Technologiepark

Adlershof macht Schule in Berlin

Der Wissenschaftspark verbindet Forscher mit Gründern im Technologiesektor - ein Erfolgsmodell, das sich allmählich über die Stadt verbreitet. Nun soll die Freie Universität soll ein "kleines Adlershof" bekommen.

Der Technologie- und Wissenschaftspark Adlershof wird zur Blaupause für die Wirtschafts- und Förderpolitik der Stadt. Das Modell, ein Amalgam aus Forschung, Gründerzentren und Technologieunternehmen, breitet sich über die ganze Stadt aus. Egal, ob auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, dem (bald ehemaligen) Flughafen Tegel oder nahe der TU in Charlottenburg: Überall entstehen Zentren nach ähnlichem Muster, konzipiert und betrieben von der Adlershof-Entwicklungsgesellschaft Wista. Und diese soll nun auch an der Freien Universität in Dahlem ein Gründerzentrum etablieren.

„Dafür würde sich das ehemalige US-Militärhospital an der Fabeckstraße anbieten“, sagte Florian Seiff von der Wista-Tochtergesellschaft IZBM, die unter anderem gerade das Gründerzentrum Campus Charlottenburg für die TU entwickelt. Das Krankenhausgelände gehört dem Liegenschaftsfonds, für junge Gründer stünden bis zu 5000 Quadratmeter zur Verfügung. Fördergeld ist für das „Technologiezentrum Südwest“, so der Arbeitsnahme, bereits beantragt.

Mehr als 14.000 Arbeitsplätze

Die Mutter aller Berliner Gründerzentren neuen Typs, Adlershof selbst, meldete gute Zahlen für das Geschäftsjahr 2010. Wista-Chef Hardy Schmitz sprach von einem „fantastischen Ergebnis“. Ende vergangenen Jahres gab es in Adlershof 883 Firmen und 17 Wissenschaftsinstitutionen. Zählt man die Umsätze, Förder- und Haushaltsmittel aller Adlershofer zusammen, kommt man auf 2,05 Milliarden Euro – ein Plus von 15,6 Prozent im Vergleich zum Krisenjahr 2009. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um ein Prozent. Derzeit arbeiten auf dem Areal 14149 Menschen. Bis 2025 sollen es doppelt so viele sein, sagt Wista-Chef Schmitz.

Er hat ehrgeizige Expansionspläne. Das Gelände wird, wenn alles gut läuft, weit in Richtung Norden entlang der Großberliner Chaussee erweitert. Dort sollen nach den Wünschen der Standort-Manager größere, etablierte Unternehmen Produktionsstandorte eröffnen. Mit der Deutschen Bahn wird über eine Entwicklung des ehemaligen Gleisgeländes am Betriebsbahnhof Schöneweide verhandelt.

Zählt man alle noch verfügbaren Flächen zusammen und spielen alle Immobilienbesitzer mit, dann stehen fast 100 Hektar zusätzlich zur Verfügung. Darauf könnten bis zu 9000 Beschäftigte eine Stelle finden – wenn sich denn genug und vor allem größere Firmen ansiedeln. Bislang ist die typische Adlershof-Firma ein eher kleineres Unternehmen aus dem Hochtechnologie-Bereich.

Durch die Nähe zum neuen Hauptstadt-Flughafen sollen potente Investoren gelockt werden. Bislang gibt es nur wenig große Gewerbeunternehmen. Der Fotovoltaikhersteller Solon dominiert dabei. Mit einem Umsatz von 525 Millionen Euro macht er fast die Hälfte des privatwirtschaftlichen Umsatzes in Adlershof aus. Doch das Unternehmen ist hoch verschuldet. Im Frühjahr eröffnet die Unternehmensgruppe Freudenberg eine Produktion für Kunststoffdichtungen.

Dieses Jahr feiert der Technologiepark Adlershof 20.Geburtstag. Seit 1991 flossen 1,3 Milliarden Euro Fördergeld. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge hat sich das gelohnt. Die Bruttowertschöpfung beträgt rund eine Milliarde Euro pro Jahr.