Zugausfälle

GDL warnt Bahnkunden zwölf Stunden vor Streiks

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will die Bahnkunden nicht gegen sich aufbringen. Diese sollen einen halben Tag vor jedem Streik Bescheid wissen.

Es ist die Lizenz für lange Streiks. Mit mehr als 90 Prozent Rückhalt aus einer Urabstimmung will der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), Claus Weselsky, in einen offenen Tarifkampf gegen die Deutsche Bahn und Co. ziehen. „Wenn die Arbeitgeber die Auseinandersetzung weiterhin suchen, so werden wir sie nicht enttäuschen“, lautete die offensive Ansage aus der Gewerkschaftszentrale in Frankfurt.

Da es Weselsky aber sehr wichtig ist, die öffentliche Meinung nicht gegen sich aufzubringen, soll der Personenverkehr so weit wie möglich verschont bleiben.

Daher kündigte die GDL schon einmal eine Warnfrist an, um Bahnkunden zu beschwichtigten: Die Fahrgäste sollen zwölf Stunden vor jedem Zugausfall Bescheid wissen und dementsprechend umplanen können.

Berliner S-Bahn wird bestreikt – nur wann?

Die Lokführergewerkschaft GDL will dabei die S-Bahn Berlin bei der beschlossenen Ausweitung ihrer Streiks nicht völlig verschonen. Die S-Bahn werde „bestimmt an einem gewissen Punkt einbezogen“, sagte GDL-Bezirkschef Frank Nachtigall in der RBB-„Abendschau“.

Wann, könne er aber noch nicht sagen. Bei zwei der drei bisherigen Warnstreikwellen hatte die GDL die S-Bahn ausgenommen.

Die Berliner S-Bahn kann wegen Technikproblemen seit Monaten ohnehin nur stark eingeschränkt fahren.

Vor allem im Güterverkehr sollen die Züge bald oft stillstehen. „Die Situation ist ernst“, rief Weselsky am Rosenmontag in Frankfurt den Arbeitgebern zu und forderte wiederholt „verhandelbare Angebote“. Wann Streiks beginnen, blieb aber vorerst ebenso unklar wie deren Dauer.

Es könnte ein zäher Kampf werden, denn die Lage ist verzwickt: Bei der Deutschen Bahn (DB) und sechs großen Konkurrenten kämpft er um gleiche Löhne auf dem hohem Niveau des Marktführers – und mit der rivalisierenden Gewerkschaft EVG um Einfluss.

Schon 2007/2008 hatte sich die kleine Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in einem erbitterern Ringen eine eigene Verhandlungsmacht beim bundeseigenen Konzern erkämpft – damals noch in Abgrenzung zu den Gewerkschaften Transnet und GDBA, die inzwischen zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fusionierten.