Jahresbilanz

Verkauf der Postbank macht die Deutsche Post reich

Der frühere Staatskonzern glänzt mit einem Milliardengewinn aus dem Expressdienst. Der Online-Brief soll das schwächelnde Briefgeschäft auffangen.

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Die Deutsche Post hat eine glänzende Bilanz vorgelegt: Keine globale Krise trübt mehr das Geschäft und ein Milliardengewinn ziert das Jahresergebnis 2010. Die Aktionäre sollen mit einer um fünf Cent höheren Dividende von 0,65 Euro an dem positiven Ergebnis teilhaben. Unterm Strich verdiente der weltweit tätige Logistik-Konzern – bei rückläufigem Briefgeschäft – mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das ist eine Vervierfachung des Nettogewinns im Vergleich zu den 644 Millionen Euro, wie die Deutsche Post DHL in Bonn berichtete.

Doch dieses Resultat ist vor allem zustandegekommen, weil das Unternehmen die Postbank an die Deutsche Bank verkauft hat. Das machte in der Bilanz 2010 allein ein Plus von rund 1,57 Milliarden Euro aus. Inklusive des Postbank-Verkaufs erwirtschaftete der Konzern den höchsten Gewinn seit dem Börsengang vor einem Jahrzehnt. Post-Vorstandschef Frank Appel sprach von einem „phänomenalen Nettoergebnis“. Insgesamt profitierte das Unternehmen mit seiner Marke DHL stark vom Konjunkturaufschwung. Ein leichter Umsatzrückgang im Briefgeschäft konnte durch starke Zuwächse in allen DHL-Bereichen (Express, Fracht sowie Lager- und Lieferlogistik) überkompensiert werden.

„Wir haben noch nie so gute Zahlen bei DHL gehabt“, sagte Post-Vorstandschef Frank Appel. Erstmals trugen die wachstumsstarken DHL-Sparten bei höherer Profitabilität mehr zum operativen Gesamtgewinn bei als der traditionelle Briefbereich. Hier zeige sich, dass die Expansionsstrategie des früheren Brief-Staatsmonopolisten in die globale Logistik richtig gewesen sei, sagte Appel. Der Trend zu einem Umsatz- und Gewinnrückgang im heimischen Briefgeschäft hielt an. Vor allem wegen der zunehmenden E-Mail-Kommunikation werden immer weniger Briefe versandt. Der Gesamtumsatz stieg um 11,4 Prozent auf 51,5 Milliarden Euro. Kräftig fielen auch die Ergebnissteigerungen im operativen Geschäft aus.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte vor Einmaleffekten um fast 50 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro (2009: 1,47 Mrd Euro) zu. Ohne Sondereffekte stieg das Ebit von 231 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro. Die Post habe sich rechtzeitig fit gemacht für den Aufschwung und sei vor allem in Asien „hervorragend positioniert“, sagte Appel. Auch in diesem Jahr wolle der Konzern von der weiteren Erholung der Weltwirtschaft profitieren. Für 2011 erwartet die Post ein Ebit von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro. Der Rückgang beim Briefgewinn um fast ein Fünftel war auch Folge der Anfang Juli 2010 eingeführten Mehrwertsteuer bei Geschäftsbriefen und dem Verlust des Quelle-Geschäfts sowie von höheren Lohnzahlungen. Positiv schlugen dagegen Zuwächse im Paketgeschäft zu Buche – vor allem durch stark wachsenden Internethandel.

Insgesamt erwartet der Post-Vorstand für die nächsten Jahre eine Stabilisierung des Briefgeschäfts. Dazu soll auch der neue Online-Brief beitragen. Die Innovation Mitte 2010 hat bislang hohe Investitionskosten verursacht, gilt aber als Wette auf eine Internet-Zukunft des Briefs. Briefchef Jürgen Gerdes zeigte sich optimistisch, dass sich der E-Postbrief auch gegen Konkurrenz durchsetzen werde. Bisher gebe es mehr als eine Million registrierte Kunden, darunter seien tausende Geschäftskunden und rund hundert Großunternehmen.

Zur überraschenden Auswechslung des für das Frachtgeschäft zuständigen Post-Vorstands Hermann Ude (49) erklärte Appel, sie habe nichts mit dem positiven operativen Geschäft zu tun. Als Begründung nannte er nur „unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung“. Nachfolger Udes ist Roger Crook (54), der bisher das DHL-Expressgeschäft in Asien verantwortete.

Dumpingvorwürfe

Die Bundesnetzagentur geht nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) Dumpingvorwürfen gegen die Post nach. Über seine Billigtochtergesellschaft First Mail in Düsseldorf soll der Konzern unzulässig hohe Rabatte gewähren, um Wettbewerbern im Ruhrgebiet die Großkunden abzujagen. Parallel dazu untersucht das Bundeskartellamt laut „FAZ“ Beschwerden gegen die Post-Tochter Williams Lea. Post-Vorstand Gerdes wies die Verdächtigungen zurück. Da sei nichts dran. „Wir betreiben unsere Geschäfte auf Grundlage der Gesetze.“ First Mail bezahlt den Mitarbeitern laut Gerdes nur den ehemaligen Branchen-Mindestlohn von 9,80 Euro pro Stunde. Dies ist weniger als bei den Stammbeschäftigten des Konzerns.