Autoexperte

Deutsche Autos vertragen auch 80 Prozent Ethanol

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Foto: Getty Images

In Brasilien fahren die Autos mit einem viel höheren Anteil von Biosprit – und das sind die gleichen Fahrzeuge wie hier.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat dem ADAC eine völlig unbegründete Stimmungsmache gegen den Biokraftstoff E10 vorgeworfen. Es wäre auch kein Problem, Fahrzeuge für E80 oder gar reinen Alkohol auszulegen. In Brasilien seien Millionen Autos schon jahrelang mit E80 und E100 unterwegs, „und das sind die gleichen Autos, die bei uns fahren“, sagte der Professor für Automobilwirtschaft.

„Der ADAC hat die Autofahrer in Deutschland verunsichert und eine Riesenkampagne gefahren“, sagte Dudenhöffer. Statt mit den Autoherstellern zusammen Negativlisten zur Verfügung zu stellen, habe der Autoclub Schadenszenarios an die Wand gemalt. Selbst alte VW Käfer tankten in Brasilien Ethanol aus Zuckerrohr. Die Autoindustrie verkaufe dort die gleichen Fahrzeuge wie in Deutschland.

„Wenn man das sieht, versteht man die Welt nicht mehr“, sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen. Nicht drei Millionen, sondern höchstens 500.000 der 42 Millionen Autos in Deutschland könnten durch E10 Schaden nehmen. „Was die Autoindustrie heute baut, ist auch ausgelegt für Brasilien“, sagte Dudenhöffer. „In Deutschland sind alle modernen Motoren darauf ausgelegt.“

Dudenhöffer nahm die Mineralölindustrie in Schutz. Sie habe den Biosprit produziert, sei aber überrascht worden „durch die Verunsicherungswelle, die nach meiner Einschätzung wesentlich durch den ADAC verstärkt worden ist“. Vor allem die ausländischen Autohersteller hätten die Autofahrer allerdings auch besser informieren sollen. „Das ist kein Technologiethema, sondern nur ein Informationsthema“, sagte der Autoexperte.

EU-Kommission sieht keine Pflicht für E10

Die EU-Kommission hat klargestellt, dass es keine Verpflichtung zur Einführung des Biosprits E10 in Europa gibt. Es sei alleine die Entscheidung der Bundesregierung, ob sie Pkw-Benzin mit einem Ethanol-Anteil von zehn Prozent einführe oder nicht, sagte Kommissionssprecher Joe Hennon.

Die Kraftstoffrichtlinie von 2009 legt allerdings das Ziel fest, dass bis 2020 zehn Prozent der Energie im gesamten Transportsektor aus erneuerbaren Quellen stammen muss. Wie die Staaten dieses Ziel erreichen, ist ihre Sache. Einige EU-Länder haben sich nach Kommissionsangaben dafür entschieden, einen Biosprit-Anteil von 80 Prozent für Taxis und Busse vorzuschreiben. Auch scharfe Vorgaben für Lastwagen sind möglich.

Benzingipfel am Dienstag

Auf einem Benzin-Gipfel wollen am kommenden Dienstag Vertreter der Bundesregierung, der Industrie und der Wirtschaftsverbände Wege aus dem Chaos bei der Einführung des neuen E10-Biosprits finden. Das gaben Sprecher des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums in Berlin bekannt. Unterschiedliche Einschätzungen zwischen den beiden Ministerien gab es allerdings darüber, ob es trotz der mangelnden Akzeptanz von Super-E10 bei der Einführung des neuen Benzins bleibt.

Die Sprecherin des Umweltministeriums, Christiane Schwarte, wies der Mineralölwirtschaft die Schuld an dem „Kommunikationsdesaster“ zu. „Sie hat sich nicht genügend an der Aufklärung beteiligt.“ Sie erinnerte daran, dass bis 2014 eine Beimischungsquote von Biosprit in der gesamten Benzinmenge erreicht werden müsse, und dass der Weg über die Einführung des E10-Kraftstoffs einer von mehreren möglichen sei. Schwarte bestätigte, dass es bei der Einführung des E10-Benzins bleiben solle.

Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Tobias Pierlings, wollte sich darauf nicht festlegen. Beide betonten aber, bei dem Gipfel solle es nicht mehr um Schuldzuweisungen gehen, sondern darum, offen über Probleme zu reden und gemeinsam Lösungen zu finden.

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