Bundesbank

Axel Weber geht an die Universität nach Chicago

Bei einem der letzten wichtigen Auftritte gibt sich der Noch-Bundesbank-Chef gelöst. Dennoch bleibt er sich treu und mahnt zur Wachsamkeit.

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Den Ende April aus dem Amt scheidenden Bundesbankpräsidenten Axel Weber zieht es zurück in die Wissenschaft. Der 54-Jährige geht für ein Jahr an die Universität Chicago. Der Vertrag sei noch nicht unterschrieben, sagte Weber auf der Bilanzpressekonferenz der Bundesbank. "Aber ich freue mich enorm, wenn das klappt. Chicago ist eine Top-Uni, und ich will sehen, ob ich mich auf diesem hohen wissenschaftlichen Niveau messen kann.“ Weber soll in Chicago das Doktoranden- und Masterprogramm betreuen.

Es war einer der letzten großen Auftritte Webers im Amt des Bundesbankpräsidenten und der gebürtige Pfälzer genoss ihn sichtlich. Selten hat man Weber, der am Dienstag seinen 54.Geburtstag feierte, so gelöst gesehen. Er lachte viel, machte Scherze und bügelte auch die vierte Nachfrage zu seiner beruflichen Zukunft nicht ab. Der so viel gescholtene Bundesbank-Chef wirkte mit sich im Reinen.

Wohl auch, weil nun so gut wie feststeht, was er im kommenden Jahr machen wird. Die Universität Chicago sei eine der ersten Adressen auf dem Gebiet der Geldmarktforschung, sagte Weber. Außerdem, merkte der frühere Wirtschaftsprofessor süffisant an, gelte die US-Hochschule ja als Hort der Monetaristen – jener geldpolitischen Hardliner also, für die Preisstabilität absoluten Vorrang vor der Wirtschaftsentwicklung hat und in deren Tradition Weber steht.

Mit seinen harten, stabilitätsorientierten Positionen hatte sich Weber in den vergangenen Monaten innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) immer stärker isoliert. Der Bundesbank-Chef hatte insbesondere die Staatsanleihenaufkäufe der EZB öffentlich scharf kritisiert, weil die Notenbank dadurch indirekt den Haushalt der Krisenstaaten finanziert. Unter seinen Kollegen hatte sich der 54-Jährige damit extrem unbeliebt gemacht.

Weber verzichtete daher trotz aussichtsreicher Chancen auf eine Kandidatur für den im Herbst frei werdenden EZB-Chefposten. Parallel zog er sich nach sieben Jahren freiwillig aus der Bundesbank zurück. Das Haus sei bestellt, sagte er.

Nach seinem Jahr in den USA will Weber ab Juni 2012 seine Professur an der Universität Köln wieder aufnehmen, von der er seit 2004 beurlaubt ist. Eine Tätigkeit in anderen Bereichen schloss er nicht aus. Er werde aber zu keinerlei Spekulationen etwas sagen. Weber wird unter anderem als möglicher Vorstandschef der Deutschen Bank gehandelt.

Weber sagte, er könne die Kritik an seinem Rückzug aus der Geldpolitik nicht nachvollziehen. "Einem Quereinsteiger wie mir muss auch ein Querausstieg möglich sein.“ Er sei nicht Professor geworden, weil ihm alle anderen Berufswege verschlossen gewesen wären. Die Arbeit mit Studenten sei etwas, das ihn auch in Zukunft bereichern könne.

Weber zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit. "Ich bereue keinen Tag, den ich hier Geldpolitik in Europa mitgestalten durfte.“ Auf die Frage, ob durch seinen Abgang auch die Stabilitätskultur innerhalb EZB geschwächt werde, sagte Weber: "Garantiert nicht.“ Er verwies auf die Notenbank-Sitzung am vergangenen Donnerstag. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte völlig überraschend eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt. "Die Kollegen haben genau das Richtige entschieden, nämlich dass eine Zinserhöhung perspektivisch notwendig ist“, sagte Weber. Derzeit liegt der Leitzins für die Euro-Zone auf dem Rekordtief von einem Prozent.

Weber sagte, die Geldpolitik müsse angesichts des gestiegenen Ölpreises wachsam sein. "Wenn die Spannungen in Nordafrika nicht abebben, sehe ich das Potenzial, dass der Ölpreis länger auf dem derzeit hohen Niveau bleiben wird.“ Der von vielen Ökonomen und auch von der EZB prognostizierte Rückgang der Inflationsrate über die nächsten zwei Jahre beruhige ihn nicht. "Ich sehe einen deutlichen künftigen Preisauftrieb.“

Gewinn der Bundesbank halbiert sich

Keine neuen Spannungen erwartet Weber hingegen durch den anstehenden Bankenstresstest. "Wir werden nicht aus dem Nichts neue Kandidaten mit Problemen sehen“, sagte Weber. 2010 hatten die NordLB und die Postbank den Test nur knapp bestanden, nur die verstaatlichte Hypo Real Estate war durchgefallen.

Der Gewinn der Bundesbank ist im Geschäftsjahr 2010 unterdessen auf 2,2 Milliarden Euro gesunken. 2009 stand noch ein Überschuss von 4,1Milliarden Euro in den Büchern. Der Gewinn der Bundesbank fließt in den Bundeshaushalt. Da der Überschuss in diesem Jahr unter der Marke von drei Milliarden Euro liegt, bleibt kein Geld übrig für die Tilgung von Schulden, die der Bund während der Finanzkrise aufgenommen hat. Der Grund für den Gewinnrückgang ist vor allem eine höhere Risikovorsorge für "allgemeine Wagnisse“. Sie stieg um 1,6 Milliarden Euro auf 3,6 Milliarden Euro. Details nannte Weber nicht, ein Grund für die Aufstockung der Risikovorsorge sei der Kauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder.