Biosprit

ADAC fordert eine staatliche E10-Aufklärung

Der Automobilclub ADAC verlangt, dass das Kraftfahrzeug-Bundesamt alle Autohalter darüber informiert, ob ihr Fahrzeug E10-tauglich ist.

In der Diskussion um den umstrittenen Kraftstoff E10 hat der Automobilclub ADAC die Information aller Fahrzeughalter durch das Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) gefordert. Das wäre ein „erster Schritt“, um die Unsicherheit der Autofahrer zu verringern, ob ihr Fahrzeug E10 verträgt oder nicht, sagte ein Sprecher des ADAC in München.

Die Autohersteller, die auch bei einer Rückrufaktion auf die Daten des KBA zurückgriffen, müssten eine solche Informationskampagne initiieren. Der ADAC werde dies auch am Dienstag beim sogenannten E10-Gipfel bei Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Berlin fordern, sagte der Sprecher. „Die Angst der Autofahrer muss reduziert werden.

Der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, Thomas Brüner, hatte in der Morgenpost Online den Verdacht geäußert , dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. „Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert“, sagte Brüner. Daher könne es sein, dass Ölwechselintervalle verkürzt werden müssten.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hält an der Tauglichkeit des Biosprits fest. “Fast alle Autos vertragen das neue Benzin“, sagte Röttgen der „Saarbrücker Zeitung“. Außerdem habe die Bundesregierung dafür gesorgt, „dass die rund sieben Prozent älteren Modelle, die es nicht vertragen, unbefristet weiter das alte E5 tanken können“, sagte Röttgen. Beim „Benzingipfel“ am Dienstag gehe es darum, „die Verunsicherung beim Verbraucher gemeinsam abzubauen“.

Dagegen hielt die FDP Röttgen vor, nichts aus Fehlern aus dem Jahr 2008 gelernt zu haben zu haben, als der erste Anlauf zur Einführung des Biosprits gescheitert war. „Wir werden der Verunsicherung bei den Verbrauchern sicher nicht dadurch beikommen, indem wir einfach das Kommando „weiter so“ ausgeben“, sagte FDP-Fraktionsvize Patrick Döring.

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Politik und Wirtschaft schon in der Vergangenheit in aller Klarheit und Deutlichkeit kommuniziert und informiert hätten. „Wir müssen jetzt aber gemeinsam dafür sorgen, die Sache zu beruhigen und die gemachten Fehler zu beheben. Ich halte eine Aussetzung von E10 deshalb für sinnvoll“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Liberalen.

Döring sagte zudem, er habe wenig Verständnis dafür, dass einige Autohersteller nur sehr zögerlich rechtsverbindliche Sicherheit über die E10-Tauglichkeit ihrer Fahrzeuge geben. „Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass die Politik hier zu wenig auf eine gemeinsame und einheitliche Kommunikationsstrategie gedrungen hat - ein Flyer alleine reicht da nicht. Da hätte auch der zuständige Minister stärker führen müssen. Stattdessen hat Norbert Röttgen die Sache einfach laufen lassen.“ Es sei bezeichnend, dass Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) den „Benzingipfel“ einberufen habe, „während der eigentlich zuständige Umweltminister einfach nur Durchhalteparolen“ ausgebe.

Während an den Tankstellen die Nachfrage nach E10 sehr gering bleibt, wollen Politik, Wirtschaft und Verbraucherschützer auf dem „Benzingipfel“ nach Wegen suchen, um das Vertrauen der Verbraucher in den neuen Kraftstoff zu stärken.

Vor dem Treffen allerdings gingen die gegenseitigen Schuldzuweisungen unvermindert weiter. Der besonders in die Kritik geratene Verband der Mineralölwirtschaft verwies im Informationschaos um E10 auf die Autobauer. „Wir sind nicht in der Lage, eine kompetente Auskunft zu geben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Klaus Picard, im Bayerischen Rundfunk. Bei Problemen könnten nur die Hersteller haften.

Die Mineralölwirtschaft sieht er in einer undankbaren Situation: „Wir müssen die Vorgaben der Politik gegen den Wunsch der breiten Bevölkerung umsetzen.“ Problematischer als der Informationsmangel sei die fehlende Akzeptanz von E10. Den ökologischen Nutzen des Biosprits nannte Picard „sicherlich gering“.

Der Verbandschef forderte zudem den Verzicht auf Strafzahlungen, sollte der vom Staat geforderte Bio-Anteil in Benzin und Diesel nicht erreicht werden. „Niemand darf dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertragen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden kann“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Die Ölbranche muss 6,25 Prozent des verkauften Kraftstoffes - gemessen am Energiegehalt - aus pflanzlicher Produktion gewinnen, sonst drohen hohe Strafen. E10 enthält zu 10 Prozent Ethanol. Bei einer Rückkehr zum alten Super mit fünf Prozent Ethanol würden die dann fälligen Strafzahlungen jeden Liter Benzin etwa 2 Cent verteuern.

Bei der Deutsche Automobil Treuhand (DAT) können Sie sehen, ob Ihr Fahrzeug E10 verträgt.