genügend Gründe, für die Ziele der Gewerkschaft zu kämpfen, und zwar „auch mit längeren Streiks. Wenn die Arbeitgeber die Auseinandersetzungen weiterhin suchen, so werden wir sie nicht enttäuschen“, erklärte Weselsky.

Wie der Konflikt gelöst werden kann, ist noch offen. „Es gibt zwei Varianten: Wenn die GDL glaubt, die öffentliche Meinung trägt den Arbeitskampf mit, dann wird die GDL auf Zeit spielen. Zweite Variante: Wenn die Stimmung gegen die GDL kippt, dann wird die Lokführergewerkschaft versuchen, sich in eine Schlichtung retten. Weselsky spielt die Karte alles oder nichts“, sagt EVG-Chef Alexander Kirchner Morgenpost Online. Allerdings scheint die Stimmung unter den Fahrgästen sich allmählich gegen die GDL zu wenden. „Wahrnehmbar ist, dass es vermehrt Unverständnis bei den Fahrgästen gibt. Beschimpfungen des Bahnpersonals nehmen massiv zu“, sagt Kirchner und beschreibt: „Lokführer befolgen den Streikaufruf der GDL und bleiben auf der Lok. Wir erleben hier Lokführer, die sich auf dem Führerstand einschließen. Sie wollen den Konflikt mit den Reisenden vermeiden.“

Vor einer Fortsetzung des Streits mit der GDL scheinen die privaten Bahnunternehmen derweil nicht Bange zu sein. „Benex wird nicht klein beigeben“, sagte ein Sprecher. In der Benex GmbH hat die Hamburger Hochbahn AG ihre Beteiligungen an Nahverkehrsunternehmen außerhalb Hamburgs gebündelt. „Wir haben einen Branchentarifvertrag mit der EVG“, ergänzte der Sprecher. Den akzeptiert die GDL aber nicht. Sie will mit den Privaten einen Flächentarifvertrag aushandeln, der den Lokführern der Privaten die gleichen Löhne bietet wie denen der Deutschen Bahn.

Der Flächentarifvertrag soll für den Nah-, Fern- und Güterverkehr gelten. Bei den sechs großen privaten Wettbewerbern der Deutschen Bahn – Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn – arbeiten etwa 5000 Menschen, davon 2500 Lokführer. Und diese stehen offensichtlich nicht zu 100 Prozent hinter den Arbeitskämpfen der GDL. Beim Essener Betreiber Abellio streikte am Donnerstag erstmals einer von den 60 Abellio-Lokführern. Dieser Ausfall wurde durch den regulären Ersatzmann ausgeglichen.