Biosprit

Brüderle ruft wegen E10-Chaos zum großen Gipfel

Die Mineralölwirtschaft hat die Einführung des umstrittenen E10-Biosprits vorläufig gestoppt. Nun scheinen die zuständigen Minister vor Wut zu kochen.

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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schaltet sich in das Chaos um den neuen Biosprit E10 ein. Er werde zeitnah alle Beteiligten zu einem „Benzin-Gipfel“ einladen, sagte Brüderle. „Fakt ist, dass die Verbraucher völlig verunsichert sind.“

Zuvor hatte die Mineralölwirtschaft überraschend angekündigt, die Einführung von E10 an weiteren Tankstellen vorläufig zu stoppen. An Zapfsäulen, wo es bereits E10 gibt, kann die Benzinsorte weiter getankt werden. Brüderle verlangt nun Aufklärung. „Ich halte es daher für entscheidend, dass die Beteiligten, insbesondere die Automobil- und die Mineralölwirtschaft, die Atempause bei der Umstellung auf E10 nutzen, um bei den Verbrauchern für absolute Klarheit zu sorgen.“ Die Industrie müsse der Regierung ihre weiteren Schritte erläutern. Der genaue Termin für das Spitzentreffen steht noch nicht fest.

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) übt harte Kritik am vorläufigen Stopp bei der Einführung des Biosprits E10 an weiteren Tankstellen scharf kritisiert. „Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel“, sagte Röttgen. „Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher.“ Die Mineralölindustrie sollte sich endlich eine vernünftige Strategie überlegen, „statt jeden Tag widersprüchliche und verwirrende Botschaften auszusenden“.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) bezeichnete das Verhalten der Mineralölbranche als "Trauerspiel". "Die Informationspolitik ist wirklich miserabel", sagte sie. Die Konzerne hätten lange genug Zeit gehabt, sich auf die Einführung des neuen Kraftstoffs vorzubereiten. „Die Wirtschaft darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und die Kunden die Zeche zahlen lassen.“

Mit der Einführung von Super Benzin mit zehn Prozent Ethanol setzt die Branche Vorgaben von EU und Bundesregierung um. Allerdings wird der Sprit bisher von vielen Verbrauchern verschmäht. Da sie daher auf andere Sorten ausweichen, drohen Engpässe an Tankstellen. Am Mittwoch hatte die Branche daher an dieAutofahrer appelliert, den neuen Biosprit zu kaufen, den entgegen aller Befürchtungen 93 Prozent der Benzintankenden Autos in Deutschland E10 vertragen. Ein Anruf beim Händler genügt, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die Branche will wegen der Absatzprobleme nun abwarten, ob die Verbraucher in den nächsten Tagen E10 besser annehmen und der Sprit an weiteren Tankstellen eingeführt werden kann. Bisher gibt es ihn an knapp der Hälfte der 15.000 Tankstellen in Deutschland. Picard betont, natürlich gebe es an den Tankstellen, die E10 bereits führen, weiterhin den neuen Biosprit.

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