Testbericht

"Dungeons" macht viel nach, aber auch viel richtig

Die Parallelen zu "Dungeon Keeper" sind offensichtlich. Trotzdem ist "Dungeons" ein eigenständiges Spiel mit guten Ideen – und einigen Macken.

Weshalb Sie als Dungeonlord so ein fieser Typ geworden sind – traurige Kindheit, ein tyrannischer älterer Bruder, eine langwierige Krankheit –, weiß niemand so genau. Fest steht: Sie sind ein gemeiner Vertreter des Bösen, der nichts lieber tut, als ahnungslose Helden in sein Verlies (englisch: Dungeon) zu locken, sie dort mit tollen Funden (wie Schätzen und alten Büchern) erst glücklich zu machen und dann gefangen zu nehmen. In den Katakomben entziehen Sie den armen Kerlen ihre Seelenenergie. Die Kraft nutzen Sie als Währung, um Kerker auszubauen und in der Höllenhierarchie aufzusteigen.

Böse Miene zum guten Spiel

In „Dungeons“ sind Sie nicht der strahlende Held, der die Jungfrau rettet, sondern der, der die Jungfrau in Schwierigkeiten bringt – das aber jugendfrei. So toll, wie es klingt, ist das Schurkenleben nicht: Der Ausbau der Dungeons und das Einfangen der Helden erfordert Koordination und harte Arbeit. Es verursacht auch mal blaue Flecke. Aber was tut man nicht alles, um sich zu rächen. Denn die Ex-Gefährtin, die fiese Dämonenbraut Calypso, hat Sie nicht nur abserviert, sondern beim Verlassen des Verlieses auch noch die Tür für Heldenhorden offen gelassen.

Ihre Luxushöhle ging verloren – Sie fangen buchstäblich wieder ganz unten an – jedenfalls, wenn Sie die lange und unterhaltsame Kampagne spielen. Sie kämpfen sich Mission um Mission durch Verliese, setzen sich gegen unterschiedliche Gegner zur Wehr, erhalten immer neue Baumöglichkeiten – bis Sie am Ende wieder Calypso gegenüberstehen ...

Komplizierte Währung

So einfach das Spielprinzip (bauen, kämpfen, ernten, wachsen), so komplex und mitunter kompliziert der Vorgang: Mit sechs Baumenüs geht es los, drei Währungsarten kommen hinzu – Seelenenergie, Prestige, Gold. Zum guten Schluss kosten manche bauliche Veränderungen eine, zwei oder gar alle drei Währungen. Müßig zu spekulieren, ob das nicht einfacher gegangen wäre.

So ist es jedenfalls anspruchsvoll und lässt Anfängern eigentlich keine Chance, ein Bein, eine Klaue oder einen Stumpf auf den Boden zu bekommen. Begeisterung kommt bei Strategieprofis auf, denn die Menge an Menüs und Möglichkeiten ist gigantisch.

Mit einem Augenzwinkern

Den Reiz, in die Dungeons hinabzusteigen, forcieren die Entwickler durch Parodie, Selbstironie und diverse Anspielungen. Dass die Bewohner der dunklen Verliese nicht unbedingt ernst zu nehmen sind, belegt ein Beispiel: In vielen Rollen- und Strategiespielen lesen Sie während der Ladezeiten einen klugen Spruch. Etwa „Gehen Sie aus dem Feuer!“ oder „Wussten Sie schon, dass Sie mit Zauber XY auch Gegner vom Typ AB besiegen?“ Bei Dungeons steht: „Wussten Sie schon, dass viele Spiele kluge Tipps geben, um von unnötig langen Ladezeiten abzulenken?“

Balanceakt

Es ist eine hohe Kunst, Einstieg, Anspruch, Spannung und Pause optimal auszubalancieren. Hier schwächelt „Dungeons“. Anfangs ist wenig los, die Abwechslung begrenzt. Später regiert Hektik, wenn man alle Aufgaben schaffen will. Grafisch zeigt sich das Spiel in den namensgebenden Untergeschossen ansehnlich, aber die Figuren wirken lustlos gezeichnet und unansehnlich.

Fazit: Schöne Idee, gute Ansätze, vieles richtig gemacht, manches nicht – so lässt sich „Dungeons“ kurz zusammenfassen. Wer Spaß an ungewöhnlichen Settings hat, sich mit Strategie (Schwerpunkt: Aufbau) auskennt und vor allem über sich und sein Hobby auch mal lacht, dem bereitet das Spiel etliche schöne Stunden. Der Einsteiger hingegen verliert wegen der vielen Menüs und Möglichkeiten schon bald den Überblick und findet in den Schatzkisten der Verliese eher Frust als Lust.

Wer gesteigerten Wert auf Äußerlichkeiten legt, hat ebenfalls Grund zum Meckern – durchgängig top zeigt sich die Grafik nicht. Und ja, neu ist die Idee auch nicht: Sehr Ähnliches brachte Peter Molyneux mit „Dungeon Keeper“ bereits in den 90er-Jahren heraus. Dennoch: Wer solche Spiele grundsätzlich mag, den enttäuscht „Dungeons“ ziemlich sicher nicht.

Stärken: Originelle Idee, guter Humor, lange Kampagne

Schwächen: Mäßige Grafik, komplizierte Menüs, Längen im Spiel

Testnote: 2,49 (gut)

Erscheinungstermin: 27. Januar 2011 für PC.

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Quelle: Computer Bild.

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