Schifffahrt

Milliardär verlangt Wachstumskurs bei Hapag Lloyd

De facto sichert sich Klaus-Michael Kühne die Sperrminorität bei Hapag und wappnet sich für anstehende Änderungen in Vorstand und Aufsichtsrat.

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Nachdem sich der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne in der vergangenen Woche weitere Anteile an Hapag-Lloyd gesichert hat, spricht er nun erstmals über seine Pläne für Deutschlands größte Reederei. "Hapag-Lloyd wird nach dem Ausstieg der TUI auf einem finanziell stabilen Sockel stehen. Was dem Unternehmen aber fehlt, ist eine Wachstumsstrategie“, sagte Kühne der "Welt“.

Vorrangiges Ziel des Managements müsse es sein, den Platz fünf der weltweiten Containerreedereien zu verteidigen. Dazu wolle er "Denkansätze und eine kreative Komponente“ beisteuern, sagte Kühne. Auch Übernahmen anderer Schifffahrtsunternehmen durch Hapag-Lloyd schließt der 74-jährige Milliardär dabei nicht aus. Der Reederei wird dieser Rang derzeit von den Konkurrenten APL/NOL aus Singapur sowie der chinesischen Cosco streitig gemacht, die beide ihre Flotten erweitern.

Nach den jüngsten Veränderungen hält der Tourismuskonzern TUI jetzt noch rund 38 Prozent der Hapag-Aktien, will diese aber über die Börse oder den Verkauf an Investoren abgeben. Im Gespräch ist ein Termin für den Börsengang noch vor Ostern.

Erklärtes Ziel der TUI ist es, sich komplett aus der Schifffahrt zurückzuziehen. Vergangene Woche hatte der Reisekonzern elf Prozent der Anteile an die Gesellschaft Albert Ballin verkauft. Hinter diesem Konsortium stehen Kühne und die Stadt Hamburg sowie je zwei Versicherungen und Banken. Kühne hat den Aktienkauf mit 315 Millionen Euro finanziert. Zusammen mit eigenen Hapag-Anteilen verfügt er nun über knapp 25 Prozent an der Reederei. Seinem Ziel, eine Sperrminorität zu erreichen, ist er damit sehr nahe.

Klar ist schon jetzt: An dem Unternehmer, dem die Mehrheit des Schweizer Transportkonzerns Kühne + Nagel gehört, wird kein Anteilseigentümer bei Hapag-Lloyd vorbeikommen. Dies dürfte sich bald im Aufsichtsrat zeigen: Zwar strebt Kühne nicht persönlich den Vorsitz des Gremiums an, er könnte aber seinen Vertrauten Karl Gernandt dort einsetzen. "Es ist nicht undenkbar, dass uns dieses Amt zusteht“, äußerte sich Kühne zurückhaltend dazu. Derzeit ist TUI-Chef Michael Frenzel Aufsichtsratschef der Reederei. Nach dem Aktienverkauf steht eine Neubesetzung an.

Auch im Management bei Hapag-Lloyd zeichnen sich Veränderungen ab. So laufen in zwei Jahren bei zwei von vier Vorständen die Verträge aus: bei Vorstandschef Michael Behrendt sowie bei Ulrich Kranich, der das Schifffahrtsgeschäft verantwortet. Kühne erwartet von dem Gremium eine stärkere Ausrichtung auf Wachstum. "Es reicht nicht aus, ein paar große Schiffe zu bestellen“, sagte der Unternehmer. Hapag-Lloyd müsse alles daran setzen, weitere Marktanteile hinzuzugewinnen.

In der Geschäftswelt der Reedereien sind Größenvorteile auf Routen etwa von Asien nach Amerika oder nach Europa besonders wichtig, weil Auftraggeber wie Schenker, DHL oder auch Kühne + Nagel den überwiegenden Teil ihrer Schiffstransporte mit großen Containerlinien abwickeln. "Nach dem Ausstieg der TUI wird Hapag-Lloyd frei sein von Finanzierungssorgen. Das sollte zu einer Wachstumsstrategie genutzt werden“, sagte Kühne.

Weltweit dominieren die drei europäischen Reedereien Maersk aus Dänemark, MSC aus der Schweiz und CMA CGM aus Frankreich das Seefrachtgeschäft. Dann folgen Evergreen aus China und eben Hapag-Lloyd. Diese Position gelte es zu halten, sagte Kühne.

Zugleich bemüht sich der Unternehmer darum, seine Positionen mit den anderen Anteilseigentümern abzustimmen. "Ich gebe bei Hapag-Lloyd nicht den Ton an. Vielmehr gibt es mit mir und der Stadt Hamburg nun zwei gleich große Gesellschafter, die hoffentlich auch weiterhin an einem Strang ziehen werden“, sagte Kühne.

Was die Stadt jedoch langfristig mit ihren Anteilen plant, ist derzeit offen. Denn nach dem Regierungswechsel in Hamburg gibt es noch keine Äußerung dazu. Ein neuer, noch nicht benannter Finanzsenator wird für die Beteiligung zuständig sein. Denkbar ist, dass die Stadt ähnlich wie im Fall Beiersdorf zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Engagement bei Hapag aussteigen wird – wenn sich das eingesetzte Geld durch einen Aktienverkauf wieder erlösen lässt. In Teilen könnte dies auch über einen Aktienrückkauf von Hapag-Lloyd selbst abgewickelt werden.

Zumindest bis zum Ausstieg der TUI wird das Ballin-Konsortium gemeinsam vorgehen. Wie es danach weitergeht, ist offen: So könnten kleine Anteilseigentümer wie die HSH Nordbank ihre Anteile im Rahmen eines Börsengangs ebenfalls veräußern. Den beiden Versicherungen Signal Iduna und Hanse-Merkur wird dagegen in Hamburg ein langfristiges Interesse an der Anlage bei Hapag-Lloyd nachgesagt. Und wie sich die vom Bankhaus M.M. Warburg vertretenen Privatanleger nach dem Aktienverkauf verhalten werden, ist ebenfalls ungewiss.

Zudem betont die TUI, dass es nach wie vor die Möglichkeit des Verkaufs an Investoren gibt. "Diese Interessenten werden sich erst nach der Veröffentlichung eines Börsenprospektes aus der Deckung wagen“, sagte ein Manager. Doch zu radikalen Veränderungen dürfte auch dies nicht mehr führen: Denn nach Absprachen zwischen TUI und dem Konsortium wird der Reisekonzern nur an denjenigen Investor Aktien verkaufen, der in dem Kreis des Konsortiums auf Zustimmung trifft.