E10

Bio-Benzin offenbart Ignoranz der Klimapolitik

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Michael Fabricius

Foto: dpa / dpa/DPA

Verbrauchern wird für den Klimaschutz einiges zugemutet. Die Ablehnung des Bio-Benzins zeigt, dass sie sich von Biokraten nicht alles gefallen lassen.

An den Zapfsäulen der Republik spielt sich eine Revolution ab. Millionen von Autofahrern weigern sich, den neuen Biosprit E10 zu tanken. Und das tun sie eben nicht deshalb, weil sie schlecht über E10 informiert sind, wie es Regierung, Parteien, Umweltverbände und sogar der ADAC behaupten. Im Gegenteil. Die Verbraucher wissen ganz genau, dass der Kraftstoff in der Praxis kaum erprobt ist.

Sie wissen, dass er Motoren beschädigen kann und dass der Verbrauch steigt. Und sie wissen auch, dass die Herstellung von Bioethanol eine fragwürdige Umweltbilanz aufweist – landwirtschaftliche Nutzflächen werden von der Biosprit-Industrie belagert, möglicherweise werden im fernen Ausland sogar Wälder dafür gerodet.

Der tatsächliche Nutzen einer neuen Vorschrift spielt keine Rolle

Dass die EU-Kommission und die nationalen Regierungen ihren Bürgern jegliches Wissen über den neuen Kraftstoff absprechen, zeigt, mit welcher Ignoranz Klimaschutzpolitik betrieben wird. Man muss den Autofahrern nur lange genug den angeblichen Sinn von E10 eintrichtern, dann werden sie den Sprit schon schlucken. Was eine neue Klimaschutzvorschrift tatsächlich bewirkt, spielt keine Rolle, die Deutungshoheit liegt beim Gesetzgeber.

So wurden die Bürger zur Verwendung funzeliger Kompaktleuchtstofflampen (vulgo Energiesparlampe) verpflichtet, bei der man wegen des hohen Quecksilbergehalts nur knapp an einem nachträglichen Verbot vorbeischrammte. Und auch hier kennt niemand deren tatsächliche CO*-Einspareffekte angesichts aufwendiger Herstellung und Entsorgung als Sondermüll.

Nur wenn sich ein neues Verbot rechnet, wird es akzeptiert

Die E10-Verweigerung bringt das Misstrauen der Bürger gegenüber den Bio-Technokraten ans Licht. Und sie zeigt gleichzeitig, dass die Verbraucher besser differenzieren können, als viele Akteure in Brüssel und Berlin glauben. Geht es um sinnvollen Klima- oder Umweltschutz, der sich obendrein rechnet, wird dieser auch mitgetragen – wie hohe Investitionen in neue Fenster und Dämmung zeigen.

Dagegen investiert kaum jemand Zehntausende Euro und dreht sein ganzes Haus auf links, nur um die neuen Auflagen zur Wärmeerzeugung mit erneuerbaren Energien zu erfüllen. Andererseits wurden hunderttausendfach Rußpartikelfilter – zum Teil zähneknirschend – installiert, doch für jeden Autofahrer ist der positive Effekt in der Regel augenfällig.

Die Biokraten sollten bei künftigen neuen Regulierungsideen nicht nur die theoretische Habenseite der CO*-Bilanz im Blick haben. Sie müssen auch das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachten. Nur wenn sich ein neues Gerät oder ein neues Verbot auch wirklich rechnet, sei es für Verbraucher oder für die Umwelt, wird es von den Bürgern akzeptiert.